Indian Super Chief Limited im Test: Cruiser mit 100-jährigem Stammbaum

Mit der Super Chief Limited hat Indian einen Cruiser im Programm, der Retro-Optik und moderne Technik gekonnt verbindet.
Indian Super Chief Limited im Test: Cruiser mit 100-jährigem Stammbaum
Indian Super Chief Limited im Test: Cruiser mit 100-jährigem Stammbaum Mit wenigen Handgriffen kann der Windschild abgenommen werden.
13 Bilder
22.05.2021
| Lesezeit ca. 4 Min.
Alexander Klose, Hersteller
Die Super Chief Limited ist im Jahr 2021 eines von drei Modellen, mit denen Indian den Stammbaum der berühmten Chief-Ahnenreihe fortsetzt. Als Basis dient dem Cruiser ein stilechter Stahlrahmen, der bis heute den Radstand der ersten Indian Chief aus dem Jahr 1921 besitzt: 64 Zoll, beziehungsweise 1625,6 Millimeter sind es. Im Fall der Super Chief gelingt es dem Rohrwerk zudem, die Optik des alten Starrahmens nachzuahmen. Die beiden Federbeine verstecken sich dazu gekonnt hinter den serienmäßigen Satteltaschen.

Luftgekühlter Thunderstroke 116 mit 162 Nm Drehmoment

Als Antrieb der aktuellen Chiefs dient Indians luftgekühlter Thunderstroke-116-Motor. Mit einem Hubraum von knapp 1,9 Litern und einem Drehmoment von 162 Newtonmeter hat er mit dem einhundert Jahre alten Vorbild zwar wenig gemein – sieht man davon ab, dass es sich um einen luftgekühlten V2 handelt – trotzdem zählt er im Modelljahr 2021 zu den schönsten Motoren auf dem Markt. Seine drehmomentstarke Charakteristik ist es, die der Super Chief Limited zu ihrem souveränen Fahrverhalten verhilft. Ab rund 1.500 Touren liefert der Twin satten Vortrieb, so dass sich die Maschine die meiste Zeit im sechsten Gang bewegen lässt. Muss ausnahmsweise geschaltet werden, steht dem Motor ein exakt arbeitendes Getriebe zur Seite. Die Schaltwege fallen nicht übermäßig lang aus, die Leerlaufsuche gelingt auf Anhieb und auch die Kupplung verlangt nur geringe Bedienkräfte. Geschmackssache, besser gesagt Kopfsache, ist der Sound der Super Chief. Vom Straßenrand klingt sie wunderschön, souverän und satt, ohne dabei ein Krawallbruder zu sein. Mit einem Standgeräusch von 96 dB(A) überschreitet sie das willkürliche Limit auf einigen tiroler Straßen leider um ein Dezibel. Im Sattel der Super Chief Limited ist das persönliche Klangerlebnis stark vom Helm abhängig. Mit einem offenen Jethelmen auf dem Kopf kommt der Sound am authentischsten beim Fahrer an. Je besser der Helm den Schall dämpft, desto mechanischer wirkt der Klang des Thunderstroke 116 hinter der hohen Scheibe, die gut vor dem Fahrtwind und dessen Geräuschen abschirmt – zumindest bis 100 Stundenkilometer. Mit steigendem Tempo nehmen die Turbulenzen spürbar zu.
Downloads & Produkte zum Thema

Full-Size-Cruiser für große Kerle

Auf einigen Bildern mag die Indian beinahe zierlich wirken, bei der Sitzprobe wird jedoch klar: Wir haben es hier mit einem Full-Size-Cruiser zu tun. Fahrer jeder Größe genießen Bewegungsfreiheit auf dem breiten Sattel. Bequem fällt die Sitzposition aus. Auf den langen Trittbrettern haben Füße bis Schuhgröße 50 Platz. Der ausladende Lenker liegt lässig in den Händen und selbst das so klein wirkende Soziusbrötchen bietet europäischen Podexen ausreichend Fläche, auch wenn der Kniewinkel des Beifahrers spitz ausfällt.

91 PS bei 4.300 Touren

Entspannung macht sich bereits auf den ersten Metern breit. Nicht nur auf Grund der beruhigenden Schwingungen des Thunderstroke 116, sondern auch, weil die Masse der Indian den Vorwärtsdrang ein Stück weit zügelt. 335 Kilogramm bringt die Maschine mit vollem Tank auf die Waage. Einem gut motorisierten Pkw kann man damit problemlos folgen. Um ihn zu überholen, genügen die 91 PS meist nicht. Für genüssliches Cruisen auf der Landstraße ist aber genügend Dynamik vorhanden. Für die Bremsen ohnehin. Mit einer einzelnen 300-mm-Bremsscheibe an der Front und begrenzter Schräglagenfreiheit ist vorausschauende Fahrweise Pflicht. Die zuverlässig gripstarken Pirelli Night Dragon bringt die Super Chief Limited weder mit ihrem Längs- noch Querbeschleunigungsvermögen in Verlegenheit.

Rundes Farbdisplay mit Touchscreen und Navigation

Ein Highlight der neuen Indians ist ihr vier Zoll großes rundes Farbinstrument. Es passt hervorragend zum klassischen Look der Chief-Modelle und bietet dem Fahrer sämtliche Funktionen, die wir von einem modernen Tourer erwarten. Die Anzeige lässt sich zwischen Tacho, Drehzahlmesser, Zusatzinstrumenten und Navigation umschalten. Selbst auf die Bedienung per Handschuh reagiert das Touchdisplay zuverlässig. Smartphone und andere Bluetooth-Quellen lassen sich ebenfalls mit dem Cockpit verbinden. Genial! Passend dazu strahlen Scheinwerfer, Blinker und Rücklicht dank LED-Technik hell und unübersehbar.

Zahlreiche Ausstattungssmöglichkeiten

Serienmäßig ist die Super Chief Limited mit einer schlüssellosen Zündung, USB-Ladeanschluss, Tempomat und ABS ausgestattet. Gegen Aufpreis lässt sich die Ausstattung um klare und getönte Scheiben in unterschiedlichen Höhen, Heizgriffe, Sturzbügel, Gepäckträger, Zusatzscheinwerfer und alternative Lenker erweitern.

Fazit

Die klassischen Elemente der Indian Super Chief Limited, wie ihr traditioneller Stahlrahmen und der luftgekühlter Motor, fallen im Fahrbetrieb nicht negativ auf. Bei LED-Beleuchtung und Elektronik trumpft sie zudem auf. Ihr rundes Touchdisplay zählt zu den elegantesten Cockpitlösungen, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind.
Bewertung abgeben
Deine Meinung zählt
Daytona AC Classics GTX
Deine Bewertung
Preis-/Leistungsverhältnis
Bewertung abgeben
Deine Meinung zählt
Indian Super Chief Limited - Baujahr: 2021
Deine Bewertung
Preis-/Leistungsverhältnis
Jetzt mitreden – deine Meinung zählt!
Schon dabei? und mitdiskutieren!
WYSIWYG-Editor, text_commentForm_67f2395dae807
Ihr Kommentar wird abgespeichert...