Die neue Panigale V4 – mehr geht immer

Stärker, schneller, leichter: Ducati schickt die nächste Generation der Panigale V4 ins Rennen. Devise: alles noch ein bisschen besser und näher an der Moto GP.
Die neue Panigale V4 – mehr geht immer
Die neue Panigale V4 – mehr geht immer
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27.07.2024
| Lesezeit ca. 7 Min.

Ducati bezeichnet die neue Panigale V4 ganz selbstbewusst als ein „technisches Meisterwerk“. Da es um ein Supersportmotorrad geht, dürfen die Italiener das: Viermal in Folge wurde Ducati seit 2020 Konstrukteursweltmeister in der Superbike-Königsklasse MotoGP, in den vergangenen beiden Jahren stellte das Werksteam mit Francesco „Pecco“ Bagnaia zudem den Fahrerweltmeister. Da darf man sich durchaus einer gewissen Expertise rühmen, zumal Pecco nach bislang neun Rennen in der aktuellen Saison erneut WM-Führender ist. Und oftmals alle vorderen Plätze an Ducati gehen.

Inspiriert von der legendären Ducati 916

Ducati Panigale V4S
Die neue Verkleidung reduziert den Luftwiderstand um 4 Prozent und schützt den Fahrer laut Ducati „auf gerader Strecke noch besser, indem sie eine Art ‚Blase‘ aus ruhiger Luft bildet“
Die Mission von Ducati ist es, das Leben der Menschen mit technologisch anspruchsvollen Motorrädern zu bereichern, die sich durch sinnliche Schönheit auszeichnen. Nur wenige Motorräder erfüllen diese Mission, wie es bei der neuen Panigale V4, der siebten Generation der Ducati Superbikes, der Fall ist. Ein Motorrad, das eine Geschichte von Erfolgen und unvergesslichen Modellen fortsetzt und das den maximalen Ausdruck unserer Werte Stil, Raffinesse und Performance darstellt.Claudio Domenicali

Die neue Panigale V4 soll es ihren Fahrern ermöglichen, mittels elektronischer Lösungen und Technologien aus der MotoGP die Empfindungen eines professionellen Fahrers zu erleben.

Das Centro Stile Ducati habe sich bei der siebten Superbike-Generation der Italiener von Performance und Aerodynamik leiten und von der legendären Ducati 916 aus den 1990ern inspirieren lassen. Stil und Technologie seien perfekt miteinander verschmolzen, die aerodynamischen Elemente vollständig in die Verkleidung integriert. Der Lufteinlass ist nun zentral unter der Verkleidung versteckt. Das breitere und längere Heck biete dem Fahrer mehr Platz.

Ermüdungsfreie(re) Sitzposition

Die Sitzbank-/Tank-Einheit soll jetzt mehr Bewegungsfreiheit in Längsrichtung ermöglichen und die Positionierung des Fahrers in der Verkleidung erleichtern, auch dank einer tiefen Aussparung im oberen Teil, die für den Kinnbereich des Helmes ausgearbeitet ist. Der hintere Bereich des Tanks und die seitlichen Pads sollen ihn beim Bremsen, am Kurveneingang und in der Kurve unterstützen. Die Fußrasten wurden im Vergleich zur aktuellen Panigale V4 um 10 mm nach innen verlegt, wodurch die Bodenfreiheit erhöht und die Aerodynamik verbessert wird, da der Fahrer seine Füße und Beine weiter innen positionieren kann. Insgesamt sei er auf der neuen Panigale ermüdungsfreier unterwegs.

Maximal 228 PS mit Racing-Auspuff

Ducati Panigale V4S
Die Flügel mit doppeltem Profil sind in die Form der Front integriert. Der Abtrieb bleibt im Vergleich zum Vorgängermodell unverändert

Motor und Fahrwerk seien „strikt von der MotoGP-Maschine abgeleitet“, heißt es. Beim „Desmosedici Stradale“ handelt es sich um einen 90°-V4-Motor mit desmodromischer Ventilsteuerung, neuen Nockenprofilen, höherem Hubwert, gegenläufig drehender Kurbelwelle und Twin-Pulse-Zündfolge, wodurch der Sound an die Desmosedici GP erinnert. Lichtmaschine und Ölpumpe stammen von der Panigale V4 R, die Getriebetrommel aus der Superleggera V4. Der Euro5+ homologierte Motor legt um ein halbes PS zu auf 216 PS bei 13.500 U/min zu, das maximale Drehmoment sinkt auf 121 Nm bei 11.250 U/min (bislang: 124 Nm bei 9.500 Nm). Mit dem nur auf Rennstrecken zulässigen Ducati Performance Racing-Komplettauspuff von Akrapovič steigt die maximale Leistung auf 228 PS.

Gewicht runter, Leistungsgewicht rauf

Ducati Panigale V4S

Mit jetzt 187 kg spart die neue Panigale V4 S zahlreiche Kilos ein. Das Leistungsgewicht verbessert sich auf 1,15 PS pro Kilogramm. Bei zahlreichen Komponenten konnten die Ducati-Ingenieure das Gewicht reduzieren: Die Hinterradaufhängung beispielsweise wiegt in Kombination mit der Schmiedefelge 2,7 kg weniger als die der Vorgängerin und bringt die Kraft besser auf den Boden. Bei der Panigale V4 S wiegen die geschmiedeten Aluminiumfelgen mit fünf tangentialen Speichen nur 2,95 kg (Vorderrad) und 4,15 kg (Hinterrad). Der Vorderrahmen (3,47 kg) spart rund 0,7 kg im Vergleich zum Vorgängermodell und wurde in Bezug auf die Steifigkeit optimiert (-40 % seitlich). Dadurch biete er noch mehr Vertrauen in Schräglagen und sei noch effektiver, wenn es darum geht, den Scheitelpunkt zu treffen und die Linie zu schließen.

Weltpremiere für neue Brembo-Bremssättel

Ducati Panigale V4S
Wie schnell die neue Panigale V4 und V4 S wird, hat Ducati noch nicht verraten. Mit Rennkit sollten Geschwindigkeiten jenseits von 300 km/h drin sein
Die neue Ducati Panigale V4 ist das erste Motorrad der Welt, das mit Brembo HypureTM Vorderradbremssätteln ausgestattet ist. Sie sind leichter (minus 60 Gramm pro Paar), leistungsfähiger, leiten die beim Bremsen entstehende Wärme effektiver ab und bieten eine konstantere Brems-Performance. Eine weitere wichtige Weltpremiere ist das von Bosch in Zusammenarbeit mit Ducati entwickelte Race eCBS-System. Auf der Rennstrecke kann der Fahrer hier verschiedene Strategien für die Hinterradbremse aktivieren. Eng angelehnt an die Fahrtechniken der Profifahrer, lässt sich damit der Bremspunkt weiter nach hinten verschieben. Auch nach dem Lösen der Vorderradbremse betätigt das System auf Wunsch die Hinterradbremse am Kurveneingang, so wie es laut Ducati die MotoGP-Profis tun. Der neu entwickelte Ducati Vehicle Observer simuliert über 70 Sensoren und verfeinert so die elektronischen Kontrollstrategien. Laut Ducati sollen sie eine in der Serienproduktion „noch nie dagewesene Effizienz erreichen“.
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Von der MotoGP abgeleitetes Fahrwerk

Ducati Panigale V4 Reifen
Um die Panigale V4 noch konkurrenzfähiger zu machen, forderte Ducati Corse neue Steifigkeitsvorgaben für den Rahmen und die Schwinge, um das volle Potenzial der neuen Slick-Reifen, die in der Superbike-WM verwendet werden, nutzen zu können (Schräglagenwinkel von über 60°). Der Vorderrahmen wurde modifiziert und eine neue, leichte Zweiarmschwinge (Ducati Hollow Symmetrical Swingarm) entwickelt. Der Schalldämpfer ist unter dem Motor untergebracht – laut Ducati eine einzigartige Lösung bei Straßen-Supersportmotorrädern.

Dank der beiden großen Aussparungen reduziert die neue Schwinge die Seitensteifigkeit (-37 % im Vergleich zur vorherigen Einarmschwinge) und das Gewicht. Beides verbessere die Traktion am Kurvenausgang und das Gefühl des Fahrers beim Beschleunigen. Die Hinterradaufhängung wiegt in Kombination mit der Schmiedefelge 2,7 kg weniger als die der Vorgängerin und bringt die Kraft besser auf den Boden. Bei der Panigale V4 S wiegen die geschmiedeten Aluminiumfelgen mit fünf tangentialen Speichen, die von denen der Desmosedici GP inspiriert sind, nur 2,95 kg (Vorderrad) und 4,15 kg (Hinterrad).
Ducati Panigale V4S
Der Vorderrahmen ist leichter (3,47 kg im Vergleich zum Vorgängermodell mit 4,2 kg) und wurde im Vergleich zum Vorgängermodell in Bezug auf die Steifigkeit überarbeitet (-40 % seitlich). Dadurch bietet er noch mehr Vertrauen in Schräglagen und ist noch effektiver, wenn es darum geht, den Scheitelpunkt zu treffen und die Linie zu schließen. Die dritte Generation der elektronisch gesteuerten Öhlins NPX/TTX-Federung der Panigale V4 S erweitern ihren Einstellbereich, bieten komfortablere Einstellungen für den Straßenbetrieb und sind effektiver beim Fahren zwischen den Curbs einer Rennstrecke. Gleichzeitig bietet die höhere Geschwindigkeit der Hydraulikventile in jeder Fahrsituation ein präziseres und genaueres Ansprechverhalten.

Komplettes Elektronikpaket

Die Panigale V4 des Jahrgangs 2025 ist mit einem kompletten Paket an elektronischen Steuerungen ausgestattet: Ducati Traction Control DVO, Ducati Slide Control, Ducati Wheelie Control DVO, Ducati Power Launch DVO, Engine Brake Control und Ducati Quick Shift 2.0. Das System DQS 2.0 verwendet eine Strategie, die ausschließlich auf dem Winkelpositionssensor der Schaltungstrommel basiert. Dadurch kann auf einen Mikroschalter verzichtet werden. Ein direkteres Gefühl beim Schalten und kürzere Schaltwege sind das Ergebnis.

Interface für die Rennstrecke

Ducati Panigale V4 MotoGP Display
Völlig neu ist das Display. Mit einer Größe von 6,9 Zoll und einem Seitenverhältnis von 8:3 bietet es laut Ducati maximale Ablesbarkeit, ohne die Sicht durch die Verkleidungsscheibe in aerodynamischer Haltung zu beeinträchtigen. Die Glasoberfläche nutzt die sogenannte Optical Bonding Technologie, um eine optimale Ablesbarkeit auf schwarzem Hintergrund auch bei Tag zu gewährleisten. Das Interface ist für den Einsatz auf der Rennstrecke konzipiert: Unter anderem zeigt das „g-Meter“ in Echtzeit den Wert der Querbeschleunigung bei Schräglage und der Längsbeschleunigung beim Beschleunigen und Bremsen an. Der „Schräglagenwinkel“ visualisiert die Schräglagenwinkel in Verbindung mit der Drosselklappenöffnung und dem Druck auf die Bremse. Mit Hilfe des GPS-Systems können die Rundenzeiten direkt im Display angezeigt werden.

Farbcodes für die persönliche Performance

Der Fahrer kann über die Betätigung des Aufblendlichts drei Sektoren definieren. Das Display zeigt die Übersicht der Zwischenzeiten an, wobei die Symbole T1, T2 oder T3 die in dem jeweiligen Streckenabschnitt erzielte Performance mit denselben Farbcodes – weiß, grau, orange, rot – anzeigen, die auch in der MotoGP verwendet werden. Übersichtlich aufgebaut ist der Anzeigemodus „Road“ mit rundem Drehzahlmesser in der Mitte und Ganganzeige im Inneren. Die linke Seite des Bildschirms ist für Einstellungen, Navigation, Musikplayer, Smartphone-Verwaltung und die optionalen Heizgriffe reserviert. Rechts befinden sich die Anzeigen für Geschwindigkeit, Uhrzeit, Wassertemperatur und Tempomat. Das Display verändert dynamisch die Aufteilung, indem es die Spalten verschiebt und die Bereiche neu verteilt, um eine maximale Sicht auf die Funktionen zu gewährleisten, die gerade genutzt werden, beispielsweise die Routenführung.

Ab September 2024 bei den Händlern

Nach der Rückkehr an die Box wird das Fahrerlebnis durch die neue DDL-Datenerfassung abgerundet. Das von 2D in Zusammenarbeit mit Ducati entwickelte System zeichnet alle fahrrelevanten Parameter über die CAN-Bus-Leitung der Panigale auf und gleicht sie mit einem GPS-System ab, das in der Lage ist, die gefahrenen Linien mit großer Präzision aufzuzeichnen. Die Daten können dann mit einer externen Software mit von Ducati Corse erstellten Vorlagen und Berichten analysiert werden, um die Performance auf der Rennstrecke zu perfektionieren. Wem jetzt bereits die Gashand kribbelt: Im September 2024 soll die neue Panigale V4 bei den Händlern eintreffen – als Einsitzer mit optionalem Sozius-Kit.
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Ducati Panigale V4 S - Baujahr: 2024
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