Hanspeter Küffer
Alessio Barbanti, Jonathan Gidon
Classic-Bikes und Easy Riding sind derzeit europaweit schwer angesagt. Unverkleidete und emotional starke Motorräder im Look von gestern interpretieren den aktuellen Motorrad-Lifestyle mit dem dazugehörenden Fahrgenuss perfekt. Ganz besonders stark gefragt sind aktuell sogenannte Scrambler, die eigentlichen Vorgänger der heutigen Enduros. Als führender europäischer Hersteller im Klassik-Segment hat Triumph seit Langem ein entsprechendes Bonneville-Modell im Sortiment. So richtig lanciert wurde die Scrambler-Mania jedoch vor zwei Jahren durch Ducati, deren aktuelle Modellpalette heute bereits sechs verschiedene Spezies umfasst.
Erste japanische Schmiede mit Scrambler im Sortiment
Nach BMW im vergangenen Jahr lässt nun Yamaha als erster Hersteller aus dem Land der aufgehenden Sonne eine Scrambler anrollen. Bereits 2013 hat die Marke mit den gekreuzten Stimmgabeln im Firmenlogo den sich abzeichnenden Retro-Trend erkannt und das Sport-Heritage- Segment kreiert, zwei Jahre später dann mit der Faster-Sons-Philosophie und Modellen wie der XSR 700 und XSR900 nochmals kräftig nachgelegt.
Neben den beiden letztgenannten beinhaltet das Sport-Heritage-Segment von Yamaha heute Modelle wie die XJR1300, die V-Max, die SR400 sowie die XV950, auf deren Grundlage die neue SCR950 aufgebaut wurde. Aufgrund seines technischen Grundkonzepts mit einfachem Stahlrohrrahmen, solidem Fahrwerk und drehmomentstarkem V2-Motor ist der Cruiser XV950 als Basis für eine solche Neukonstruktion bestens geeignet. Das zeigen insbesondere auch die zahlreichen Kreationen, die in den letzten Jahren von diversen Customizern durch das von Yamaha angeregte Yard-Build-Projekt (Hinterhof-Umbauten) entstanden sind – von sportlichen Café Racern über coole Bobber bis hin zu durchaus geländetauglichen Scramblern.
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Die komplette Ausgabe 82/2017 von Motorrad & Reisen als PDF
Inhalt:
- PDF-e-Paper-Ausgabe - 116 Seiten
Zuletzt aktualisiert: 01.09.2017
Motorräder: BMW R nineT, Aprilia Shiver 900, Honda CB & CBR650F, BMW R 1200 RT, Yamaha SCR950, Kawasaki Z900
Touren: Kurven, Burgen und Wein - Mosel, Drumherum statt mittendurch - Harz, Dolomiten, Donnersbergrunde Pfälzer Wald, Ostseeküste und Hinterland: Fischland – Darß
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Der luftgekühlte V2-Motor, der seine beiden mit Vierventil-Köpfen ausgerüsteten Zylinder im 60-Grad-Winkel nach oben streckt, bleibt bis auf die Anpassungen an Euro 4 unverändert. Als mittragendes Element in den klassischen Doppelschleifenrahmen integriert überträgt der V2 sein als angenehm empfundenes Pulsieren auf den Fahrer. Mit lediglich 52 PS ist die maximale Leistung zwar nicht berauschend, zum angepeilten Klassik-Konzept reicht es jedoch allemal. Nicht zuletzt auch, weil das maximale Drehmoment von knapp 80 Newtonmetern bereits bei 3.000 Touren ansteht und die Scrambler dadurch in jedem Gang aus dem Drehzahlkeller kraftvoll anschiebt.
Durch den längeren Heckrahmen und die ebenfalls neue, flache und dicker gepolsterte Sitzbank thront der Fahrer nun 830 Millimeter über dem Asphalt. Gleichermaßen einfach und funktionell wie der Rahmen präsentiert sich das Fahrwerk mit konventioneller, nicht einstellbarer Teleskopgabel und klassischen Stereo-Federbeinen, deren Grundsetup ebenfalls nicht verändert werden kann. 130 Millimeter Federweg vorne und 110 Millimeter hinten gewährleisten ausreichend Fahrkomfort – zumindest auf asphaltierten Straßen. Um auf Schotterwegen das Durchschlagen der Federelemente zu verhindern, empfiehlt es sich, tieferen Schlaglöchern großzügig auszuweichen. Die aufrechte Sitzposition hinter dem breiten Lenker mit Scrambler-typisch gepolsterter Zwischenstrebe passt und vermittelt von Anfang an ein vertrautes und sicheres Gefühl. Dazu tragen auch die um 15 Zentimeter weiter hinten und drei Zentimeter höher montierten Fußrasten bei. Die wenigen Knöpfe und Schalter an den Lenkergriffen sind im gängigen Layout angeordnet und einfach zu bedienen.
Digitalcockpit passt nicht zum klassischen Erscheinungsbild
Dass Kupplungs- und Bremshebel nicht einstellbar sind, ist ebenso bedauerlich wie das igendwie nicht so ganz zum ansonsten klassischen Erscheinungsbild passende Digitalcockpit im Miniformat. Im Unterschied zu den Scrambler-Modellen früherer Jahre ist die neue Yamaha SCR950 alles andere als ein Leichtgewicht. Beachtliche 252 Kilogramm wiegt das optisch leichter anmutende Bike. Und auch beim Fahren macht sich die stattliche Masse eigentlich kaum negativ bemerkbar – zumindest auf asphaltierten Straßen und bei nicht allzu sportlicher Fahrweise. Wird zügiger angegast, markieren die „Angstnippel“ der Fußrasten relativ schnell, dass die Grenzen erreicht sind und man es besser ein bisschen gemächlicher angehen lassen sollte. Aufrechte Sitzposition und breiter Lenker machen es dem Fahrer leicht, eine saubere Linie anzusteuern und schwungvoll durch Wechselkurven zu schwingen.
Die Bereifung ist über jeden Zweifel erhaben
Die Bridgestone-Trial-Wing-Bereifung erwies sich auf unserer ersten Testfahrt als durchweg gute Wahl. Bedingt durch die eingeschränkte Schräglagenfreiheit kamen die griffigen Gummis auf der Straße nie wirklich an ihre Grenzen und überzeugten auch bei Nässe. Auf den aufgeweichten und schmierigen Schotterpisten sicherte das grobstollige Profil guten Grip und ausreichend Traktion. Die breite Fußstellung ist in stehender Position zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Wird das Gewicht relativ weit nach vorne verlagert, funktioniert jedoch alles tadellos. Etwas schwieriger und ungemütlicher ist es, mit der fülligen SCR950 in typischer Flat-Track-Racer-Manier sitzend über unbefestigte Wege zu driften.
Minimum an Extras sorgt für puristisches Fahrgefühl
Das schnörkellose und klare Klassik-Layout der SCR950 passt ausgezeichnet zum durchweg gelungenen Gesamtkonzept. Traktionskontrolle, Motormodi und weitere elektronische Gadgets haben wir auf unserer Testfahrt nie wirklich vermisst. Und dass das ABS im Gelände nicht ausgeschaltet werden kann, ist auch nicht weiter tragisch. Selbst die auf den ersten Blick eher bescheiden erscheinende Leistung ist in jeder Situation ausreichend, zumal das emotionale Fahrgefühl weitaus stärker ist als bei vielen doppelt so starken und mit haufenweise Elektronik ausgerüsteten Bikes. Die neue Yamaha SCR950 bietet Fahrspaß pur und sie interpretiert das derzeit angesagte Scrambler-Thema absolut authentisch und mit Stil.