Die Stelvio verdankt ihren Namen dem legendären Stilfser Joch. Vor 16 Jahren präsentierte Moto Guzzi die erste Generation des Adventure-Reisebikes auf der EICMA. Jetzt darf die neue Stelvio an gleicher Stelle wieder ran – als Leuchtturmbike der Marke.
Ohne Radartechnik vorn oder hinten oder möglichst vorn und hinten brauchen sich Großenduro-Neuheiten eigentlich gar nicht mehr blicken zu lassen im Adventure-Segment, so sie einen Premiumanspruch verfolgen. KTM, Ducati, BMW Motorrad, Triumph – die Liste der Hersteller, die auf die in der Automobilwelt etablierte Technologie setzen, wird immer länger. Ab 2024 gehört neben Moto Morini auch Moto Guzzi dazu: Die neue Stelvio wird das erste Bike aus Mandello del Lario am Comer See, das an der Front und am Heck Augen hat und für den Fahrer den Verkehr (mit) überwacht.
90°-V-Twin aus der Moto Guzzi V100
Angetrieben wird die neue Stelvio vom famosen 90°-V-Twin aus der Moto Guzzi V100 Mandello. Das 1.042-ccm-Triebwerk leistet 115 PS bei 8.700 Touren und 105 Nm bei 6.750 Umdrehungen pro Minute. Seidenweicher Lauf, schöner Punch, distinguierter Sound – im Tourer V100 Mandello überzeugt der neue Guzzi-Twin uneingeschränkt. Schwer vorstellbar, dass es in der Stelvio anders sein wird.
Verarbeitung sehr ordentlich bis akribisch
Mit 1.520 mm Radstand ist die neue Stelvio eine recht kompakte Vertreterin ihrer Klasse. Der Lenkkopfwinkel bekam bei 25,6° den Segen der leitenden Ingenieure. Der Stahlrohrrahmen wurde im Vergleich zur V100 Mandello überarbeitet und einsatzgebunden verstärkt. Moto Guzzi verspricht 20 Prozent mehr Steifigkeit. Der Fahrer sitzt schön „im Bike“. 830 mm Sitzhöhe und der breite Aluminiumlenker sprechen für eine entspannte Grundhaltung auf der gediegen anmutenden Maschine. Wie es sich für eine Moto Guzzi gehört, setzt das Bike rein optisch eher auf gestandene Fahrer als auf Heißsporne und Hallodris. Die Stelvio wirkt aufgeräumt in ihrer cleanen Formensprache. Die Verarbeitung macht auf den ersten Bildern einen sehr ordentlichen Eindruck.
Mehr als 400 km Reichweite mit einem Tank
21 Liter fasst der Tank, der anders als bei der V100 Mandello keine ausfahrbaren Deflektoren beherbergt. Die braucht ein Adventure-Bike nicht, haben die Strategen offenbar entschieden. Schließlich geht es hier in erster Linie um Nehmerqualitäten, nicht um ausgefeilte Aerodynamik. Mehr als 400 Kilometer Reichweite mit einer Tankfüllung sind rechnerisch möglich; der offizielle Verbrauch liegt bei 5,1 l/100 km. Zwei USB-Slots sorgen unterwegs für Ladestrom. Reifendrucksensoren informieren über die Befüllung der Pneus. Vorn sitzen die Enduroreifen auf einem 19-Zoll-Speichenrad, hinten (170/60) in der Aluschwinge auf einem mit 17 Zoll.
Die massive Upside-down-Gabel (46 mm) ist in Federvorspannung und Zugstufendämpfung einstellbar. Ebenfalls mit Zugstufendämpfung kann die Federvorspannung des hinteren Monofederbeins justiert werden, easy per Dreh am Handrad. 170 Millimeter Federweg vorn und hinten verdeutlichen, dass die Stelvio gewillt ist, auch mal abseits asphaltierter Straßen unterwegs zu sein. Ihre Domäne bleibt aber die Straße. Eine Brembo-Bremsanlage mit 320-mm-Scheiben vorn und einer 280-mm-Scheibe hinten verspricht souveräne Verzögerung.
Komplettes Elektronikpaket für die Stelvio
Kleine LED-Blinker, große Radareinheit zwischen Scheinwerfer und Windschild: Die Stelvio ist das erste Bike von Moto Guzzi, das gegen Aufpreis vorn und hinten mit Radartechnologie („Rider Assistance Solution“) von der US-Technologietochter Piaggio Fast Forward (PFF) bestückt ist In puncto Elektronik spendiert Moto Guzzi das modernste Paket (namens „PFF Rider Assistance Solution“), das jemals an einer Maschine vom Comer See zum Einsatz kam. Wie die neue BMW R 1300 GS verfügt sie auf Wunsch über ACC (adaptive Geschwindigkeitskontrolle), Frontkollisionswarner, Blind-Sport-Warner und Spurwechselassistent. Sie hält also bei konstantem Tempo automatisch den voreingestellten Abstand zum Vordermann, indem sie per Motorbremse Tempo rausnimmt oder automatisch beschleunigt; warnt per kurzem Bremsruck vor Hindernissen auf der Fahrbahn; informiert per kleinem Warndreieck im Rückspiegel über Fahrzeuge im toten Winkel; und sie alarmiert den Fahrer über das 5-Zoll-TFT-Display, sollte sich bei gesetztem Blinker von hinten ein Fahrzeug nähern.
Fünf Fahrprogramme für Straße und Gelände
Full-LED-Scheinwerfer, Kurvenlicht, Kurven-ABS, schräglagenabhängige Traktionskontrolle sowie fünf Fahrprogramme runden das State-of-the-Art-Elektronikpaket samt 6-Achsen-IMU ab. Rain, Road, Sport, Tourism und Off-Road heißen die Fahrmodi auf Englisch. Sie wirken jeweils auf das Zusammenspiel und die Vehemenz von Motorbremse, Traktionskontrolle und Leistungsabgabe. Sitzbank und Griffe sind beheizbar, ein bidirektionaler Quickshifter (Blipper) erlaubt den schnellen Wechsel der sechs Gänge ohne Kupplung. Für zeitgemäße Vernetzung sorgt Moto Guzzis Multimediaplattform MIA. Alles, wie es sein soll bei einem Gran-Turismo-Langstreckenbike mit SUV-Ambitionen.
Integrierte Gepäckhalter und reichlich Reisezubehör
Die zweiteilige Sitzbank stützt das Fahrergesäß schön nach hinten ab. Der Sozius sitzt erhöht. Den Gepäckträger mit integrierten Haltegriffen gibt es serienmäßig Neben der passenden Fahrerbekleidung gibt es natürlich auch individuelle Gepäcklösungen. Softtaschen oder Alukoffer, das ist hier die Frage. 30 Liter links und 29 Liter rechts fasst das Kofferset, das beidseitig einem Integralhelm Unterschlupf gewähren kann. Das kleine Topcase setzt optional noch mal 37 Liter obendrauf, die XL-Variante sogar 52 Liter. Macht zusammen 96 bis 111 Liter plus Tankrucksackoption. Sollte reichen für die große weite Welt.
Lackierungen: „Giallo Savana“ und „Nero Vulcano“ Ab 2024 kann die Reise losgehen. Die Preise für die schnieke Stelvio in „Giallo Savana“- oder „Nero Vulcano“-Lackierung folgen.