Fahrtest: Honda CB650R mit E-Clutch

Nach fünf erfolgreichen Jahren gönnt Honda seiner CB650R eine Überholung – und die neue E-Clutch. Honda-Fans können sich über das Honda-Update freuen.
Fahrtest: Honda CB650R mit E-Clutch Honda hat das Naked Bike nun maßvoll überarbeitet
Fahrtest: Honda CB650R mit E-Clutch Neue Steuerzeiten der Einlassventile führen dazu, dass sich die 650er bei niedrigen Drehzahlen kräftiger anfühlt
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17.06.2024
| Lesezeit ca. 4 Min.
/SP-X
Honda/Rita Niehues
Die Honda CB650R zeigt in ihrer überarbeiteten Form, warum ein Vierzylinder-Reihenmotor auch im Zeitalter der Zweizylinder ein hochattraktiver Motorradantrieb ist. Erst recht, wenn er mit einer automatischen Kupplung kombiniert ist.

Nach 5 Jahren – Zeit für eine Modellüberarbeitung

Fünf Jahre ist es her, dass Honda seine kleine CB-Baureihe mit einer 650er erweiterte; zuvor hatte sie lediglich aus der CB1000R und der CB125R bestanden. Die mit einem flüssigkeitsgekühlten Vierzylinder-Reihenmotor ausgerüstete Mittelklassemaschine wurde auf Anhieb zu einem der wichtigsten Honda-Modelle: Über 41.000 Stück fanden den Weg auf Europas Straßen. Um den Erfolg zu stabilisieren, hat der japanische Hersteller das mit 70 kW/95 PS sehr kräftige Naked Bike nun maßvoll überarbeitet und den Preis mit 9.800 Euro knapp vierstellig belassen. Veränderungen finden sich nicht nur beim Styling, sondern auch bei der Technik: Sowohl der Motor wie das Fahrwerk als auch Elektronik und Beleuchtung wurden modifiziert; zudem ist die 2024er CB650R zusammen mit ihrem supersportlichen Schwestermodell CBR650R die erste Honda mit der neuen E-Clutch, also einer automatischen Kupplung.

Selbe Leistungsdaten, besseres Gefühl

Die Motordaten suggerieren, dass beim Triebwerk nichts passiert sei, denn sie sind unverändert. Die Änderungen sind diffizil, aber spürbar. Neue Steuerzeiten der Einlassventile führen dazu, dass sich die 650er bei niedrigen Drehzahlen kräftiger anfühlt und so das grundsätzliche Manko des Reihenvierers kaschiert. Dabei hilft auch das verfeinerte Ram-Air-System. Oben raus, also jenseits von 9.500 Touren, brennt die Honda zur Freude von Drehzahlfans weiterhin ein Feuerwerk ab. Sie legt noch kräftig Leistung und Drehzahl zu, wenn Zweizylindern längst die Lust vergangen ist. Dennoch ist ihr Treibstoffverbrauch zeitgemäß; im gemischten Verkehr gab sich das nach der neuesten Norm Euro 5+ homologierte Testbike mit 5,1 Litern pro 100 Kilometer zufrieden, lag also nur minimal über dem Normverbrauch von 4,9 l/100 km. Der 15,4-Liter-Tank lässt also 300 Kilometer ohne Nachtanken zu, wenn auch nur knapp.
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Leichterer Heckrahmen und neues Display mit Konnektivität

Maße und Dimensionen des Fahrwerks sind gegenüber dem Vormodell unverändert, doch wurde der Heckrahmen verschlankt und auch knapp 500 Gramm leichter; die Form ist nun schnittiger, beim praktischen Nutzen sind keine Einbußen zu verzeichnen. Die Platzverhältnisse sind gut, die Ergonomie passt für Personen zwischen 1,70 und 1,90 Meter Körpergröße gut. Man sitzt aufrecht, dabei aber leicht vorderradorientiert. Dabei perfekt im Blick liegt das neue 5-Zoll-TFT-Display; es ist übersichtlich gestaltet, stellt drei Layouts zur Wahl und lässt zudem einen weißen oder schwarzen Hintergrund zu. Ist die Honda RoadSync-App auf dem Smartphone installiert, ist volle Konnektivität (Musik, Telefon, Nachrichten) gegeben; die Routenangaben erfolgen als Pfeilnavigation. Die Bedienung des Bordcomputers über den neuen, hinterleuchteten 4-Wege-Schalter an der linken Lenkereinheit ist vorzüglich.

So funktioniert die E-Clutch

Nötig ist der Bordcomputer auch, um die automatische Kupplung zu (de)aktivieren. Wer will, kann den Kupplungs-Handhebel komplett vergessen, auch beim Einlegen des ersten Ganges und beim Anfahren sowie beim Anhalten. Die Gangwechsel erfolgen grundsätzlich mit dem Fußschalthebel, aber auch im Automatikmodus kann selbst gekuppelt werden. Aufpassen ist lediglich beim Anhalten angesagt: Der Fahrer selbst muss – hält er beispielsweise noch im dritten Gang an – im Stillstand den 1. Gang einlegen, um wieder losfahren zu können. Kupplungsfrei, versteht sich. In der Praxis ist die Automatik-Kupplung dem Quickshifter klar überlegen; die Gangwechsel laufen sauberer sowie etwas schneller ab. Und die gerade mal 2 Kilo Mehrgewicht gegenüber dem Normalmodell spielen keine Rolle; der Aufpreis von 400 Euro für die E-Clutch erscheint maßvoll, denn ein Quickshifter kostet auch schon 260 Euro.
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Fazit: Honda CB650R mit E-Clutch

Unterm Strich macht die 2024er-Version der Honda CB650R einen ausgezeichneten Eindruck: Ihre Optik wirkt frisch und attraktiv und ihre Technik ist auf dem neuesten Stand. Die Bedienung ist kinderleicht, die Fahreigenschaften sind bis hin zur Höchstgeschwindigkeit von rund 200 km/h tadellos. Dank des feinen Motorlaufs ist es sowohl möglich, mit 2.000 Touren durch Ortschaften zu rollen als auch bei 10.000 Umdrehungen nochmal runterzuschalten und die Maschine so richtig jubeln zu lassen. Von gewohnter Güte erscheint die Verarbeitung. Attraktiv macht die CB650R zudem, dass sie auch als A2-Version mit 35 kW/48 PS zu haben ist – in dieser Klasse steht sie mit ihrem Reihenvierer komplett alleine da. Liebhaber dieses Motorenkonzepts haben allen Grund, sich über das Honda-Update zu freuen.

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Honda CB650R - Baujahr: 2024
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Kommentare (3)
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AsphaltRudi
28.06.2024 11:32


automatik am bike? finde ich spannend, könnte mich vom schalten entwöhnen!
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JensKellner
27.06.2024 07:49


Für den Preis definitiv eine Überlegung wert.
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MarcoZ
19.06.2024 13:26


Automatische-Kupplung klingt praktisch, aber echte Biker wollen das Gefühl, die Maschine selbst zu kontrollieren. Die E-Clutch nimmt doch etwas vom Fahrspaß weg, finde ich. Für mich ist das nix...