Ducati Scrambler Next Generation Freedom - „Hang Loose“ auf Italienisch

Für die Präsentation der neuesten Generation der Ducati Scrambler waren wir in Valencia und bringen viel Sonne und gute Laune mit. Und einen Fahrtest.
12.04.2023
| Lesezeit ca. 8 Min.

Gelungener Auftakt: City-Ride mit der Ducati Scrambler durch die Sonne zum Hafen

„Hang Loose“ auf Italienisch: die neue Ducati Scrambler Next Generation Freedom
„Hang Loose“ auf Italienisch: die neue Ducati Scrambler Next Generation Freedom
Kurz nach der Ankunft in der sonnigen Stadt am Mittelmeer bittet Ducati bereits zum Tanz. Ein kurzer City-Ride soll den Gästen direkt einen ersten Eindruck der neuen Ducati vermitteln. Die Tour über die Prunkstraße Valencias zur Marina Juan Carlos I., dem noblen Teil des Hafens, gibt dann sowohl unterwegs als auch nach der Ankunft einen ersten Eindruck von der Idee, den die Italiener mit diesem Motorrad haben. Ducati hat seiner neuen Scrambler den Beinamen und das Leitmotiv „Next Generation Freedom“ mitgegeben. Jung, bunt und spaßig soll es sein. „Hang Loose“ auf Italienisch. Und trotz anfänglicher Skepsis fange ich an, es auch zu fühlen. Die Scrambler will gefahren und gesehen werden. Gerne auch in der Stadt oder zur nächsten Strandbar. Denn ansehnlich ist sie allemal und dank dreier Modellvarianten und insgesamt neun Farben dürfte schon ab Werk farblich für jeden etwas dabei sein.

Der erste Eindruck zählt

Angenehme Sitzposition, dezenter Auspuff, bekannter Desmodue-V2-Motor
Angenehme Sitzposition, dezenter Auspuff, bekannter Desmodue-V2-Motor
Schon beim ersten Aufsitzen spürt man die Leichtigkeit der Ducati. Man sitzt bequem und trotz einer Sitzhöhe von 795 mm nicht zu gedrungen. Schon die ersten Meter der Fahrt bestätigen, auch in der Stadt und im Gedränge fühlt sie sich wohl, lässt sich souverän durch dichten, südeuropäischen Stadtverkehr manövrieren und entwickelt, im Gegensatz zum Vorgänger, trotz Luftkühlung keine übermäßige Hitze im Stop-and-go-Verkehr. Entspannt kann man in der Stadt im Verkehr cruisen und jeder Kreisverkehr wird zum schrägen Vergnügen. Der kurze Auspuff sorgt dabei für die angemessene Akustik. Nicht zu laut, aber jederzeit vernehmbar übersetzt er die Arbeit des Desmodue-Motors in ein typisches Zweizylinder-Blubbern. Im Sport-Modus lässt er sogar dezente Fehlzündungen zu. Das gefällt nicht jedem, aber zur Scrambler und zum Fahrgefühl passt es jederzeit.
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Italienisches Temperament im Maschinenraum der Ducati


Für den Vortrieb ist der luftgekühlte Zweizylinder-Desmodue-Motor zuständig. Aus 803 ccm entwickelt der V-Motor 73 PS Leistung und bis zu 65 Nm Drehmoment. Ducati hat den Motor überarbeitet und neben einer auch dank Ride-by-Wire verbesserten Einspritzung die Kupplung deutlich abspecken können. Das merkt man nicht nur daran, dass sich Motor und Getriebe mit nur einem Finger am Kupplungszug trennen lassen, sondern auch am Gewicht. Insgesamt konnten 2,5 Kilogramm allein beim Motor eingespart werden. Den größten Effekt der Überarbeitung hatte aber die verbesserte Einspritzung. Nicht nur ist diese durch den elektronischen Gasgriff deutlich berechenbarer, auch die beim Vorgänger oft kritisierte und zum Teil unangenehme Hitzeentwicklung des luftgekühlten Aggregats wurde beseitigt. Ob das im Hochsommer bei über 30 Grad funktioniert, bleibt abzuwarten, während der Testfahrt war die spanische Sonne bei 25 Grad Temperatur jedenfalls die einzige spürbare Wärmequelle im Stadtverkehr.

Auf freier Strecke zeigt der Motor dann die ganze Bandbreite seiner Fähigkeiten. Verlässt man den Ort und den Drehzahlbereich bis 3.500 U/Min, spürt man deutlich, dass die Scrambler eigentlich ein Sportler ist. Das maximale Drehmoment von 65 Nm liegt bei 7.000 U/Min an, die maximale Leistung bei 8.250 U/Min, also kurz vor dem roten Bereich. Dieser beginnt bereits bei 9.000 U/Min. Doch so weit muss man es selten kommen lassen, denn schnelle Lastwechsel am Gasgriff sind, zumindest im Sport-Modus, auch vorher ein Genuss für Herz und Gehör. Die Gänge lassen sich sauber und präzise einlegen, aber auch für Fahrer, die weniger schalten, ist der Motor stark genug. Aus niedrigen Drehzahlen heraus lässt sich die Ducati Scrambler auch in höheren Gängen gut und ohne unangenehmes Ruckeln beschleunigen und bleibt dabei angenehm leise.

Straffes Fahrwerk, milde Bremse

Der Stahlrohrrahmen ist ebenfalls neu gestaltet worden und trägt zur Diät der Ducati Scrambler bei. Wirklich spür- oder sichtbar für den Fahrer ist das zwar nicht, nötig war es dennoch, um die neue Doppelarmschwinge und das nun zentral angeordnete Federbein sinnvoll anbringen zu können. Die Gewichtsersparnis beträgt dabei etwa ein Kilo. Fahrfertig bringt die Ducati Scrambler in der Icon-Variante 185 Kilogramm Gewicht auf die Waage. Für einen Zweizylinder mit 803 ccm ist das leicht und noch einmal vier Kilogramm weniger als beim Vorgänger. Abgefedert wird die Scrambler dabei vorne von einer 41-mm-Upside-down-Gabel und hinten von einem in der Federvorspannung einstellbaren zentralen Federbein. Beides kommt von Kayaba und ist schon in der Werkseinstellung angenehm straff abgestimmt. So neigt das Motorrad weder beim starken Beschleunigen noch bei harten Bremsmanövern zu starkem Nicken oder Aufstellen, wer es denn möchte, schafft es trotzdem, die Scrambler kurzzeitig aufs Hinterrad zu stellen. Verantwortlich für die Verzögerung ist eine Brembo-Bremsanlage mit jeweils einer Scheibe an Vorder- und Hinterrad. Hinten mit 245 mm Durchmesser und schwimmend gelagertem Bremssattel mit einem Bremskolben, am Vorderrad wird die 330-mm-Bremsscheibe von einem radial verschraubten Bremssattel mit vier Kolben bearbeitet. Das ist definitiv ausreichend, zu dem insgesamt sehr sportlichen Motorrad hätte aber auch eine Doppelscheibe und ein aggressiveres Bremsverhalten gepasst. Ich hätte es mir vorrangig auf den zügigen Abschnitten der Testfahrt gewünscht.

Lässiger Sitz und viel Gefühl fürs Vorderrad

Von oben gut zu erkennen: die schmale Linie und der breite Lenker
Von oben gut zu erkennen: die schmale Linie und der breite Lenker
Im Zusammenspiel mit dem gut eingestellten Fahrwerk sorgen die Sitzhöhe von 795 mm in der Icon-Variante, der breite Lenker und die gut positionierten Fußrasten für eine angenehm aufrechte Sitzposition mit viel Gefühl fürs Vorderrad. Wer eine höhere oder tiefere Sitzbank benötigt, findet diese im Ducati-Zubehör. Dann kann man wahlweise auf 780 mm oder 810 mm Höhe Platz nehmen. Durch die bei allen Varianten durchgängige Sitzbank hat man die Möglichkeit, sich bei entspannterer Fahrweise und beim Cruisen längerer Abschnitte etwas weiter hinten zu positionieren und es noch lockerer und entspannter angehen zu lassen. Dabei ist die Sitzbank schmal gehalten und ermöglicht auch Fahrern mit kurzen Beinen einen sicheren Stand. Mit 1,80 Metern Körpergröße konnte ich jedenfalls komplett aufstehen und beide Füße vollständig absetzen.

Die Elektronik regelt, der Fahrer hat Spaß

Hier fühlen sich Mensch und Maschine wohl: schräg und auf der Landstraße
Hier fühlen sich Mensch und Maschine wohl: schräg und auf der Landstraße
Die Ausfahrt ins hügelige Umland Valencias war jedenfalls eine wahre Freude. Zunächst ein bisschen städtischer und durch Ortschaften mit vielen recht schmierigen Kreisverkehren konnten nicht nur Fahrer und Motor warm werden. Auch die vierstufige Traktionskontrolle griff auf einem Teerstreifen im Kreisverkehr ein und bewahrte mich und mein Testbike vor einem misslungenen Einstand. Ein Kurven-ABS von Bosch an Vorder- und Hinterrad ist serienmäßig verbaut. Dieses lässt sich, im Gegensatz zur Traktionskontrolle, allerdings nicht abschalten. Gut so, denn die Ducati will auf die Straße, nicht in den Dreck. Feld- und Schotterwege muss man zwar nicht fürchten und kann sie souverän befahren, für längere Strecken auf unbefestigten Wegen ist die Ducati Scrambler aber eindeutig nicht gebaut. Als Asphalt und Verkehr es dann zuließen, konnte die Ducati auch ihre Sportler-Gene zeigen. Etwas sportlicher positioniert, Sport-Modus aktiviert und mit der richtigen Blickführung lässt sich dieses Motorrad auf alles ein, was Puristen beim Motorradfahren lieben: beschleunigen, bremsen, Kurven. Und das so oft und lange wie möglich. Müde wird man dank der guten Ergonomie nicht so schnell, leichtsinnig durch das Gefühl fürs Vorderrad und die Grenzen der Physik auch nicht. Nur auf die Geschwindigkeit sollte man achten, denn die Geschwindigkeitsbegrenzung ist schneller erreicht als gedacht. In der Stadt und im sehr harmlosen Road-Modus kein Problem, auf dem Land bei freien Straßen und im Sport-Modus stellt die Ducati Scrambler die Impulskontrolle des Fahrers aber schon auf die Probe.
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Ausstattung, Varianten und Preis

Ausgestattet ist die Ducati Scrambler einigermaßen umfangreich. Ride-by-Wire-Gasgriff, zwei Fahrmodi, eine vierstufig einstellbare Traktionskontrolle, Kurven-ABS von Bosch vorn und hinten sowie ein neues und einwandfrei ablesbares 4,3-Zoll-TFT-Display, gegen Aufpreis auch mit Konnektivität. Dass trotz des Ride-by-Wire kein Tempomat eingebaut wurde, mag zum Konzept einer Scrambler passen, angesichts all der sonst verbauten Elektronik hätte ich ihn trotzdem irgendwie erwartet.
Die drei Varianten der Ducati Scrambler: „Night Shift“, „Full Throttle“ und „Icon“
Die drei Varianten der Ducati Scrambler: „Night Shift“, „Full Throttle“ und „Icon“
Die Scrambler ist in drei Varianten erhältlich: „Night Shift“, „Full Throttle“ und die Basisvariante „Icon“. Die „Night Shift“ ist zusätzlich mit Lenkerendenspiegeln, sehr ansehnlichen Speichenfelgen und schmaleren Blinkern ausgestattet. Über die Blinker verfügt auch die Variante „Full Throttle“. Bei ihr gibt es zusätzlich noch einen Termignoni-Endschalldämpfer. Die insgesamt neun zur Auswahl stehenden Farben lassen sich dank gut durchdachter Planung auch nachträglich schnell ändern, laut Ducati innerhalb von nur 30 Minuten. Ein neuer Satz Teile in der gewünschten Farbe soll laut Ducati um die 250,-- Euro kosten.

Fazit: Diese Scrambler ist ein Volltreffer

Mit Freude zu fahren, schön anzuschauen und gut zu hören, ist die neue Ducati Scrambler mit dem Beinamen „Next Generation Freedom“. Die bisher beste Version von Ducatis Scramblern und, trotz des nicht gerade günstigen Preises, ein auch für junge Menschen attraktives Motorrad hat Ducati da gebaut. Die umfangreiche Serienausstattung schon in der Basisvariante Icon und die große Auswahl an Zubehör und Farben sowie die fahrerische Bandbreite dürften viele Leute, die auf Naked Bikes und Scrambler abfahren, ansprechen. Auch mein Fazit ist sehr positiv. Ein Motorrad, das einfach zu fahren ist, sich in der Stadt und auf dem Land gleichermaßen zu Hause fühlt und dabei auch optisch und akustisch überzeugt – wenn das mal kein Volltreffer von Ducati ist.
 Pro
  • umfangreiche Serienausstattung
  • ausgezeichnetes Fahrwerk
  • toller Sound
  • sehr gute Ergonomie
 Contra
  • Bremsen könnten sportlicher sein
  • kein Tempomat
  • Road-Modus auffallend zahm
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HJC RPHA 91
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Ducati Scrambler Icon - Baujahr: 2023
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