Zehn Jahre ist es jetzt her, dass BMW Motorrad ins Heritage-Segment einstieg. 2013 – pünktlich zum 90. Jubiläum – kam die R nineT auf den Markt und wuchs beständig zur Bestseller-Baureihe heran. Mehr als 100.000 Einheiten setzte BMW Motorrad bislang weltweit ab. Mittlerweile ist jede fünfte verkaufte BMW entweder eine R nineT oder eine R 18. Ein Riesenerfolg, den BMW Motorrad pünktlich zum 100. Jubiläum mit der nächsten Heritage-Generation krönt. 2024 wird sie auf den Markt kommen.
Wieder gesetzt: der Ausbau zur Modellfamilie
Die neue „Ninette“ (früher Spitzname in Testerkreisen) wird einen luft-/ölgekühlten Boxermotor haben. Und sie bekommt einen neuen Namen: R 12 nineT. Damit wollen die „Berlin Built“-Bajuwaren die Zusammengehörigkeit zwischen den klassisch ausgelegten Boxern mit 1,8 Litern Hubraum (R 18) und 1,2 Litern Hubraum (R 12) betonen. Ein cleverer und stringenter Schachzug. Wie die mittlerweile fünf Modelle umfassende R-18-Familie wird auch die R 12 wieder zu einer kompletten Baureihe ausgebaut. Fans der „alten“ R nineT dürfen sich also auf eine Neuauflage von Modellvarianten wie Urban G/S und Scrambler freuen und vermutlich auch über eine gemäßigte, weniger radikale Racer mit schmucker Lenkerverkleidung.
Tank im Stil der legendären R 90 S
Selbst eine vollverkleidete Version im Stil der R 100 RS von 1976 scheint denkbar. Denn: Optische Vorlage des neuen Customizer-Lieblings in spe ist unter anderem die selige R 90 S aus den frühen Siebzigerjahren. Das zeigt sich vor allem am neuen Tank. Edgar Heinrich, Leiter Design BMW Motorrad: „Dominiert wird die betont puristische Formsprache der neuen R 12 nineT von der klaren Linie Tank/Sitzbank/Heck, im Stile der traditionsreichen /5 oder der legendären R 90 S der 1970er-Jahre. Der Tank selbst ist auf den ersten Blick ein klassischer BMW-Boxer-Tank, mit typischem Knick in der Unterkante und klassischem Knieschluss.“
Seitendeckel für authentischen Roadster-Auftritt
Ebenfalls neu sind die Seitendeckel im Bereich des Rahmendreiecks. „Auch dies ist eine Reminiszenz an BMW-Motorräder der Siebzigerjahre“, so Edgar Heinrich. Wo die R nineT den Blick freigab aufs zentrale Federbein (bei dem es bleibt), sollen die Seitendeckel für einen authentischen Auftritt im Stil klassischer Roadster-Modelle sorgen. Gleiches gilt für die beiden Rundinstrumente am gezeigten Prototyp.
Rundinstrumente oder digitales Display
Bei der Präsentation im BMW Museum München hieß es, dass es auch eine volldigitale Version geben wird. Konnektivität spielt auch bei den Heritage-Modellen eine immer wichtigere Rolle. Stefan Reiff, Leiter Kunde, Marke, Vertrieb bei BMW Motorrad, ist das sehr recht. „Auch mit den Heritage-Modellen müssen wir für junge Kunden attraktiv sein.“ Motto: Erst fahren, dann sharen. Biken ohne Social-Media-Posts ist für die junge Generation Motorradfahrer schwer vorstellbar.
Wie früher: Modellname am Motorblock
Verbindendes Designelement mit früheren R- und /5-Modellen ist auch die Art der Namensnennung am Motorblock. „R 12“ steht da jetzt in betont ehernen Lettern. Zum neuen 1.200er-Triebwerk selbst macht BMW Motorrad noch keine Angaben. Nur so viel: Wie bei der BMW R 32, dem ersten BMW-Serienmodell von anno 1923, wird auch der R-12-Boxermotor luft-/ölgekühlt sein. Airbox und Auspuffanlage sind neu gestaltet. Wie gehabt, bleibt es mit Blick aufs Customizing beim modularen Rahmenkonzept. Umbauten sind ausdrücklich erwünscht und werden mit reichlich Zubehör umsatzfreundlich unterstützt. Erste technische Daten und Details will BMW Motorrad Mitte 2023 bekannt geben.
BMW-Neuheiten in 2023
Auf Markus Schramm, Leiter BMW Motorrad, und sein Team wartet ein ereignisreiches Jahr. Was genau alles neu auf den Markt kommt in 2023, wird zwar nach wie vor nicht verraten. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass BMW Motorrad natürlich im ganz großen Stil Neuheiten ausrollen wird. Hipster und Youngster dürfen sich auf den coolen elektrischen A1-Flitzer CE 02 freuen, die GS-Gemeinde über die neue R 1300, die Big-Boxer-Jünger auf die frisch präsentierte R 18 Roctane, hinzu kommen verschiedene Modell-Updates und Events wie die BMW Days in Berlin.
Ausstellung 100 Jahre BMW Motorrad
Anders als die neue BMW R 12 steht die jüngste BMW R 18 bereits in der am Freitag, dem 12. Mai 2023, startenden 100-Jahre-Ausstellung im BMW Museum in München. Ein Jahr lang zelebriert die Marke dort ihre imposante Motorrad-Historie. Kurator Andreas Braun hat jede Menge glorreiche Exponate aus der Sammlung zusammengetragen. Vom allerersten Boxermotor von 1920 – das passende Motorrad fehlte damals noch – bis zur futuristischen E-Roadster-Studie von Designchef Edgar Heinrich ist alles am Start in dem imposanten Bau.
Direkt neben der „Vierzylinder“-Firmenzentrale gelegen, gegenüber dem ehemaligen Olympia-Gelände, ist auch die futuristische Museums-„Salatschüssel“ selbst eine Art Meilenstein in der BMW-Geschichte. Rund 600.000 Besucher kommen pro Jahr. Das sichert dem „Weißwurstkessel“, wie der Bau vom Wiener Professor Karl Schwanzer auch genannt wird, einen Platz in der Top 10 der deutschen Museen.
Elektrisches Old-School-Bike?
Im Jubiläumsjahr will BMW Motorrad erneut Rekordzahlen schreiben. Die Heritage-Markenwelt wird daran gehörigen Anteil haben. Auch die E-Sparte kommt: Der Absatzanteil elektrischer BMW-Modelle soll von rund 2,5 Prozent im Jahr 2022 auf gut fünf Prozent in 2023 steigen. Wachstumstreiber wird das stromernde 125er-Equivalent CE 02 – die erste BMW für A1-Fahranfänger und B196-Lizenzinhaber, die keinen E-Roller begehren.
Auf lange Sicht dürfen sich BMW-Fans vermutlich schon mal auf ein leichtes E-Motorrad im Old-School-Look freuen. Historische Vorbilder gibt es ja genug bei der 100-jährigen Jubilarin. Helden-Bikes wie die Kompressor-Rennmaschine RS 500 Typ 255 aus den späten 1930er-Jahren beispielsweise schreien förmlich nach Wiederauflage. Ein Blick in die Ausstellung mag als Inspiration dienen für ein elektrisches Pendant zur Horex Regina.