Viele werden jetzt die Nase rümpfen und behaupten, da könne man ja kein Motorrad fahren – jedenfalls nicht so richtig. Irrtum, auf unserer Tour durch die Heide kann man viel erleben.
Wir starten unsere Runde durch die Heide in Altensalzkoth, einem kleinen Dörfchen nordwestlich von Celle. Wie man schon aus dem „Salz“ im Ortsnamen schließen kann, ist der Ort im Raum Sülze (hat nichts mit der gleichnamigen Speise zu tun!) im Zuge der Salzgewinnung aus den Solequellen im 18. Jahrhundert entstanden. Allerdings dauerte die Blütezeit von Altensalzkoth nicht lange.
Bereits nach 70 Jahren wurden die Salzsiedestellen in den Nachbarort nach Sülze verlagert und die meisten Bewohner verließen den Ort. Heute leben noch 65 Menschen in der Abgeschiedenheit des Fleckens. Doch genug der Rederei, wir satteln auf und fahren los! In nördlicher Richtung geht es zunächst über eine gut ausgebaute Landesstraße. Wir biegen aber schon nach wenigen Kilometern von dem breiten Asphaltband nach rechts auf einen schmalen asphaltierten Weg ab und umfahren den Ort Sülze durch die Felder. Ende August, Anfang September ist Vorsicht geboten, denn dann gehören die Wege riesigen und Furcht einflößenden Zugmaschinen und Mähdreschern. Doch keine Angst, die Menschen hier sind freundlich und rücksichtsvoll und lassen uns genügend Asphalt für unsere Motorradreifen. Bei Oldendorf wechseln wir von den asphaltierten Feldwegen wieder auf eine Landesstraße und tauchen in ein ausgedehntes Waldgebiet ein. Vorbei an ein paar Kiesteichen fahren wir nun in südöstlicher Richtung.
Ein Hinweisschild – ein Tipp Nach wenigen Kilometern erregt ein Hinweisschild unsere Aufmerksamkeit. Wir stellen unsere Motorräder in einer Einfahrt vor einer rot-weiß gestrichenen Schranke ab und gehen nur ein paar Schritte zwischen halbhohen Bäumen hindurch zu einem breiten Wanderweg. „Ist das schön hier!“, ist Sabines Kommentar. Wir sind am Angelbecksteich. Früher gab es hier große Kiefernbestände, die aber 1975 bei einer verheerenden Waldbrandkatastrophe vernichtet wurden.
Am Angelbecksteich entwickelt sich wieder die ursprüngliche Heidenlandschaft Stattdessen entwickelte sich an dieser Stelle wieder die ursprüngliche Heidelandschaft, die man zu einem Teil erhalten und mit einem barrierefreien Rundwanderweg auch für Gehbehinderte erschlossen hat. Der als Feuerlöschteich angelegte Angelbecksteich und die ihn umgebende Heidefläche sind inzwischen ein touristischer Anziehungspunkt geworden und wir können uns der Wirkung dieses Postkartenidylls nicht entziehen. Die Heide blüht!
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Morgens am Teich – eine Begegnung der besonderen Art Da wir schon frühmorgens am Teich sind, haben wir auch gleich eine Begegnung der besonderen Art: Wir bekommen eine Ringelnatter zu Gesicht. Gott sei Dank schwimmt sie im Wasser und wir sind an Land. Giftig sind Nattern aber nicht und scheu außerdem. Weiter geht die Fahrt über die in weiten Schwüngen verlaufende L281 bis nach Eschede. Vielen von euch dürfte das ICE-Unglück im Jahre 1998 noch in Erinnerung sein, das genau an der Brücke, über die wir die Bahnstrecke überqueren, geschehen ist. Scharnhorst, Marwede, Räderloh und Sprakensehel sind die nächsten Stationen auf unserem Weg nach Suderburg, mal auf einer Landes- oder Kreisstraße, mal auf geteerten Wirtschaftswegen.
26 Gebäude aus vier Jahrhunderten Ein paar hundert Meter sind sogar asphaltfrei und Sandstaub legt sich auf unsere Motorräder. Bräunliche Wegweiser zeigen uns den Weg nach Hösseringen und zum dort im Wald entstandenen Museumsdorf. Auch dort lohnt ein Besuch, denn bis heute hat der Museumsverein 26 Gebäude aus vier Jahrhunderten im Original wieder aufgebaut. Prunkstück der größtenteils aus dem Landkreis Uelzen stammenden Häuser ist das Anfang des 17. Jahrhunderts entstandene Hallenhaus des Brümmerhofes. Wir haben es angeschaut und waren beeindruckt, mit wie viel Engagement und Liebe zum Detail der Verein beim originalgetreuen Aufbau zu Werke gegangen ist.
Ebenso beeindruckend sind die in der Blauen Scheune ausgestellten Dampflokomobile der Firma Lanz oder die noch in Betrieb befindliche kleine Schmiede, in der einige Hobbyschmiede ständig alte Werkzeuge herstellen. Wir haben den – für uns Motorradfahrer anstrengenden – Rundgang durch das Museumsdorf mit einer Mittagspause im „Haus am Landtagsplatz“ verbunden und uns mit einer ordentlichen und sauleckeren Portion Erbseneintopf gestärkt. Übrigens: Man kann das Museumsdorf auch aus der anderen Richtung erreichen, aber das ist eher etwas für die Offroader unter uns, denn dieser Weg ist weder staub- noch sand- oder geröllfrei. Von Hösseringen fahren wir dann zügig auf einem anderen Weg nach Suderburg zurück und von dort durch ausgedehnte Wälder über Bahnsen und Dreilingen weiter nach Unterlüß.
Wir befinden uns mittlerweile in einem Gebiet, das größtenteils vom Militär geprägt ist. Sind es in Unterlüß noch Rüstungsfirmen, die sich hier angesiedelt haben und für Arbeitsplätze sorgen, so sind es im nahen Faßberg der Fliegerhorst und die im Umfeld des Fliegerhorstes untergebrachten Einrichtungen der Bundeswehr. Hier befindet sich auch die „Erinnerungsstätte Luftbrücke Berlin“. Auf deren Gelände ist eine Douglas C-47 „Skytrain“ der US Air Force ausgestellt. Vom Fliegerhorst Faßberg aus wurden während der Berliner Luftbrücke in den Jahren 1948 und 1949 insgesamt 539.112 Tonnen Kohle nach Westberlin geflogen. Man muss sich die Menge nur einmal als Kohlenhalde vorstellen, um die Leistung der Flieger und des Bodenpersonals zu ermessen. Um die Heidelandschaft nördlich von Munster schlagen wir einen großen Bogen, denn überall stehen Schilder mit der Aufschrift „Militärischer Sicherheitsbereich“.
Auf kleinen Straßen umfahren wir den des Übungsplatzes Munster-Nord Die Heideflächen des Übungsplatzes Munster-Nord sind für uns tabu. Dass die meisten Tiere nicht lesen können, ist eine Binsenweisheit und hat zur Folge, dass sich auf den gesperrten Flächen Flora und Fauna weitgehend ungestört entwickeln konnten. Und so haben sich mittlerweile sogar Wölfe dort angesiedelt. Auf kleinen Straßen umfahren wir das Übungsgelände.
Heidekönigin – aus einer Bierlaune heraus Oerrel, Linzel, Brockhöfe, Schatensen, Wulfsode und Rehlingen heißen die zum Teil winzigen Ortschaften, die wir auf unserem Weg durch Felder und Wälder in nördlicher Richtung passieren, ehe wir Amelinghausen erreichen. 1949, also kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde in Amelinghausen aus einer Bierlaune heraus eine Heidekönigin gekürt. Seitdem hat sich das Heideblütenfest mit der Wahl der Heidekönigin zu einem der größten Volksfeste in der Region des Naturparks Lüneburger Heide entwickelt. Als wir Amelinghausen streifen und nach Westen abbiegen, steht zwar die Heide noch in voller Blüte, aber die Heidekönigin ist längst gekürt und zu irgendwelchen PR-Veranstaltungen unterwegs. Schade eigentlich!
Die Kirche in Amelinghausen Von nun an geht es nach Westen. Immer wieder verlassen wir die gut ausgebaute Straße und weichen auf schmale, asphaltierte Wege aus. Mal fahren wir durch riesige Maisfelder, die permanent bewässert werden, mal sind es Weizenfelder oder Wälder. Schließlich erreichen wir auf verschlungenen Pfaden – bitte nicht wörtlich nehmen – Bispingen. In der Nähe der Kirche entdecken wir ein Eis-Café. Da es Zeit für eine Rast ist, halten wir an und lassen uns unter einem Sonnenschirm nieder.
Gastronomische Betriebe mit interessanten Namen Während wir genüsslich ein leckeres Eis schlecken, schauen wir uns ein wenig um und entdecken andere gastronomische Betriebe mit, sagen wir mal, interessanten Namen: „De ole Döns“ (übersetzt: Die gute Stube), ein Restaurant, und wenige Meter weiter ein kleines Hotel mit Namen „Schmucke Witwe“. Ich hätte mir die schmucke Witwe ja gerne etwas näher angeschaut, doch Sabine hatte da ein bisschen was dagegen. Na ja, dann eben nicht! Außerdem haben wir noch einige Kilometer bis zu unserem Hotel zu überbrücken. Also schwingen wir uns wieder auf unsere Motorräder und düsen los Richtung Soltau. Auch hier findet man das Salz im Ortsnamen wieder: Erwähnt wurde Soltau erstmals als „Curtis Salta“ (Hof an der Salzaue). Über einen Zeitraum von fast 600 Jahren wurde aus dem „Curtis Salta“ das Dorf „Soltouwe“ – das heutige Soltau.
Heide Park Soltau – spektakuläre Attraktionen Unsere Route streift den weithin bekannten Heide Park Soltau, einen riesigen Vergnügungspark mit jeder Menge spektakulärer Attraktionen wie zum Beispiel Europas höchster Holzachterbahn, „Colossos“ genannt. Wir lassen den Heidepark rechts liegen, umfahren das Mittelzentrum im Heidekreis und nähern uns in flotter Fahrt dem Truppenübungsplatz Munster. Auf unserem weiteren Weg zurück zum Ausgangspunkt fahren wir in südlicher Richtung an der Stadt Bergen und dem noch größeren Truppenübungsplatz Bergen-Hohne mit seinen unzähligen Schießbahnen für Panzer und Schützenpanzer vorbei.
Heute ist es hier ruhig und kein Donnergrollen von Geschützfeuer übertönt das satte Auspuffgeräusch unserer Motorräder. Nur noch ein paarmal links und rechts abbiegen und schon kommt die auf 70 Stundenkilometer begrenzte Ortsdurchfahrt von Altensalzkoth in Sicht. Herunterbremsen, Blinker setzen und abbiegen und schon sind wir wieder am Startpunkt angekommen.
Motorradtour Singleroads in der Lüneburger Heide – Infos
Auf schmalen Straßen durch diese einzigartige Landschaft zu cruisen und die Mischung aus Kultur und Natur zu genießen, ist der besondere Reiz auf Sabines und meiner Fahrt durch die Lüneburger Heide. Also los, schwingt euch – vorerst in Gedanken – auf eure Motorräder und begleitet uns auf der Heidetour, um anschließend selbst dem besonderen Charme dieser Region zu erliegen.
Allgemeine Infos
Im August und September entwickelt die Heidelandschaft ihren besonderen Reiz. Das kräftige Lila von Millionen Blüten, das satte Grün von Wacholder und Kiefernwäldern sowie das silbrige Weiß der Birken ergeben eine Farbpalette ganz besonderer Art. Die größten zusammenhängenden Heideflächen liegen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Im Naturpark Südheide ist die Heide rund um die Orte Müden/Örtze, Faßberg, Unterlüß und Hermannsburg zu Hause.
Sehens- und erlebenswert Neben der einzigartigen Heidelandschaft gibt es noch reichlich Sehens- und Erlebenswertes. Die Altstädte von Celle oder Lüneburg, der Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen oder Museen wie das Panzermuseum in Munster, das Museumsdorf Hösseringen oder das Classic Superbikes Museum bzw. Mühlenmuseum in Gifhorn sind nur eine kleine Auswahl von Zielen, die einen Besuch lohnen. Und wer reichlich Action erleben will, stattet dem Heide Park Soltau einen Besuch ab. Bekannt sind aber auch der Serengeti Park Hodenhagen oder der Vogelpark in Walsrode. Viele Teiche und Flüsse runden das Angebot ab.
Die Lüneburger Heide erreicht man von Süden und Norden aus über die A 7, von Osten über die B 71.
Beste Reisezeit
Zwischen April und Ende Oktober – je nach Wetterlage – kann man diese Tour unter die Räder nehmen. Die Heideblüte beginnt Mitte August und endet Mitte September.
Verpflegung
In der Heide findet man sehr viele regionale Spezialitäten, ganz an dem orientiert, was die Natur der Heidelandschaft anbietet. An erster Stelle sind hier die vielen Heidschnuckengerichte zu nennen. Das Fleisch der Heidschnucke schmeckt anders als Lamm und erinnert in Farbe, Fettarmut und Geschmack eher an Wild. Schnucke wird mit den klassischen Beilagen serviert. Aber auch Wildgerichte aller Art gehören zu den Heidespezialitäten.
Es ist gut zu wissen, wo sich die kulturellen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten befinden. Das Kartenbild der MARCO POLO Karte führt Sie nicht nur zu diesen Stellen, sondern zeigt Ihnen außerdem noch viele andere wissenswerte Details.
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Pitbike-Training in der „Ralf Schuhmacher Karthalle“ in Bispingen
Ganz sicher habt ihr schon davon gehört, denn in Italien und Spanien werden Pitbikes längst lvon Rennfahrern...