Schon die ersten Meter vom Bahnhof zum Festzelt lassen erahnen – die Stadt Altmünster am Traunsee und die Region sind fest in der Hand von Can-Am. An beinahe jeder Ecke sind Ryker, vor allem aber Spyder in den unterschiedlichsten Ausführungen zu sehen.
BRP, Can-Am und eine eingeschworene Fahrgemeinschaft
Bereits seit 10 Jahren veranstaltet der kanadische Hersteller BRP (Bombardier Recreational Products) die „Spyder Großglockner-Challenge“ in Österreich und bringt dabei Fahrer aus ganz Europa zusammen. Dass dieses Event sowohl für BRP als auch für die Can-Am-Fahrer mehr als eine bloße Veranstaltung zur Kundenbindung ist, merkt man sehr schnell. Kein Can-Am ohne Individualisierung, kein Fahrer, der nicht in der Lage wäre, aus dem Stand einen langen Vortrag zu den Eigenheiten seiner Maschine und dem Besonderen des Spyder-Fahrens zu referieren.
Egal, ob Lackierung, Dekor oder Stofftier: Kein Can-Am gleicht dem anderen Der Stolz und die Geschlossenheit der Can-Am-Community sind besonders dann spürbar, wenn man sich als Motorradfahrer outet. Man dürfe das keinesfalls miteinander vergleichen, auch das Fahrverhalten sei überhaupt nicht vergleichbar, um nach der nächsten Etappe zu fragen, ob man als Motorradfahrer denn nun lieber Can-Am fahren würde. Und die Frage ist gar nicht so abwegig, denn viele der Teilnehmer sind eines Tages von zwei, auf drei Räder umgestiegen. Die Gründe sind vielfältig und reichen vom Wiedereinstieg nach vielen Jahren über das Plus an Sicherheit bei der Fahrt mit Sozius bis zum gemeinsamen Fahrerlebnis der eingeschworenen Gemeinde.
Und genau so wird die „Großglockner-Challenge“ dann auch von Initiator Maksym Ivanenko eröffnet. Mit einem großen Hallo wurden über 430 Teilnehmer auf 380 Fahrzeugen aus 20 Ländern in Altmünster am Traunsee begrüßt. Mit einem ausgezeichneten Büfett beginnt das Event dann angemessen stimmungsvoll. Obwohl es hauptsächlich um das gemeinsame Hobby, den Austausch mit Gleichgesinnten und Ausfahrten in der wunderschönen Region um den Traunsee geht, ist es die Großglockner-Challenge, also Herausforderung. Deshalb hat Can-Am den Teilnehmern Hausaufgaben in Form eines Stempelheftes mitgegeben. An insgesamt vier Checkpoints gibt es den begehrten Stempel ins Heft. Gleichzeitig muss vor Abgabe noch die Startnummer des Fahrzeugs angegeben werden, das man für besonders gelungen modifiziert und individualisiert hält. Dem Gewinner winkt als Hauptgewinn die Überlassung eines vollausgestatteten „Spyder RT STS“.
Die Reporter-Sänfte im Überblick
Die Reporter-Sänfte: Can-Am Spyder RT Limited, mit Vollausstattung und jeder Menge Komfort Auf einem „RT Limited“ durfte ich die Spyder Großglockner-Challenge begleiten. Mein Gefährt in Petrol Metallic und vollausgestattet sollte mich auf zwei Fahrtagen über knapp 650 Kilometer durch Linz und durch die Region bis auf den höchsten Berg Österreichs – den Großglockner – begleiten. Vollausgestattet, vollgetankt und frisch geputzt wurde mir das Fahrzeug nach Begrüßung und Fahrerbriefing übergeben. Das Wort „vollausgestattet“ nimmt Can-Am wörtlich. Halbautomatik, (für Motorradfahrer) gigantische 177 Liter Stauraum, Sitz- und Griffheizung für Fahrer und Sozius, 7,8 Zoll großes TFT-Display mit tadellos funktionierender Bluetooth-Konnektivität, Audiosystem mit Klinkenstecker, USB-Anschluss und nicht weniger als sechs Boxen für Musik- oder Radiobeschallung aus jeder Richtung. So viel Luxus will bewegt und bezahlt werden. Für den Vortrieb ist ein kraftvoller und zugleich äußerst feinfühliger „Rotax 1330 ACE-Reihendreizylinder“ zuständig. Er bewegt die deutlich mehr als 500 Kilogramm Gewicht angemessen gediegen und bei Bedarf auch zügig nach vorn. Ein Sprintwunder wird der „Spyder RT Limited“ in diesem Leben allerdings nicht mehr. Für eine zügige Fahrt über Landstraßen und das unauffällige Streckemachen auf deutschen Autobahnen reicht es aber. Ergonomie und Komfort sind tadellos. Kniewinkel und Armhaltung sind entspannt und auch die Sitzhaltung ist angenehm aufrecht. Der riesige Windschild lässt sich, wie es sich für einen echten Luxustourer gehört, elektrisch in Position bringen und schirmt Wetter und Wind gekonnt von vorn ab, sodass auch bei Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h die Musik genossen werden kann. Auch der Regen hat frontal kaum eine Chance. Einziges Manko: Der Windschild könnte eine Beschichtung mit wasserabweisendem Material vertragen.
Doch wie fährt es sich?
Definitiv nicht wie ein Motorrad und auch nicht wie ein Auto. Was die reine Fahrtechnik, also wie bewege ich den Spyder jetzt durch die Kurven von A nach B, angeht, erinnern Lenkung, Sitzposition und Fahrgefühl am ehesten an ein Quad oder ein Schneemobil. Kein Wunder, ist BRP doch auch in diesen Geschäftsfeldern aktiv und erfolgreich. Insgesamt sorgt das zusätzliche Rad jedoch für deutlich mehr Gediegenheit und Entspannung beim relaxten Fahren. Wer es sportlich angehen will, muss hingegen mehr arbeiten als auf dem Motorrad und stößt bauartbedingt recht schnell an die Grenzen des Spyders. Ohne Schräglage wird der Kurvenradius nun einmal vom möglichen Lenkeinschlag begrenzt.
Fahrtag eins – Besuch in der Rotax-Fabrik und im „Rotax Dome“ in Linz
Im Rotax-Werk in Linz werden fast alle Motoren für BRP entwickelt und hergestellt Der erste Tag sah Checkpoints in der Rotax-Fabrik, im Rotax Dome, einem Erlebniscenter der Firma mit E-Go-Kart, Schneemobilsimulator und Bar an der Donauschlinge in Haibach vor. Rotax gehört, genau wie Can-Am, zum kanadischen BRP-Konzern und stellt die Motoren für Can-Am her.
Interessierte hatten dabei am ersten Checkpoint, der Rotax-Fabrik in Gunskrichen, nicht nur die Gelegenheit, sich die Stempelhefte zu füllen, sondern auch zu einer Besichtigung des Werks samt anschließendem Mittagessen in der Kantine. Durch recht dichten städtischen Verkehr ging es anschließend weiter zum „Rotax Max Dome“ in der Linzer Innenstadt. Das Angebot, E-Kart zu fahren und einen von weltweit zwei Schneemobilsimulatoren zu testen, wurde dabei reichlich in Anspruch genommen.
Auch der Autor versucht sich auf dem Schneemobil Gegen Nachmittag fand dann, man durfte es als Vorgeschmack auf den nächsten Tag verstehen, der erste Ausflug in die Natur statt. Denn den dritten und letzten Stempel des Tages gab es, meist in Verbindung mit einem Kaffee oder Eisbecher, im Hotel Donauschlinge.
Fahrtag zwei – zum Großglockner und Wettertest
Ziel des zweiten Fahrtages: die Kaiser-Franz-Josef-Höhe in 2.369 Metern Höhe mit Blick auf den Pasterzengletscher Der zweite Fahrtag stand dabei ganz im Zeichen des Namensgebers – dem Großglockner. Route und Zeitplan zum Großglockner und der Panoramastraße konnten dabei von den Teilnehmern wie am Tag zuvor selbst bestimmt werden. Unsere Route führte uns bei zunächst traumhaftem Wetter über Bad Ischl und Bischofshofen und anschließend an der Salzach entlang, bis wir bei Zell am See auf die Großglockner-Hochalpenstraße abbogen. Kehre für Kehre und vorbei an den berühmten Punkten Hexenküche und oberes Nassfeld ging es auf dem „Can-Am Spyder RT Limited“ immer weiter hinauf. Mit der Halbautomatik und dem seidenweichen Motor wirklich ein entspanntes Vergnügen, bei dem man Landschaft, Ausblick und Ausfahrt gleichermaßen genießen und erleben kann. Ziel war die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2.369 Metern. Dort gab es nicht nur den letzten Checkpoint samt Stempel, sondern auch ein Gruppenfoto.
Das obligatorische Gruppenfoto aller Teilnehmer darf nicht fehlen. Schnell geknipst und noch schneller weiter, denn unmittelbar danach zog schlechtes Wetter auf Bereits am Tag zuvor war schlechtes Wetter vorhergesagt worden und kurz nach dem Gruppenfoto gegen 13:30 Uhr drückte das schlechte Wetter dann auch mit aller Kraft über den Gipfel des Großglockners und ließ einen kräftigen Schauer los. Nach einem kurzen Blick auf das Wetterradar zeichnete sich ab, dass der Rückweg zumindest bis Bischofshofen für einen Wettertest von Anzug und Gefährt genutzt werden könnte. Ich mache es kurz – der Wetterschutz des Spyder RT Limited ist exzellent. Hinter der riesigen Tourenscheibe und dem Cockpit kann einem selbst der stärkste Schauer kaum etwas anhaben. Wen es trotzdem fröstelt, sei die Griff- und Sitzheizung empfohlen. Und als wir das örtlich begrenzte Gewitter nach Bischofshofen dann hinter uns gelassen hatten, tat die Sonne ihr Bestes und ließ uns bis zum Abschluss am Schloss in Altmünster am Traunsee und nach knapp 420 Kilometern des zweiten Fahrtags nicht mehr an den Regen denken.
Abschlussveranstaltung und Siegerehrung
Die Abschlussveranstaltung, erneut ein schickes Dinner-Büfett mit Beatles-Coverband und Siegerehrung, bot dann die Gelegenheit, sich ein letztes Mal auszutauschen, anzustoßen und die beiden sehr gelungenen Tage Revue passieren zu lassen.
Seine Polizei-Version hat überzeugt und der Gewinner darf sich auf ein Jahr mit dem Spyder RT STS freuen Zwei intensive Tage mit spannenden Einblicken bei Rotax, einer tollen Location in Altmünster am Traunsee und wunderschönem Panorama am Großglockner fanden hier einen sehr gelungenen Abschluss. Und da die sehr enge Gemeinschaft der Can-Am- und Spyder-Fahrer langsam aber stetig wächst, dürfte sich auch immer weiter herumsprechen, was für eine tolle Veranstaltung die „Spyder Großglockner-Challenge“ ist, und im nächsten Jahr erneut für einen neuen Rekord bei der Teilnehmerzahl sorgen.