Unser Weg führt uns zunächst über die Gardesana in Richtung Riva. Immer den Gardasee zur Rechten, startet der Tag mit großer Vorfreude auf ein kurvenreiches Erlebnis. Vor allem, weil für heute die Umrundung der Brenta, einer Gebirgsgruppe der südlichen Kalkalpen, geplant ist. Der höchste Gipfel des Brenta-Gebirges ist der Cima Tosa mit 3173 Metern über der Meeresoberfläche – eine eindrucksvolle Landschaft ist also vorprogrammiert. Auf unserem Weg
Schon am Vortag hat uns der Blick auf die Karte für die Route des heutigen Tages ein dickes Lächeln ins Gesicht gezaubert. Als wir dann vor Ort die vielen Kehren durchfahren dürfen, meißelt sich das Lächeln sprichwörtlich auf unseren Mündern ein und wir schwingen freudestrahlend durch die engen Kurven. Schließlich offenbart sich uns der Tennosee in seiner ganzen Pracht, dessen Süßwasser als das sauberste Italiens gilt. Es schimmert in einem beeindruckenden Türkis und Hellblau, was dem See auch den Namen Lago Azzurro verschafft. Wir lassen diesen Anblick kurz auf uns wirken, jedoch ist der Drang nach Kurvenlust größer und es treibt uns wieder auf die Straße. In Fiavè biegen wir ab in Richtung Passo Duron und werden für diese Entscheidung sofort mit einem unfassbaren Panorama von tiefen Wolken vor dem Monte Cadria belohnt.
Mit den gesammelten Eindrücken kurven wir den Berg hinunter nach Tione und erfreuen uns an weiteren Kurven, die sich durch nahezu unberührte Landschaft schlängeln und eine wunderschöne Gegend säumen. Angekommen, legen wir schnell eine kleine Pause ein, um unsere Topcase-Speisekammer aufzufüllen. Hinter Tione finden wir ein kleines Sträßchen mit dem Namen Passo Daone – ganz nach unserem Geschmack. Durch enge Kurven und nahezu unbefahrene Straßen führt unser Weg durch einen märchenhaften Wald.
Vom kleinen Örtchen Ches geht es auf der SS239 weiter in Richtung Madonna di Campiglio. Von dort hat man einen fantastischen Blick auf die Brenta-Gruppe und ihre beschneiten Berggipfel. Madonna di Campiglio, den bekannten Skiort, in dem häufig Ski Alpin Wettkämpfe ausgetragen werden und die Ferrari Skitage stattfanden, bekommt man allerdings nicht zu Gesicht, da man bei der Ortseinfahrt in einen Tunnel gelangt und diesen erst am Ortsausgang wieder verlässt. Dafür schlägt das Bikerherz bei den folgenden Kehren wieder höher.
Somit gelangen wir gut gelaunt nach Dimaro. Über eine gut ausgebaute, leicht kurvige Straße – eine kurze Verschnaufpause, um sich auf die nächsten Kurven vorbereiten zu können – geht es weiter nach Cles. Der Ort Cles liegt am Santa-Giustina-See mit der zugehörigen Talsperre. Diese lassen wir auf unserer Tour aber außer Acht und halten uns in Cles rechts Richtung Tuenno. Nein, hier hat sich nicht aus Versehen ein U eingeschlichen, Tuenno und Tenno klingen lediglich sehr ähnlich. Wir haben aber noch nicht einmal den Rückweg für die heutige Runde angetreten. Stattdessen treibt es uns von Tuenno aus Richtung Süden, wir folgen der Straße eine ganze Weile bis nach Cunevo. Auf dem Weg finden wir wieder wunderbare Kehren und anschließend ein wenig gerade Strecke, um den Adrenalinpegel wieder etwas zu senken. Danach geht es aber sofort kurvig weiter Richtung Lover. Die SP67 führt uns durch Cressino und auf die SP73, die wir aber schnell wieder verlassen und in Spormaggiore, einem Örtchen, das für seinen Apfelanbau bekannt ist, eine kurze Pause einlegen, um den Koffeinhaushalt wieder aufzufüllen. Seltsam
, dass so mitten am Tag Sekt draußen kühl gestellt wird, doch wir denken uns nichts weiter dabei und trinken genüsslich unseren Cappuccino, bis plötzlich eine ganze Festgesellschaft in feierlicher Kleidung auftaucht und sich setzt. Was ist denn hier los? Plötzlich realisieren wir, dass wir mitten in eine Hochzeit geplatzt sind. Dies scheint hier allerdings niemanden zu stören. Trotzdem machen wir uns lieber schnell auf und fahren weiter.
Unsere Reise geht weiter zum Molvenosee. Dieser besitzt eine maximale Wassertiefe von 120 Metern und wird durch mehrere Zuflüsse gespeist, während der einzige Abfluss letztlich in den Gardasee mündet. Wir folgen der SS421 und gelangen an einen Platz, der einen wunderbaren Blick quer über den klaren See offeriert. Der Himmel zieht sich allerdings immer mehr zu. Es will doch am letzten Tag nicht noch anfangen zu regnen? Stefan sorgt lieber vor und baut seine wasserdichte Innenjacke ein – vorsichtshalber, man kann ja nie wissen. Zum Glück ist das Wetter auf unserer Seite und ein Regenschauer bleibt aus. Dennoch entscheiden wir uns, allmählich die Rückfahrt anzutreten. Allerdings lassen wir es uns nicht nehmen, noch einmal näher ans Wasser zu gelangen. Daher brechen wir erneut zum Tennosee auf, der im Sommer auch als Badesee genutzt werden kann und finden tatsächlich einen Wanderweg, der zum See führt.
Aber nein, gewandert wird natürlich nicht. Solange unsere Motorräder mitmachen, legen wir eben einen kurzen Offroad-Part ein und siehe da, es hat sich gelohnt: Unten angekommen finden wir eine eindrucksvolle Landschaft vor. Das Wasser glänzt und reflektiert das Licht in einer atemberaubend großen Vielfalt an Farben. Man kann förmlich sehen, wie kalt es ist. Mit diesem einprägsamen Erlebnis im Gepäck geht es weiter über Tenno nach Riva.
Schnell erhaschen wir noch einen Blick über den Ort Riva mit der dortigen Burg, die heute Sitz des Gemeindemuseums Museo di Riva del Garda ist, das unter anderem eine Kunstausstellung und andere Werke der örtlichen Kultur beherbergt. Wahrzeichen der Stadt ist der leicht schiefe Uhrturm Torre Apponale, der im 13. Jahrhundert als Wachturm über den Hafen und den Markt dienen sollte.
Es besteht die Möglichkeit, die 165 Stufen des Turmes zu erklimmen. Für diesen Aufwand wird man mit einer wunderbaren Aussicht über den Platz entschädigt. Von Riva aus führt uns der Weg über die Occidentale durch Pieve und wir erreichen wieder das Hotel. Eine schöne lange Tour findet ihren Abschluss. Fast 260 Kilometer haben wir uns durch Kurven geschlängelt und um die Wette gelächelt. Letztlich sind wir absolut Spaß bringende Touren gefahren, haben für Euch einen neuen Ausgangspunkt am Gardasee gefunden und vor allem viele Eindrücke gesammelt. Mit diesen im Gepäck treten wir die Rückreise an.