Das will sie
Rennstreckenperformance und Langstreckenkomfort in einem Bike vereinen. Was bei BMW mit dem „M“-Label versehen wird, ist immer die schnellere, kräftigere und sportlichere Version eines in der Regel eh schon schnellen, kräftigen und sportlichen Fahrzeugs. So auch hier. Die von uns bereits ausführlich
getestete S 1000 XR ist durch zahlreiche neue Komponenten aus der M-Serie BMWs nun zum stärksten Crossover-Bike der Welt geworden.
Das kann sie
Sehr lange, sehr schnell sein. BMW gibt die Zeit von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde mit 3,2 Sekunden und die Zeit von 0 auf 200 Kilometer mit 7,4 Sekunden an. Das sind Werte, die selbst fähige und geübte Motorradfahrer aus den meisten Bikes selten herausholen. Auf der BMW M 1000 XR dürfte das beinahe jedem gelingen, wenn er es denn will. Denn was inzwischen nicht mehr nur die große GS kann, gelingt nun auch mit dem tourentauglichsten Vierzylinder BMWs mühelos – Fahrern jeglicher Couleur durch das Gesamtkonzept des Bikes eine fahrerische Selbstverständlichkeit zu vermitteln, für die sonst monate- oder gar jahrelange Gewöhnung nötig ist. Schon nach wenigen Minuten legt man die M 1000 XR in Geschwindigkeiten in Schräglagen, die einem auf fast jedem anderen Bike nur mit größter Überwindung gelingen würden. Hier fühlt man sich sofort wohl und sicher dabei.
Das bietet sie
Das liegt unter anderem an den zahlreichen Details, die BMW dem Motorrad an die Hand gegeben hat. Da wäre als Erstes natürlich der Motor aus der S 1000 RR, inzwischen mit Shift-Cam, zu nennen. Dieser vermittelt nicht nur, typisch für einen Reihenvierzylinder mit 999 Kubik, sehr viel Ruhe, sondern vor allem in den oberen Drehzahlen mit 113 Nm Drehmoment und den 201 PS Leistung bei 12.750 U/min einen derartigen Punch, dass es höchste Disziplin des Fahrers erfordert, nicht permanent dem Rausch der Geschwindigkeit zu erliegen und den Führerschein zur Streifenkarte zu machen. Weiterhin umfassen die Änderungen alle Komponenten, die sich in Carbon leichter und funktioneller gestalten ließen, wie die Carbonfelgen (Teil des M-Competition-Pakets) oder Winglets aus Carbon, die ab 100 km/h zusätzlichen Anpressdruck generieren und das Vorderrad mit bis zu 30 Kilogramm an den Boden pressen. Vollgetankt schmilzt das Gewicht im Vergleich zur unbeflügelten S 1000 XR und ohne das M-Competition-Paket um 4 auf nun 223 Kilogramm.
Das bleibt in Erinnerung
Das Gefühl, trotz aller vorhandenen (Renn-)Sportlichkeit auf Anhieb hunderte Kilometer absolvieren zu können. Die M 1000 XR fährt sich wie ein Supersportler und fühlt sich ergonomisch wie ein Tourer an. Man sitzt aufrecht und erhaben, während man raketenartig beschleunigt oder bremst, als hätte man den Anker im heißen Asphalt versenkt. Irre.
Fazit
Die Frage ist nicht, ob man solch ein Bike benötigt, sondern ob man solch eines haben möchte. Wenn man sieht, wie viele Supersportler mit kunstvoll befestigten Gepäckrollen sich Jahr für Jahr über die Alpenpässe bewegen, weiß man, dass ein Bike dieser Art gebraucht und sicher auch gewollt wird. Neben dem Willen werden dann allerdings auch mindestens 25.900,-- Euro, mit dem unbedingt zu empfehlenden M-Competition-Paket werden weitere 5.090,-- Euro fällig, sodass der Preis auf 30.990,-- Euro wächst. Alle, die das nicht abschreckt, bekommen mit der M 1000 XR nicht nur das stärkste Crossover-Bike der Welt, sondern auch einen Supersportler im Tourengewand.
Pro - sehr laufruhig
- präzises Fahrwerk
- hoher Langstreckenkomfort
- extrem starker Motor
Contra - Windschild lenkt Wirbel direkt auf den Helm