British Columbia und Alberta – Auf Schotter zurück in die Eiszeit

Nach all dem unendlichen kanadischen Wald geht es jetzt mit einem etwas anderen Wald los: dem Sign Post Forest.
19.10.2024
| Lesezeit ca. 4 Min.
Tim & Jessy Tretter
Tim & Jessy Tretter
Ein Schilderwald von mittlerweile grob 90.000 Schildern, die von Reisenden hier aufgehängt wurden. Wir haben zwar leider keinen Platz für ein Schild in unserem Gepäck, aber ein paar Aufkleber haben wir beigesteuert.
Sign Post Forest
Der Sign Post Forest am Alaska Highway mit grob 90.000 Schildern aus aller Welt ist in der Zwischenzeit ein riesiges Labyrinth

Rauchwolken begleiten uns

Weiter geht es für uns auf dem Stewart-Cassiar Highway. Zwar asphaltiert, aber ohne jeglichen Verkehr und sich durch traumhafte Natur schlängelnd, also eine super Motorradstrecke. Nur leider hat uns auch hier einmal mehr ein Waldbrand erwartet, dieses Mal aber immerhin mit einer Rauchwolke, die uns nur einen halben Tag lang begleiten sollte. Neben der schönen Strecke ist einer der Hauptgründe, den Stewart-Cassiar zu wählen, der Salmon-Gletscher.
Stuart Cassier Highway mit Rauchwolke
Auch weiter südlich in Kanada, auf dem Stewart-Cassiar Highway, treffen wir auf Waldbrände

Oberhalb des Salmon-Gletschers

Der einzige Gletscher Amerikas, der unterhalb einer öffentlichen Straße liegt. Die Schotterstrecke führt einen immer weiter hinauf, bis man am Ende des Tals tatsächlich über dem Gletscher steht. Ein unwirkliches Gefühl, hier sein Zelt aufzuschlagen. Immer wieder hören wir den Gletscher knacken und brechen. Die Sonne geht langsam unter und wir sitzen hier über „unserem“ Gletscher und können das unglaubliche Glücksgefühl mal wieder nicht wirklich fassen. Wie geil die Welt doch sein kann!
Salmon Gletscher
Der Salmon Gletscher in Alaska liegt unterhalb einer Schotterstrecke, wodurch diese natürlich unter Reisenden legendär ist
Auf dem Weg zurück geht es wie zuvor zurück nach Alaska und wieder nach Kanada. In diesem kleinen Zipfelchen Alaskas gibt es neben der quasi Geisterstadt Hyder auch noch die Fish Creek Observation Site. Die einzige Stelle Alaskas, an der man Bären beim Fischfangen beobachten kann, ohne ein Flugzeug zu besteigen. Leider haben wir heute Pech, es sind kaum Lachse im Fluss und die drei Bären, die vorbeikommen, fangen leider nichts.

Die klassischen Bilderbuch-Touristenattraktionen Kanadas

Jasper/Banff National Park
Der Peyto See im Banff Nationalpark, sowohl auf dem Foto als auch in der Realität unglaublich leuchtend blau
Nach diesem absoluten Highlight geht es für uns zu den klassischen Bilderbuch-Touristenhotspots Kanadas: Jasper und Banff. Leider sind alle Campingplätze und Attraktionen im Nationalpark komplett überlaufen, gut, selbst Schuld, wenn man zur Hochsaison im August und auch noch, ohne es zu merken, an einem Wochenende antanzt. Der Park ist nach all der Wildnis und Einsamkeit ein kleiner Systemschock für uns. Natürlich sind die beiden Parks trotzdem wunderschön, aber es wäre nach unserer kleinen Waldschrat-Wildnis-Phase wohl clever gewesen, sich vorher wieder an Menschenmengen zu gewöhnen. Doch auch wenn wir uns erst mal überfordert fühlen, sind die beiden Parks überwältigend schön. Jedes dieser klassischen Bilder im Kopf, wenn man an Kanada denkt, könnte hier aus den Parks stammen. Wasser, das unwirklich blau leuchtet, riesige Täler voller Bäume, mit Gletschern auf jedem schroff scharfkantigen Gipfel, kilometerbreite und glasklare Flüsse und der endlos wirkende strahlend blaue Himmel. Jasper und Banff sind zu Recht so berühmt.

Schroffe Wüstenlandschaft und Dinohauptstadt

Hoodoos
Die Hoodoos in den Badlands Kanadas sind Steinformationen, die über Jahrhunderte durch Wind und Regen geformt wurden
Dass aber Kanada auch ganz anders kann, beweist unser nächstes Ziel: die Badlands. Eine schroffe Wüstengegend, berühmt für Hoodoos, bizarre pilzähnliche Gesteinsformationen und Dinosaurier. Der Ort Drumheller nennt sich selbst stolz Dinohauptstadt der Welt, weil in der Umgebung so viele Fossilien gefunden wurden wie sonst nirgends. Zelebriert wird das einerseits mit dem tollen Museum, aber andererseits auch mit riesigen Skulpturen überall im Ort. Da freut sich der innere kindliche Dinofan! Aber auch die Schotterstrecken durch die Canyons und das ganz neue Wüstenfeeling sind eine herrliche Abwechslung.

Und damit endet unsere Zeit in diesem klischeehaft schönen Kanada mit den traumhaften Bergseen, den riesigen Wäldern, Gletschern, Flüssen, Lachsen, Elchen, Wüsten, Dinos und den Bären. Weiter geht es über die Grenze nach Süden in die USA.

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Kommentare (4)
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Wolfgang82
05.01.2025 13:14


Find's immer wieder beeindruckend, wie viel Abenteuer man auf zwei Rädern erleben kann. Pech mit der Technik gehört wohl dazu, aber das macht die Geschichten nur interessanter. Erholung ist wichtig, besonders nach so einem Sturz. Weiterhin eine gute Reise. Ich freue mich auf die nächsten Stories. 
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Metropolis66
31.10.2024 22:20


Als leidenschaftlicher Rollerfahrer, der auch mal von Langstreckenfahrten träumt, finde ich den Mut und die Abenteuerlust von Tim und Jessy beeindruckend. Die Entscheidung, alles hinter sich zu lassen und auf so eine epische Reise zu gehen, ist wirklich inspirierend. Es zeigt, dass das Motorradfahren mehr als nur ein Hobby ist; es ist eine Lebenseinstellung, die Freiheit und Selbstentdeckung ermöglicht. Die Vorstellung, fast den ganzen amerikanischen Kontinent zu durchqueren, weckt in mir den Wunsch, auch irgendwann meine eigenen Grenzen zu überschreiten. Besonders das Erlebnis mit dem Grizzly bei Alaska, zeigt, wie unmittelbar und intensiv die Begegnungen in der Wildnis sein können. Diese Story macht mir Mut, vielleicht doch mal eine längere Tour zu planen.
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Roadglide71
29.10.2024 10:40


Die pure Freude und Abenteuerlust, die aus jeder Zeile springt, fängt so authentisch das ein, was das Motorradfahren ausmacht – Freiheit und das Unbekannte. Einfach herrlich, diese Hingabe!
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HondaShadow
26.10.2024 13:30


crazy was die beiden erlebt haben, aber mit sandalen am gletscher is ja fast schon fahrlässig ;)  ich wünsche euch eine gute weiterfahrt und und mir mehr tolle eindrücke von eurem abentuer