M&R-PlusOffroad rund um Berlin – Märkische Heide, Märkischer Sand

Endlich geht’s wieder los und wir starten eine Offroad-Tour rund um Berlin.
M&R Archiv
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Alles, was in und um Berlin herum ein Zweirad sein Eigen nennt, holt den Cruiser, Tourer oder Supersportler aus dem Winterlager, steigt in die hoffentlich nicht über die Wintermonate eingelaufene Leder- oder Textilkombis, schnappt sich den auf einer Messe günstig erstandenen neuen Helm und macht sich auf die schwarzen Socken seiner Maschine. Natürlich juckt es Bernhard und mir auch mächtig in der rechten Hand. Das Super-Wetter verlangt einfach nach einer Ausfahrt. Aber wohin?
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Und wie? Welche Kilometer Asphalt warten noch auf uns, welche Straßen wurden noch nicht mindestens einmal unter die Räder genommen. Schließlich gibt Bernhard seine schon seit Langem gehegte Idee preis: „Wie sieht's aus? Sollen wir nicht mal die vielen noch für den Straßenverkehr zugelassenen, aber unbefestigten Verbindungswege zwischen den kleinen Orten rund um Berlin ausprobieren, um dem Getümmel auf den meist geradeaus laufenden Asphaltbändern zu entgehen?“ Mir schwant nichts Gutes. Geregnet hat es in den vergangenen Tagen zwar nicht, sodass das Geläuf sicher nicht so rutschig ausfallen dürfte. Also gut. Wir verabreden uns für Sonntagmorgen, um im Süden Berlins nach Straßen zu suchen, die eben keine staubfreie Oberfläche aufweisen. Als Treffpunkt bietet sich der Motorradtreff in Dobrikow an. Bei einer Tasse leckerem Kaffee beratschlagen wir, über den Weg, welchen wir einschlagen wollen. Dabei erinnere ich mich an eine tolle Strecke, die mir vor drei Jahren beim Ausprobieren des Navis unter das Motorrad kam. Zieleingabe: nach Hause, kürzeste Strecke. Über schmale Straßen führte mich mein Navi von Treuenbrietzen Richtung Berlin. Na ja, die meisten Strecken kannte ich ja, umso mehr überraschte mich, dass der Asphalt am Ortsausgang von Kemnitz plötzlich aufhörte.
Ich befand mich zwar nicht im Wald, aber ganz kurz davor. Konnte das sein? Das Straßenschild sagte, es muss gehen, denn nach Netgendorf weist das Schild fünf Kilometer aus. Ein Verbotsschild sucht man auch vergebens. Ob man diese Strecke heute noch befahren kann? Probieren geht über Studieren. In unseren Kaffeebechern muss sich irgendwo ein Loch befinden und so machen wir uns abfahrbereit. Bernhard akzeptiert grinsend meinen Vorschlag, diese Straße durch den Wald in Angriff zu nehmen. „Fahr‘ doch einfach vor“, meint er und schwingt sich auf seine BMW GS Adventure. Nach nur kurzer Fahrt erreichen wir das noch etwas verschlafene Netgendorf. Und richtig: Kein Verkehrsschild verbietet uns die Fahrt durch den Kiefernwald nach Kemnitz. Ich schicke Bernhard vor, da er über deutlich mehr Offroad-Erfahrung verfügt. In gemäßigtem Tempo nehmen wir den Waldweg unter die Räder. Noch ist das sandige Geläuf fest und wir kommen ohne Probleme vorwärts. Aber je mehr wir uns Kemnitz nähern, desto lockerer wird der „Straßenbelag“ unter unseren Rädern. Dazu machen mir ausgefahrene Spurrillen mehr und mehr Sorgen. Was hatte Bernhard mir noch vor dem Start eingeschärft? Knie an den Tank, Füße auf den Rasten lassen, nicht vom Gas gehen und immer hübsch locker bleiben. Natürlich versuche ich, seinen Ratschlag zu beherzigen, und mir gelingt es tatsächlich, auch die etwas tieferen Sandpassagen trotz Reise-Enduro-Bereifung zu meistern. Ich setze alles daran, um auf eine nähere Bekanntschaft mit dem weichen märkischen Sand zu verzichten. In Kemnitz stoppen wir dann erst einmal. Zeit zum Durchatmen. Wir setzten die Helme ab und gönnen uns eine kleine Pause. Wieder grinst mich Bernhard an: „Na, wie war’s?“ Die Schweißperlen auf meiner Stirn sprechen eine deutliche Sprache, denn sie kommen nicht von den wärmenden Strahlen der Frühlingsonne. „Nicht nachlassen“, meint Bernhard noch zu mir und so schwingen wir uns kurz danach wieder auf unsere Reise-Enduros, um uns durch die nächsten „Sandkästen“ zu wühlen. Das macht Laune und erinnert mich an meinen Sandkasten anno dunnemals. Gegen Mittag – wir haben auch tatsächlich mal etwas Teer unter die Räder bekommen – rollen wir dann am Kloster Zinna ein.
Auf geht's Richtung Dobrikow
Auf geht's Richtung Dobrikow
Eigentlich eine gute Zeit für einen kleinen Rundgang und einen Happen zu Essen. Wie langweilig, die Wege hier sind ja alle geplastert! Kloster Zinna gehört übrigens zu Jüterbog und ist ein touristischer Anziehungspunkt. Die Klosteranlage entstand bereits 1170 in den Sümpfen der Nuthe. Mönche aus der Zisterzienserabtei Altenberg bei Köln legten die Sümpfe trocken und verwandelten sie in fruchtbare Äcker. Nach einer wirtschaftlichen Blütezeit endete das Klosterleben während der Reformationszeit und die Anlage verfiel. Neben Klosterkirche, Neuer Abtei, Siechenhaus und Zollhaus blieben von der ursprünglich ausgedehnten Klosteranlage nur noch einige Teile der Klausur aus dem 13. Jahrhundert und das Gästehaus erhalten. An die ehemalige Wallfahrtsstätte des Klosters auf dem nahe gelegenen Golmberg erinnert heute ein Wallfahrtskreuz auf dem Gipfel des Berges. Ein Besuch der Klosteranlage lohnt sich auf jeden Fall. Nachdem wir sowohl etwas für unser leibliches Wohl als auch für unsere Bildung getan haben, wird es wieder Zeit für etwas Staubigeres und so machen wir uns auf den Rückweg Richtung Dobrikow. Wieder finden wir mithilfe unserer Navis Straßen, die diesen Namen normalerweise nicht verdienen, egal, uns freut's und es staubt mächtig. Bei diesen „Straßen“ handelt es sich um Verbindungen zwischen einzelnen Ortschaften, die auch heute noch vom öffentlichen Straßenverkehr genutzt werden. Sie eignen sich perfekt für eine kleine Tour außerhalb der Hauptstadt. Es gibt leider aber auch Gemeinden, die mehr Geld in die Beschaffung von Verbotsschildern investieren als in den Ausbau der Straßen. Obendrein existieren Straßen, deren Kopfsteinpflaster aussieht, als hätten es die Römer angelegt.

Über Felder geht es zum Kloster Zinna
Über Felder geht es zum Kloster Zinna
Nur wenige Kilometer vor Dobrikow erwischen wir noch einmal einen Sandweg, der diesen Namen auch wirklich verdient: schöner weicher märkischer Sand. Erst gerate ich und dann meine Transalp an ihre Grenze. An einer besonders tiefen Stelle vergesse ich Gas zu geben und mein Motorrad das Geradeausfahren. Gott sei Dank gelingt es mir, die Transalp sanft abzulegen, sodass lediglich mein Ego etwas ankratzt wird. Na ja, da wird bei einigen Freunden mal wieder der Spruch kommen: „Wenn du so gerne Motorrad fährst, warum lernst du’s dann nicht?“ Also weiter im Text, Mopped aufheben, dann vorsichtig und konzentriert weiterfahren. In Dobrikow treffen wir Martin mit seiner KTM Adventure. „Warum habt ihr mir nicht Bescheid gesagt? Man, da wäre ich gerne mitgekommen. Ihr seid vielleicht Freunde.“ Bei einem Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen verabreden wir, an einem der nächsten Wochenenden, die Gegend nördlich von Berlin hinsichtlich Offroad-Pisten zu erkunden. Zu dritt machen wir uns also nur zwei Wochen später auf zu unserem nächsten Abenteuer. Wir fahren erst einmal zügig auf gut ausgebauten Straßen aus Berlin heraus Richtung Rheinsberg. Auch hier finden wir tolle Staubpisten, die dafür sorgen, dass das abendliche Duschwasser tief schwarz im Ablauf verschwindet. Einfach egal, denn das gehört eben genauso dazu wie nicht gesperrte Wirtschaftswege, die mehr oder weniger aus zwei schmalen Betonplattenstreifen bestehen. Dazu kommen Trails, die sich farblich kaum von den angrenzenden Wiesen unterscheiden, sowie Brücken, die aus Stahlträgern und darauf befestigten Holzbohlen bestehen. Umgeben wird das Ganze von einer idyllischen Landschaft, wo man das hektische Treiben der nahen Großstadt nicht spürt. Auch wir passen unsere Fahrweise entsprechend an, zerwühlen die empfindliche Oberfläche der Wege nicht mit durchdrehenden Rädern und touren vorausschauend dahin.

Kleine Straßen inmitten der absoluten Ruhe findet man schon kurz hinter Berlin
Kleine Straßen inmitten der absoluten Ruhe findet man schon kurz hinter Berlin
In Rheinsberg legen wir unsere Mittagsrast ein. Rheinsberg und das gleichnamige Schloss, das 1566 im Renaissancestil erbaut wurde, sind eng miteinander verbunden. Durch den weiteren Ausbau des Schlosses zum Residenzschloss von Friedrich dem Großen entwickelte sich Rheinsberg mehr und mehr zu einer kleinen barocken Residenzstadt. Auch die Musik nimmt hier bis heute eine zunehmend wichtige Rolle ein. Seit 1948 gibt es zu Pfingsten die Rheinsberger Musiktage. Aber nicht nur die Kultur bildet den Anziehungspunkt dieser Stadt. Die Umgebung bietet beispielsweise auch reichlich Möglichkeiten für uns Motorradfahrer und so geht es weiter. So setzen wir wieder die Helme auf und besteigen unsere eisernen Rösser, um einen Abstecher an die Müritz zu machen. Die Müritz gehört zur Mecklenburgischen Seenplatte. Sein Ostufer ist Teil des Müritz Nationalparks und damit tabu für uns. Aber auch außerhalb des Schutzebietes finden wir wieder nicht asphaltierte Straßen mit meist sandigen Geläuf, die Martin und Bernhard offensichtlich viel Spaß bereiten, bei mir aber dieses komische Gefühl in der Magengegend verursacht. Aber zurück zu unserer Tour auf „Abwegen“, die wir dann bald wieder gemeinsam erleben, denn Bernhard und Martin haben ein Einsehen und warten immer wieder auf mich. Da es mittlerweile bereits dämmert, treten wir auch den Rückweg nach Berlin an. Bei einem abschließenden Kaffee an der Spinnerbrücke sind wir uns einig: Dieses so andere Abenteuer verdient eine Wiederholung. Das muss auch gar nicht die gleiche Strecke sein, denn in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern soll es laut Martin noch genügend Möglichkeiten geben, auf nicht staubfreien Straßen herrlich zu touren, sogar bis hinauf an die Ostsee. Logisch, dass wir das ausprobieren müssen, denn Staub fressen, macht einfach nur riesig Spaß.

Motorradtour Offroadtour rund um Berlin - Märkische Heide, Märkischer Sand – Infos

Motorradtour Offroadtour rund um Berlin - Märkische Heide, Märkischer Sand
Irgendwann im März sorgt die Sonne für brauchbare Motorrad-Temperaturen. Alles, was in und um Berlin herum ein Zweirad sein eigen nennt, holt den Cruiser, Tourer oder Supersportler aus dem Winterlager, steigt in die hoffentlich nicht über die Wintermonate eingelaufenen Leder- oder Textilkombis, schnappt sich den auf einer Messe günstig erstandenen neuen Helm und macht sich auf die schwarzen Socken seiner Maschine. Endlich geht’s wieder los und wir starten eine Offroad-Tour rund um Berlin.

Allgemeine Infos

Berlin selbst ist schon eine Reise wert. Wer den Städtetrip dorthin mit dem Motorrad plant, kann aber auch die hier vorgestellte Runde um Berlin unter die Räder nehmen - und das lohnt!

Anreise

Berlin lässt sich aus allen Richtungen über Autobahnen erreichen.

Beste Reisezeit

Von März bis September kann man diese Tour unter die Räder nehmen.

Verpflegung

Dass Berlin über eine Vielzahl von Restaurants aller Prägungen verfügt, dürfte klar sein. Was aber nicht jeder wissen dürfte ist, dass die Erfindung der Currywurst Herta Heuwer zugeschrieben wird, die 1949 an ihrem Imbissstand in Berlin-Charlottenburg gebratene Brühwurst mit einer Sauce aus Tomatenmark, Currypulver und Worcestershiresauce anbot.

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