M&R-PlusMotorradparadies: Lausitzer Gebirge

M&R Archiv
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Der Tourstart dieser interessanten, wie überaus zauberhaften Run­­de findet sich in Zittau. Von hier aus sind wir auch schon ins Riesengebirge (siehe M&R 06/08) aufgebrochen. Außerdem war der Ort Quartier wie Wendepunkt (siehe M&R 02/09) unserer Tour an der tschechischen Grenze entlang. Auf den ersten Blick schaut das nach ganz schön viel auf einmal aus. Aber für Frank und mich ist das alles hier spannendes Neuland und deshalb werden wir auch bald schon wieder nach Zittau fahren, um dann das Elbsandsteingebirge mal so richtig zu erkunden. Außerdem werden wir hier im Rahmen unserer erstmals angebotenen Leserreise „Tschechische Grenze“ nächtigen und spätestens dann dürften wir „bei Riedel“ ein weiteres zweites Zuhause gefunden haben. Aber ge­nug der Vorrede, starten wir mal die Motoren. Wir sind auch dieses Mal wieder mit KTMs unterwegs, die wir bei unserem Freund und KTM-Händler René Bernhardt in Lössnitz (hier gibt’s Mietmotorräder: Tel. 03771/35120, http://www.zweiradcenter-bernhardt.de) angemietet haben. Vor dem Grenzübergang zu Polen biegen wir dann rechts ab und rollen an der Lausitzer Neiße entlang in Richtung Hartau. Dort wird die inzwischen ebenfalls „grüne“ Grenze zu Tschechien passiert. „Einfach klasse, dass man den Pass nicht mehr aus der Kluft ausgraben muss“, freut sich Frank und ich kann mich da gedanklich anschließen.
Nahe Velencie finden sich wundervolle Kurven
Nahe Velencie finden sich wundervolle Kurven
Über Hrádek nad Nisou (Grottau/Neiße), das wie viele sudetendeutsche Orte dieser Gegend bis zum 2. Weltkrieg deutsche Na­men trugen, rollen wir auf einer kurvenreichen Ministraße über Dolní Sedlo (Spittel­grund) in Richtung Rynoltice (Ringelshain). Hier kommen wir zu einer breiten Staatsstraße, die man in Tschechien aber besser meidet, da hier oft ein Verkehr wie auf deutschen Autobahnen, natürlich mit Lkws – aber viel langsamer – herrscht. So schwingen wir über Janovice v Podještědí (Johnsdorf), Zibridice (Seifersdorf) und Český Dub (Böhmisch Aicha) auf kleinen Nebenstraßen ins hübsche Tal der Mohelka. Das weist nun bis nach Mohelnice Nad Jizerou (Mohelnitz an der Iser) den Weg. Dort queren wir die Brücke über die Iser (Jizerou) und folgen dem Flussverlauf nun über Bakov Nad Jizerou (Bakow an der Iser) stets in Richtung Mělník. Diese hübsche Stadt liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Prag am Zusammenfluss von Moldau und Elbe. Der in Mělník angebaute Wein ist übrigens die bedeutendste Weinbaulage in Böhmen. Wir queren die Elbbrück und fahren dann am Fluss entlang nach Štětí, wo wir wieder ans andere Ufer der Elbe wechseln.
Die einmalige Motorradhöhle Pe­kelné doly
Die einmalige Motorradhöhle Pe­kelné doly
Danach schwingen wir in die Einsamkeit Böhmens. Jenseits der Hauptstraßen ist in diesem Gebiet nun wirklich nicht viel los. Oft wurden die Dörfer und Städtchen der einst hier ansässigen Sudetendeutschen nach de­ren Vertreibung nicht mehr besiedelt. Aber uns gefällt’s, so haben wir die Kurven, die uns nach Velenice bringen mehr oder weniger allein für uns. So kommen wir auch völlig beschwingt zur einmaligen Motorradhöhle Pe­kelné doly. Logisch, dass wir da rein schauen, denn dieser Motorradtreff gehört sicher zu den absoluten Höhepunkten dieser Rundtour. Die Anfänge der Entstehung der mit Hand in den Sandstein gehauenen Höhlen sind heute übrigens nicht mehr eindeutig datierbar.
infotainment
Fest steht nur, dass das wahrhaftig gigantische Labyrinth zunächst durch den Abbau von Sand für die einheimische Glasbläserzunft entstand. Im 2. Weltkrieg wurde das unterirdische Höhlenssystem weiter ausgebaut, um hier Waffen und Munition zu produzieren.
Heute wird die einmalige Höhle viel friedlicher genutzt, und zwar durch den Motorradclub „Pekelné doly“ (Teufelsgrube), der hier eine riesige unterirdische Motorradkneipe bewirtschaftet, die mit Motorrädern befahren werden darf. So sitzten wir nicht auf Barhockern vor der Theke, sondern auf unseren KTMs und schlürfen einen Softdrink. „Wahnsinn“, meint Frank, „so etwas habe ich noch nicht gesehen!“ Und er ist ganz schön weit gereist.
Wir bleiben etwas länger, denn der Weg retour nach Zittau, der dann mit Kurven gespickt durchs hübsche Zittauer Gebirge führt, ist recht kurz. Das liegt auch daran, dass es zwischen Varnsdorf und Großschönau einen ziemlich neuen Grenzübergang gibt, den man aber kaum bemerkt. Über Jonsdorf und Oybin kurven wir nach Lückendorf, bekannt durch das alljährliche Bergrennen dort. Aber heute fährt man diese Piste bergab und landet so bald wieder in Zittau.

Motorradtour Lausitzer Gebirge – Infos

Motorradtour Lausitzer Gebirge
Das Lausitzer Gebirge hält nicht nur wundervolle Kurvenstrecken bereit, sondern auch die einmalige Motorradhöhle "Pekelne doly", die allein schon Grund genug ist, um dorthin zu fahren.

Allgemeine Infos

Das knapp achthundert Meter hohe Lausitzer Gebirge (tschechisch: Luzicke hory) findet sich zwischen Elbsandsteingebirge und Jeschkengebirge. Der deutsche Anteil am Lausitzer Gebirge liegt südwestlich von Zittau und wird Zittauer Gebirge genannt. Die tschechische Seite des Lausitzer Gebirges war einst überwiegend deutschsprachig besiedelt. Allerdings wurden die Sudetendeutschen dort nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben.

Anreise

Die beschriebene Tour startet in Zittau. Der Startpunkt liegt südlich der A4 von Dresden nach Görlitz, die man über die Abfahrt Bautzen verlässt und dann der B96 in Richtung Zittau folgt.

Beste Reisezeit

Zwischen April und Ende Oktober lohnt eine Tour durch das Lausitzer Gebirge.

GPS-Daten, Karten & Reiseführer passend zur Tour

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