Am 7. Februar um 9.14 Uhr ließ BMWs Presseabteilung die Bombe platzen: „BMW Motorrad bringt die BMW Motorrad Days zurück nach Garmisch-Partenkirchen“ lautete die Meldungs-Überschrift. Gänzlich unvorbereitet traf sie nicht alle Journalisten weltweit: Denn schon zuvor waren gärende Schwaden aus München zu bemerken. Und in der vergangenen Woche bestätigte Sprecher Tim Diehl-Thiele dann unsere entsprechende Anfrage mit den Worten, „dass die Firma daran arbeitet, die BMW Motorrad Days wieder in den Alpenraum zu holen“. Weder sei allerdings die Örtlichkeit schon sicher noch der Zeitpunkt; entschieden sei dagegen, dass Berlin nicht ein drittes Mal Schauplatz der Motorrad Days werde. Sollte in der Kürze der verbleibenden Zeit – vom Tag der Anfrage bis zum traditionellen ersten Freitag im Juli waren es da gerade noch fünf Monate – keine Fixierung der Örtlichkeit möglich sein, würde man die Veranstaltung notfalls sogar ein Jahr lang pausieren lassen und dann 2025 mit voller Kraft durchstarten.
So weit ist es glücklicherweise nicht gekommen, wie man mittlerweile weiß. Die Einigung mit der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen, schon Anfang Juli dieses Jahres die weiße Zeltstadt wieder unter blauem Himmel auf dem Parkplatz der Alpspitzbahn aufbauen zu können, entspannt die Lage. Gleichzeitig aber gibt es auch ein paar Unwägbarkeiten. Denn weniger als fünf Monate Vorlaufzeit sind zwar für viele potenzielle Besucher aus Mitteleuropa nicht problematisch, wohl aber für BMW als Event-Organisator mehr als sportlich. Erst recht enorm schwierig wird die Organisation für jene Firmen, die sich in früheren Zeiten gerne im südlichen Oberbayern engagiert haben, vom Publikum in Berlin aber enttäuscht worden sind und ihre weitere Teilnahme eigentlich abgehakt haben. Zudem ist momentan vollkommen unabsehbar, wie sich die Unterkunftssituation für zehntausende Besucher und Teilnehmer darstellt; gut möglich, dass der Radius, innerhalb dessen man sich um ein Übernachtungsquartier umschauen muss, erheblich größer wird, weil eine unbekannte Zahl an Zimmern wohl bereits anderweitig vergeben ist.
So sehr sich die Freunde der Marke BMW darüber freuen, dass der Hersteller dem Drängen der Markenfans nachgegeben hat und die BMW Motorrad Days wieder nach Garmisch-Partenkirchen zurückbringt, so unklar ist (zumindest derzeit noch), ob die BMW-Fahrer in Massen spontan Richtung Garmisch durchstarten werden oder sich zögerlich geben. BMW-Pressesprecher Tim Diehl-Thiele ist aus einem anderen Grund zurückhaltend, wenn man ihn darauf anspricht, ob es dieses Jahr einen Rekordzuspruch geben könnte: „Das ist weder unser Ziel noch können wir momentan absehen, wie sich die Kapazitäten vor Ort darstellen.“ So plane man derzeit auch nicht schon die Veranstaltungen der nächsten Jahre, sondern sei alleine auf den Juli 2024 fokussiert: „Lassen wir das jetzt mal ablaufen und dann schauen wir, wie es weitergeht“. Klar sei für BMW Motorrad allerdings, dass man – wie in der Vergangenheit – grundsätzlich die BMW Motorrad Days als weltgrößtes Treffen der BMW Community längerfristig in Garmisch abzuhalten gedenke. Rund um den Ort befinde sich nun mal das ideale Terrain für einzigartige Motorradausfahrten, ob mit einer GS, einem Ein-, Zwei-, Vier- oder auch Sechszylinder oder den fünf R 18-Modellen.
Ganz klar: So verständlich und meines Erachtens auch akzeptabel es war, dass BMW die Motorrad Days zum 100. Firmengeburtstag an den Werksstandort Berlin geholt hat, so falsch war die Entscheidung, Garmisch-Partenkirchen auf Dauer verlassen zu wollen. Glücklicherweise wurde dieser Schritt sehr schnell nach Amtsantritt des neuen BMW Motorrad-Chefs, Markus Flasch, korrigiert. Dafür gebührt BMW aller Respekt, denn letztlich gesteht die Firma damit ja ein, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Den vorhergehenden Chef, Markus Schramm, sollte man deshalb aber nicht verdammen: Die Masse seiner Entscheidungen hat sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt als gold- und geldrichtig erwiesen. Man denke an die völlig neue GS, die M-Modelle und die laufende Generalsanierung der F-Modelle mit dem Zweizylinder-Reihenmotor. Auch wenn Markus Flasch, der neue starke Mann in München, jetzt den Ton angibt: Die Melodie, nach der BMW Motorrad in den nächsten zwei, drei Jahren modellstrategisch spielt, hat dessen Amtsvorgänger komponiert. Und darunter werden – so meine persönliche Prognose – gleich mehrere „Gassenhauer“ sein.
Insofern: Gut, dass man zum 100. in Berlin war. Noch besser, dass man zum 101. Geburtstag die Motorrad Days als weltweites Treffen der BMW-Freunde wieder in Garmisch-Partenkirchen feiert. Ich freu‘ mich darauf!