Sie hatte es nie leicht bei uns: 551 Niken GT hat Yamaha seit 2018 in Deutschland verkauft. Das fällt – gemessen am Gesamtabsatz der Japaner – unter die Rubrik Peanuts. Zwei Räder vorn – das halten die allermeisten Biker für unverzeihlich. Dreiradroller fahren so herum und Can-Am Roadster. Vehikel für Menschen, die Angst vor dem Umfallen haben, aber doch nicht für echte Biker, so heißt es in Motorradfahrerkreisen. Aber hey, das ist nicht fair, gemessen daran, wie gut und vor allem sicher die Yamaha Niken GT fährt.
Das will sie
Das sicherste Motorrad in Kurven sein. Und dazu ein Premium-Sporttourer. Zwei Räder vorn bedeutet doppelte Aufstandsfläche der Reifen beim wichtigsten Kontaktorgan eines Motorrads, dem Vorderrad, also in diesem Fall den Vorderrädern. Wer jemals sah, wie schmal das bisschen Gummi ist, das einen Reifen in Kurven mit dem Asphalt verbindet und dementsprechend für Grip sorgt, der ahnt, was das bedeutet. Nämlich sehr viel mehr Grip. Yamaha spricht von plus 80 Prozent.
Das bietet sie
Ausgefeilte Neigetechnik („Leaning Multi Wheel“) und viel Bike für viel Geld. Ab 18.399,-- Euro steht die neue Niken GT beim Händler. Mit 115 PS und 91 Nm liegt sie leistungsmäßig knapp hinter ihren CP3-Motoren-Geschwistern wie MT-09 und Tracer 9 GT (119 PS, 93 Nm). Vorn rotieren zwei 15-Zoll-Räder, das neue 7-Zoll-Farbdisplay mit Joystick-Bedienung ist über die Yamaha MyRide-App mit dem Smartphone vernetzt. Wer mag, kann sich gegen eine monatliche Gebühr die Garmin-Navigations-App vollflächig aufs Display zaubern. LED-Beleuchtung rundum und neues Quick-Shift-System (rauf/runter) für kupplungsfreies Schalten sind Serie. Ebenso ein Tempomat.
Das kann sie
Erstaunlich präzise und wieselflink durch Kurven jagen. Das Fahrwerk mit Parallelogramm-Radaufhängung und Cantilever-Teleskopfederung macht seine Sache wunderbar. Der Fahrer fühlt sich bestens aufgehoben. Anfangs mag einem das Umlegen des Bikes in schnellen Rechts-Links-Kombinationen etwas schwerfällig vorkommen, aber das erledigt sich spätestens nach den ersten Kurven mit bis zu 45 Grad Schräglage. Die Bremsen sind gut dosierbar und bringen die 270-kg-Fuhre zuverlässig zum Stehen.
Das bleibt in Erinnerung
Die souveräne Art, mit der sich die Niken GT ihren Weg bahnt. Der bewährte CP3-Motor besitzt in der Niken GT eine größere Kurbelwellenmasse für eine „bessere Leistungsentfaltung im unteren Drehzahlbereich“, so Yamaha. Die neue Einhandbedienung des Windschilds funktioniert tadellos. 70 mm rauf und runter beträgt der Spielraum. Wer wirklich windgeschützt sitzen möchte, muss sich allerdings gaaanz flach auf den riesigen Tank (18 Liter) drücken, sonst zupft der Fahrtwind unentwegt am Helm. Die Sitzbank wurde im Bereich der Schenkelinnenseiten des Fahrers überarbeitet. Das verbessert die Erreichbarkeit des Bodens mit beiden Füßen (825 mm Sitzhöhe).
Fazit
Verstärkter Rahmen, verfeinerte Abstimmung der Hinterradfederung, verbesserte Leistung und moderne Konnektivität. Yamaha hat die Niken GT zeitgemäß aufgerüstet. Hoffentlich hilft es. Den Verbrauch gibt Yamaha mit 5,8 l/100 km an. 5,5 l/100 km betrug unser Testverbrauch auf Sardinien – bei ambitionierter Testfahrt.