Die GSX-8R ist bereits Suzukis viertes Modell mit dem famosen neuen Parallel-Twin. Erstes Rendezvous mit der Mittelklasse-Gixxer für Landstraße und Rennstrecke.
Suzuki baut seine Mittelklasse weiter aus. Nach der V-Strom tritt jetzt auch die Achter-GSX als Duo an. Alternativ zum nackten Streetfighter GSX-8S bringt Suzuki den vollverkleideten Straßenrenner GSX-8R. Ein Bike für alle, die laut Suzuki „zum Tanzen auch mal auf die Rennstrecke gehen – bei aller Alltagstauglichkeit“. So so.
Das will sie
Der „neue Standard von Sport“ sein. So zumindest preist Chefingenieur Tetsuya Banjo die GSX-8R auf der Pressekonferenz an. Er und neun Mitstreiter sind extra aus Hamamatsu angereist zur Fahrpräsentation in Sevilla. Suzukis Headquarter – locker 23 Flugstunden entfernt von Andalusiens Hauptstadt – ist der Geburtsort des kernigen Parallel-Twins, mit dem Suzuki ein fulminantes Comeback in der Mittelklasse feiert. V-Strom 800 & 800DE, dazu jetzt die beiden „Gixxer“ – Suzuki spielt jetzt wieder richtig feste mit im volumenstarken Midsize-Segment. Und das für faires Geld: 9.800,-- Euro kostet die Sportskanone GSX-8R in Deutschland. Zum Vergleich: Die nackige Schwester GSX-8S gibt es ab 8.900,-- Euro. Beide sollen alle 12.000 km (oder einmal im Jahr) zum Service in die Werkstatt kommen.
Das kann sie
Alltag, Landstraße, Rennstrecke. Die GSX-8R ist ein komfortabler Allround-Sportler – und für Suzuki „die Essenz aus 35 Jahren Suzuki R-Tradition“. Die relativ hohen Lenkerstummel ermöglichen eine vergleichsweise entspannte Sitzposition. Schmerzende Handgelenke (vom Abstützen des eigenen Körpergewichts) bleiben einem somit erspart. Der neue Parallel-Twin mit 776 ccm Hubraum ist auch in der 8R eine Wucht. 83 PS bei 8.500 Touren, dazu 78 Nm bei 6.800 Umdrehungen pro Minute. Klingt weniger berauschend, als es ist: Die GSX-8R hängt herrlich am Gas und macht richtig Laune. Schon ab 3.000 Touren schiebt sie mächtig an. Knapp unter 10.000 U/min beginnt der rote Bereich. Krasse Fahrfreude garantiert. Die Bremsen lassen sich schön präzise dosieren; wer das Bike gern mit der Hinterradbremse in Kurven hineinzirkelt, kommt voll auf seine Kosten.
Breitensport für alle. Jede Menge Drehmoment, tolle Beschleunigung, hohe Endgeschwindigkeit (215 km/h). Den Verbrauch gibt Suzuki mit 4,2 l/100 km an, ergibt rein rechnerisch 333 km Reichweite mit dem formschönen 14-Liter-Tank. Auf dem Landstraßen-Part der Fahrpräsentation lag meine Testmaschine bei 5,2 l/100 km. Auf der Rennstrecke geht der Verbrauch logischerweise stark nach oben. Von 7,9 bis 11,3 l/100 km war alles dabei im Fahrerlager des Circuito Monteblanco. Über Suzukis Superhirn Intelligent Ride System (S.I.R.S.) ist die Traktionskontrolle dreifach einstell- und komplett abschaltbar; je nach gewählter Stufe greift sie früh ein oder lässt dem Hinterrad weitgehend freien Lauf. Drei Powermodi (Drive Mode Selector) regeln Ansprechverhalten und Leistungscharakteristik des Motors. Die Ansteuerung erfolgt easy-peasy übers Tasterfeld links am Lenker. Das gut ablesbare 5-Zoll-TFT-Display und die Bedienelemente kennen wir bereits von den 800er-Geschwistern. Gleiches gilt für die Front mit den keck übereinander angeordneten LED-Linsen. Die Verkleidung ist blitzsauber und knackig geschneidert. An den präzisen Spaltmaßen und der cleveren Aerodynamik hätte jeder Autohersteller seine helle Freude. Drei Farben stehen aufpreisfrei zur Wahl: Blau (Metallic Triton Blue mit grauen Felgen), Silber (Metallic Mat Sword Silver mit roten 17-Zoll-Felgen) und Schwarz (Metallic Mat Black No. 2 mit schwarzen Rädern). Beifahrer müssen sich mit einem ultradünnen Heckbrötchen arrangieren. Dafür beträgt die Zuladung 195 Kilogramm; macht bei fahrbereiten 205 kg ein zulässiges Gesamtgewicht von 400 kg. Schade: Auf selbsttätig abschaltende Blinker verzichtet Suzuki bei der GSX-8R.
Der grandiose Quickshifter (Blipper), der rauf wie runter das blitzschnelle Wechseln der sechs Gänge ermöglicht, ohne den Kupplungshebel bemühen zu müssen. Und der fulminante Bums des Parallel-Twins. Klar, auf der Rennstrecke werden gestandene Racer echte Leistungsspitzen vermissen und feinste Einstellmöglichkeiten fürs Fahrwerk. Aber ambitionierte Schnellfahrer und Renneinsteiger bekommen mit der neuen GSX-8R ein großartiges Tool an die Hand. „Gefühl fürs Vorderrad neun von zehn Punkten, Hinterradverhalten sieben von zehn“, urteilt Kollege Adam Child aus England. Der Mann ist Top-10-Finisher der TT und hält diverse britische Road-Racing-Rekorde. Damit dürften Fragen zur Rundkurstauglichkeit der 8R beantwortet sein.
Es soll gar nicht Suzuki-Blau sein? Na dann: Alternativ gibt es die GSX-8R auch in „Metallic Mat Sword Silver“ mit roten 17-Zoll-Rädern
Fazit
An dieses Bike werden viele Fahrer ihr Herz verlieren. Stimmige Ergonomie, tolle Bremsen, coole Optik – und ein formidabler Zweizylinder: Suzukis neuer Parallel-Twin begeistert auch in der GSX-8R. Für mich einer der besten Motoren im Segment. Das Fahrgeräusch hält sich mit 72 dB(A) vornehm zurück. Im Stand sind es kraftvolle 88 dB(A). Soll ja jeder wissen, dass dieses Bike Sport im Sinn hat.