M&R-PlusFinnland/Karelien – Roadtrip entlang der finnisch-russischen Grenze

In Karelien lockt der TET mit unendlichen Schotterstrecken. Und die grandiose Region freut sich über Gäste. Unsere Reise als Grenzgänger als Reportage und Video.
Finnland/Karelien – Roadtrip entlang der finnisch-russischen Grenze
Finnland/Karelien – Roadtrip entlang der finnisch-russischen Grenze Eine Seefahrt, die ist sonnig: Auf der Hinreise herrschte bestes Spätsommerwetter. An Deck ist es gleichwohl ganz schön windig – die Finnlines-Fähren machen ordentlich Fahrt auf der Ostsee
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Peter Musch
Kann sich noch jemand erinnern, wann es das letzte Mal etwas Nettes aus oder über Russland zu hören gab? Ich nicht. Seit drei Jahren tobt der Krieg in der Ukraine. Hunderttausende haben bereits ihr Leben gelassen. Täglich geht das Sterben weiter, auf beiden Seiten. Der blanke Irrsinn, omnipräsent auf allen medialen und sozialen Kanälen. Russen, die in ihrer Heimat den Angriffskrieg anprangern, wandern für Jahre in härteste Straflager. Ob sie lebend wieder
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rauskommen, solange Putin am Ruder ist, weiß keiner. Ein gutes Ende ist nicht in Sicht, auch wenn ein orange geschminkter, älterer Herr aus Amerika in die Welt hinauströtet, dem Wahnsinn innerhalb kürzester Zeit Einhalt gebieten zu können. Aber das ist ein anderes Thema.

Auf zur finnisch-russischen Grenze

Wie fühlt es sich an, mit Putins Terror-Regime eine 1.340 Kilometer lange Grenze zu teilen – und damit mehr als die Hälfte der längsten Außengrenze (2.435 km) der Europäischen Union? Was macht das mit einem, wenn die jahrzehntelang eher friedlichen Nachbarn und omnipräsenten Touristen plötzlich wieder der Feind sind, wie einst im Kalten Krieg? Oder wie anno 1939/40 im sogenannten Winterkrieg, als Finnland von der Roten Armee angegriffen wurde, weil die Sowjets beschlossen hatten, die Finnen müssten ihnen Karelien abtreten? Das wollten wir wissen. Und darum haben wir uns auf den weiten Weg gemacht: erst an die finnisch-russische Grenze, genau genommen nach Karelien, den südöstlichen Zipfel Finnlands, und dann weiter ins Saimaa-Seengebiet.

Auf dem TET durch die Grenzregion

TET Finnland
In Finnland gibt es rund 300.000 km Schotterstrecke. Viele davon liegen auf dem Trans Euro Trail (TET)
Karjala, wie die Finnen Karelien nennen, stand im Laufe der Geschichte mal unter schwedischem, mal unter russischem Einfluss. Der größte Teil Kareliens wurde 1947 im Pariser Frieden der Sowjetunion zugeschlagen, die dorthin ironischerweise zahllose Ukrainer zwangsumsiedelte. Für Motorradfahrer hält der rund 200.000 Quadratkilometer große finnische Teil der Region ganz was Feines parat: einen stellenweise parallel zur Grenze verlaufenden, relativ jungfräulichen Abschnitt des Trans Euro Trails, kurz TET. Endurofahrer bekommen leuchtende Augen, wenn sie diese Buchstabenkombination hören oder lesen: Der TET zieht sich durch ganz Europa – quasi vom höchsten Punkt Skandinaviens bis runter an die Südspitze Portugals. Rund 100.000 kuratierte Kilometer auf zumeist unbefestigten, aber legalen Wegen, 7.700 km davon in Finnland. Die Strecken kann man sich per GPX kostenfrei auf sein Navigationsgerät laden. Für die Qualität der Trails bürgen sogenannte Linesmen. Ortskundige Fahrer, die sich ehrenamtlich um das Ausbaldowern der Strecken kümmern.

Vier TET-Sektionen in Finnland

Bahnübergang
Ein Zug wird kommen: Exakt dieser eine Bahnübergang fand sich auf unseren TET-Etappen. Direkt an der Schranke gabelt sich der TET in Richtung Norden und Westen
Zwei große Abschnitte kennzeichnen den Trans Euro Trail: Der westliche umfasst Schweden, Norwegen, Dänemark, Deutschland, die Schweiz, die Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Andorra, Spanien und Portugal. Der östliche covert Finnland, die baltischen Staaten, Polen, die Ukraine, Rumänien, Serbien, Bulgarien, Griechenland, den Balkan und Italien. Möglichkeiten, in Finnland das Abenteuer TET zu erleben, gibt es reichlich: Vier Sektionen bietet das Reich der Rentiere und Elche. Die erste – und prominenteste – startet in Helsinki und führt rauf bis nach Norwegen; Nordkap-Fahrer lieben sie. Sektion zwei zweigt in Hämeenlinna von der ersten Sektion ab und gilt als fahrerisch anspruchsvollster Abschnitt. Sektion drei mäandert von Turku aus die Westgrenze Finnlands entlang. Sektion vier startet in Vaalimaa, dem südlichsten Grenzübergang nach Russland. Wie alle anderen ist auch der seit geraumer Zeit geschlossen. Der einzige Grenzverkehr besteht aus den meist gepanzerten Fahrzeugen der finnischen „Border Patrol“.

Hin und zurück mit Finnlines

Fährfahrt Finnland
Rein in die gute Stube: Nachts um zwei Uhr legt die Finnlines-Fähre am Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde ab. Gegen 23 Uhr beginnt die Einschiffung
Hätte man richtig viel Zeit im Leben, könnte man von Hamburg aus – dem Startpunkt unserer Karelien-Tour – fast durchgehend auf dem Trans Euro Trail nach Finnland reisen. Aber das ist natürlich illusorisch. Das würde uns drei locker sieben bis zehn knüppelharte Fahrtage kosten. Selbst die Anreise über die Autobahn wäre ein Marathon-Trip (siehe Reiseinfos). Also entscheiden wir uns für die komfortabelste und vermutlich auch schnellste Art: per Fähre von Lübeck-Travemünde nach Helsinki und zurück. Nachts um zwei Uhr legen die Fähren von Finnlines am Skandinavienkai ab – und gut 30 bis 32 Stunden später im Fährhafen von Helsinki wieder an. Zwei Nächte und ein ganzer Tag auf See. Ein Träumchen, wenn das Wetter mitspielt. Wer die Rückfahrt gleich mitbucht, spart 20 Prozent. Neun Kabinenkategorien stehen zur Auswahl – von der 10 Quadratmeter großen Innenkabine bis zur 38 m² großen Suite. Wir schnappen uns eine Vierbett-Außenkabine. Doppelbett plus zwei Ausklappbetten an der Wand. Auf dem unteren pennt Peters Kamera-Ausrüstung mit Matthias Stadler-Kombination.

Einschiffung am Skandinavienkai

Einschiffung Fähre
Selbst ist der Mann: Die Bikes müssen eigenhändig vertäut werden im Bauch der Fähre. Spanngurte hängen in Hülle und Fülle an der Stahlwand der Star-Klasse-Fähren Finnlady, Finnmaid und Finnstar
Gegen 23 Uhr beginnt die Einschiffung. Biker dürfen zuerst an Bord. Hinter einem Führungsfahrzeug geht es die Rampen hoch und direkt rein in den Bauch der Finnstar, Finnlady oder Finnmaid. So heißen die drei baugleichen Schiffe der Star-Klasse, die Finnlines auf dem 611 Seemeilen (1.132 km) langen Törn einsetzt. Vertäuen muss man seine Maschine selbst. An den stählernen Wänden hängen Spanngurte, die vermutlich nächtelang erzählen könnten, was sie hier schon alles an Ort und Stelle gehalten haben. Wir fügen dem Logbuch drei weitere Einträge hinzu: eine BMW F 900 GS mit originalem BMW-Motorrad-Gepäck sowie eine F 900 GS und eine R 1300 GS mit exklusiver Wunderlich-Ausstattung.

Bestens gerüstet mit Gepäck von Wunderlich und BMW Motorrad

BMW R 1300 GS, F 900 GS, Wunderlich X-Rack, X-Case X36
Gerüstet für die „Grenzerfahrung“ (von links): BMW F 900 GS mit BMW-Gepäck und R 1300 GS samt einer zweiten F 900 GS mit Wunderlich-Ausstattung, unter anderem Seitenkoffer (X-Case X36) und Sturzbügel
Als erste Tester überhaupt sind wir mit dem neuen, seitlich öffnenden Wunderlich X-Case X36 unterwegs. Ein Satz in Silber für die R 1300 GS, einer in Schwarz für die F 900 GS, beide abschließbar und ruckzuck auf Wunderlichs X-Rack-Kofferträgern montiert. Fürs schnelle Einchecken an Bord und in den Hotels, die uns erwarten, haben wir Wunderlich-Gepäckrollen dabei mit 45 Liter Fassungsvermögen sowie Tankrucksäcke (Click Bag 11). Damit den GS nichts passiert, tragen sie Tankschutzbügel, Motorschutzbügel und Scheinwerfergitter. An der R 1300 GS sorgt Wunderlichs Marathon-Verkleidungsscheibe für Wind- und Wetterschutz. BMW Motorrad hält mit hauseigenem Tankrucksack, großer Hecktasche und schwarzen Alukoffern (Toplader) dagegen. Macht mehr als 100 Liter Stauraum pro Bike. Das reicht dicke für unsere Sechs-Tages-Tour plus Seereise.

Rekordsommer in Finnland, bestes Wetter auf See

Fährfahrt
Eine Seefahrt, die ist sonnig: Auf der Hinreise herrschte bestes Spätsommerwetter. An Deck ist es gleichwohl ganz schön windig – die Finnlines-Fähren machen ordentlich Fahrt auf der Ostsee
Die Kabine ist schnell erreicht. Raus aus den Klamotten, rein in die Shorts, ab zur Bar auf ein schnelles Bier: Bereits kurz nach dem Ablegen gehen die Rollläden runter. Zeit für die Koje. Wir pennen wie die Murmeltiere. Das erwartete Wettschnarchen verschieben wir auf die nächste Nacht. Aber auch in der bleibt es ruhig. Seeluft macht müde, Sonne auch. Das Wetter meint es ausgesprochen gut mit uns: Tagsüber maximal Schäfchen-Wolken am Himmel, der Seegang hält sich in Grenzen. Wir lernen: Auch mitten auf der Ostsee kann es im September bullenheiß sein, solange man windgeschützt sitzt. Bis zur Rückfahrt soll sich daran nichts ändern: Die Temperaturen in Karelien und im Saimaa-Seengebiet liegen fast durchgehend bei 25 Grad und darüber, auch nachts kühlt es nicht übertrieben ab. Die Meteorologen bescheinigen den Finnen den heißesten Sommer seit 1937. Dennoch lässt sich keine einzige (!) Mücke blicken. Alle schon zerschellt um diese Jahreszeit an deutschen und französischen Reisemobilen oder besoffen vom Anti-Brumm-Odeur der zahlreichen Touristen zu Boden gesunken und unter schweren Schuhsohlen in die ewigen Mückenjagdgründe gewandert.

Nichts los auf den Straßen gen Russland

Wyborg
Ab Helsinki auf die Autobahn E18, dann Landstraße. In Virolahti biegen wir ab in Richtung Ukkosaari und steigen dann in den TET ein
Helsinki erreichen wir rund zwei Stunden später als geplant: Nachts gab es einen medizinischen Notfall an Bord, informiert eine Durchsage beim Frühstück, der auf See nicht adäquat behandelt werden konnte. Die Mannschaft forderte einen Rettungshubschrauber an. Damit der sicher landen und starten konnte, hieß es: Alle Maschinen stopp! Gegen 13 Uhr haben wir wieder festen Boden unter den Stollenrädern. Auf nach Virolahti, unserem Einstieg in den TET. Um ein bisschen Zeit reinzuholen, nehmen wir die finnische Autobahn E18. Eine gute Idee: Außer uns ist niemand unterwegs. Erstens ist die eigentliche Urlaubssaison Mitte September bereits zu Ende in Finnland. Und zweitens zieht es niemanden mehr von Helsinki nach Wyborg oder „Pietari“ (Sankt Petersburg). Rüber käme man ja eh nicht – was auch eine gewisse Tragik birgt: Jahrelang gab es einen florierenden Grenzverkehr. Die Region lebte gut mit und von den Russen. In beiden Richtungen: Rund 100.000 Finnen pendelten zum Arbeiten ins Nachbarland. Auch damit ist es vorbei.

Deutsch statt Russisch an den Schulen

„Autos mit russischen Kennzeichen gehörten in Städten wie Vaalimaa oder Lappeenranta zum Straßenbild“, erzählt uns Stefanie Talka vom Tourismusverband goSaimaa. „Russisch war an vielen Schulen dritte Fremdsprache nach Schwedisch und Englisch. Mittlerweile lehren die ersten Schulen Deutsch.“ Karelien und das beeindruckende, ursprünglich anmutende Saimaa-Seengebiet liegen im Trend bei Reisenden, denen es in Südeuropa zu heiß und zu voll wird. Ganze Einkaufsstraßen lebten hier lange Zeit von den Russen, die nicht selten auch Ferienhäuser in der Region besitzen. Was aus denen samt Sauna wird – keiner weiß es, solange Russland weiter die Ukraine in Schutt und Asche legt und der NATO droht. Viele finnische Karelier haben noch Verwandtschaft drüben in „Lost Karjala“. So nennen sie hier das riesige Gebiet (Republik Karelien), das einst an die UdSSR fiel.

Runter von der Landstraße

Schotterstrecke
Auf dem karelischen TET erwarten einen in erster Linie Schotterstrecken und Waldwege. Die fahrerischen Anforderungen sind überschaubar, der Fahrspaß ist groß, die Landschaft grandios
Virolahti ist eine Gemeinde in der südkarelischen Landschaft Kymenlaakso. Knapp 3.000 Einwohner verlieren sich hier auf halber Strecke zwischen Helsinki (178 km entfernt) und Sankt Petersburg (210 km). Wir gönnen uns ein trockenes Sandwich im Supermarkt, der Kaviar-Laden daneben ist leider zu. Direkt vorm Parkplatz führt eine Wohnstraße aus dem Zentrum, das diesen Namen eigentlich nicht verdient hat. Nach ein paar Kilometern bedeutet uns das TET-GPX-File, rechts abzubiegen. Endlich! Schotter! Und die Aussicht auf ein bisschen Schatten zwischen all den Fichten, Kiefern und Birken. Der Trans Euro Trail meint es gut mit uns am ersten Tag: Er ist topfeben, ein echter Wald-und-Wiesen-Highway. Den letzten Regen hat er scheinbar vor Wochen oder Monaten gesehen: Der Untergrund staubt wie Bolle. Wir legen den Enduro-Modus ein und feiern die einsame Gravel Road.

Knallgelbe Warnschilder in Grenznähe

Warnschilder Grenze
Da hinten, hinter den Bäumen, ist Russland. Alle paar Hundert Meter warnen knallgelbe Schilder: Bis hier und hier nicht weiter!
Nach ein paar Kilometern biegen wir links ab und dann wieder rechts – und dann steht es plötzlich vor uns: das erste von unzähligen knallgelben Warnschildern. „Seis“ – „Stop“ steht in fetter schwarzer Schrift rechts und links neben einer aufgerichteten, roten Hand, die auch als Stinkefinger durchgehen könnte. Darunter in fünf Sprachen (die dritte ist Deutsch): „Grenzzone. Eintritt ohne entsprechende Erlaubnis verboten“. Hinter dem Schild wiegt sich Getreide im Wind. Ein schmaler Sandweg führt zu einer ziemlich mitgenommenen Scheune. Dahinter dichter Wald. Und dahinter laut Standortbestimmung von Google Maps: Russland. Während wir ein bisschen staunen, knattert ein Mofa an uns vorbei. Der alterslose Fahrer trägt Mütze statt Helm und dazu Lärmschutz-Kopfhörer. Vermutlich pilotiert er sonst den Trecker, der allem Anschein nach die Scheune rammte und ihr jegliche Würde nahm.

Und täglich grüßt die Grenzkontrolle

Grenze zu Russland
Bitte recht freundlich – und keine falsche Bewegung! Entlang der Grenzzone hängen Kameras in den Bäumen. Auf finnischer Seite stehen teils Häuser im Grenzstreifen, in Russland ist eine breite Sperrzone
Alle paar Hundert Meter steht jetzt eines dieser gelben Warnschilder. Grenzzäune oder sonstige „Bollwerke“: Fehlanzeige. In einem Garten, direkt an einem dürren Flusslauf, zwischen Gartenlaube und Saunahäuschen, ragen hölzerne Grenzpfähle aus dem Boden. Links einer in Weiß und Blau, rechts einer in Rot und Weiß. Der Grenzverlauf. Leider ist keiner zugegen, als wir klingeln. Zu gern hätte ich gewusst, wie es sich so lebt, direkt auf der finnisch-russischen Grenze. Eine Mittfünfzigerin führt ihren Hund Gassi. „Wir kriegen von den Russen hier wenig mit“, sagt sie. „Der einzige Unterschied zu früher ist, dass die Border Patrol jetzt regelmäßig vorbeikommt. Früher sah man sie ein-, zweimal die Woche, jetzt zwei-, dreimal am Tag.“ Ansonsten ist das Leben hier ein ruhiger Fluss. „Ärger mit den Russen gibt es ja immer mal wieder“, sagt sie lakonisch und trottet von dannen. Wir starten die Motoren und grooven nach Lappeenranta. Zeit für eine Dusche.

Drei Millionen Kilogramm Sand

Patsaspuisto Sandskulpturen
Das nenne ich mal eine Sandburg! In Lappeenranta verwandeln wechselnde Künstler jährlich drei Millionen Kilogramm Sand in riesige, begehbare Sandkunstwerke
Lappeenranta ist die Partnerstadt von Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg. Wikipedia listet in der Rubrik „Söhne und Töchter der Stadt“ vor allem Sportler auf: Marathonläufer Viktor Väinö Muinonen (Europameister 1938), Eishockey-Torwart Pasi Häkkinen (2003 Torhüter des Jahres), Fußballer Mekka Multaharju (Nationalspieler 2003–2005), Ruderin Minna Nieminen (Olympia-Silber 2008 in Peking), um nur einige zu nennen. Es gibt eine Technische Universität mit rund 5.700 Studierenden, die älteste griechisch-orthodoxe Kirche Finnlands (erbaut 1785), ein hölzernes Rathaus (1829) und eine monumentale Festungsanlage am Nordrand der Stadt. Wer von Süden aus auf der Via Karelia gen Lappland fährt, kommt hier unweigerlich durch. Und sollte Rast machen. Es gibt coole Restaurants und jede Menge Wasser. Der Saimaa-Kanal, der den gleichnamigen „Lake Saimaa“ mit der Ostsee bei Wyborg (Russland) verbindet, mündet in der knapp 73.000 Einwohner zählenden Stadt in die finnische Seenplatte. Im Hafen errichten internationale Künstler Jahr für Jahr eine gigantische, begehbare Sandburg. Drei Millionen Kilogramm Sand bringen sie dafür in Form.

Floating auf dem Grenzfluss Vuoksi

Floating
Die Leichtigkeit des Seins: Auf dem Grenzfluss Vuoksi bietet der finnische Rockstar Jussi Honka „Floating“ an. Von seinem Party-Sauna-Schiff steigt man in Trockenanzügen ins Wasser und lässt sich treiben
Den Nachmittag verbringen wir in Imatra, keine zehn Kilometer von der finnisch-russischen Grenze entfernt. „Floating“ steht auf dem Programm. Heißt: im Trockenanzug auf dem Vuoksi-Fluss treiben. Sehr empfehlenswerte Angelegenheit. Ins kühlende Nass geht es von Bord der „Floating Sauna“, die Rockstar Jussi Honka hier nebst Restaurant betreibt. Der Ex-Gitarrist der finnischen Bombast-Rockband Osmo’s Cosmos ist eine der coolsten Socken unter der Sonne: Piloten-Sonnenbrille, großflächige Tattoos, Pferdeschwanz, tiefe Stimme. „Bier?“, fragt er, kaum dass wir an Bord sind. Äh, sehr nett, aber nein, wir müssen noch fahren nach dem Floaten. Die nächste TET-Etappe steht an. Wieder über Schotter. Langsam dämmert mir, dass wir den Trip auch problemlos mit leichten Scramblern hätten machen können. Gleichwohl schlagen sich die neuen GS natürlich prächtig und problemlos auf sämtlichem Geläuf, das uns hier erwartet.

Beste Straßen- und Schotterverhältnisse

Straße Finnland
Ein Bus wird kommen: Entlang der Überlandstraßen stehen niedliche kleine Holzbushäuschen. Fahrpläne sind nicht nötig: Meist hält der Bus nur zweimal am Tag – einmal morgens, einmal nachmittags
Matthias, in Schweden lebender Deutscher mit Ferienhaus im finnischen Lakeland, fährt die BMW F 900 GS Trophy im Wunderlich-Trimm. Peter, unser Fotograf, sitzt auf der Sao-Paulo-gelben „Passion“, ich gleite auf der neuen R 1300 GS im Trophy-Look durch Karelien. Die rund 1.470 Kilometer, die wir auf finnischem Boden abreißen, spulen alle drei zuverlässig ab. Allzu übel sind die Herausforderungen auch nicht, ganz im Gegenteil: Die Straßen in der Grenzregion und im Lakeland District sind in bestem Zustand und penibel gepflegt. Manchmal geht es gefühlt kilometerweit geradeaus auf topfebenem Asphalt. Der TET besteht hier fast durchgehend aus Kies und Schotter. Furchen, Auswaschungen oder Modderabschnitte bleiben uns erspart – die wochenlange Hitze hat in dieser Hinsicht ganze Arbeit geleistet. Einzig das konstante Scannen des Straßenrands erfordert höchste Aufmerksamkeit: Brechen Elche durchs Dickicht? Überall warnen Schilder vor Wildwechsel, motorisierte Fahrzeuge scheinen sich hier als natürlicher Feind nicht durchgesetzt zu haben. Auch die finnische Polizei zeigt wenig Interesse an unseren Motorrädern. Vor Starenkästen wird zuvorkommend und verlässlich gewarnt.

Kurze Session beim Kantele-Impresario

Kantele-Spiel
Eigentlich ganz einfach (denkt man): Die Zettel geben vor, welche Saite man wann zu zupfen hat auf dem Band-Kantele, damit sich John Lennon nicht im Grab umdreht, wenn „Imagine“ angestimmt wird
Kurzer Stopp im „Patsaspuisto“, dem verwunschenen Skulpturenpark bei Koitsanlahti, direkt an der Nationalstraße 6. Der Bildhauer Veijo Räikkönen (1944–2010) hat hier gut 560 dürre Figuren aus Zement und Beton erschaffen. Moosbewachsen sind sie in den wildesten Yoga-Posen erstarrt. Das grandiose Werk eines Einzelgängers. 125 Kilometer weiter nördlich erwartet uns der nächste Künstler: Audienz bei Hannu Koistinen, „Mister Kantele“. Hannu gilt als begnadetster Erbauer des finnischen Saiteninstruments. In einem riesigen, uralten Holzhaus arbeitet er mit einem jungen Team aus aller Welt an den Holzinstrumenten, die als Konzert-Kantele bis zu 39 Saiten haben und mehr als 15.000,-- Euro kosten können. Berühmt wurde Musikvirtuose Hannu unter anderem mit einer Art Band-Kantele, auf der vier Personen gleichzeitig in unterschiedlichen Tonlagen spielen können. Wir versuchen uns an „Imagine“ von John Lennon. Drei von uns kriegen das ziemlich gut hin. Der Vierte bin ich.

Vom staubigen TET zur einzigartigen Seenplatte

Seeplatte
So weit das Drohnen-Auge reicht: Wasser, Bäume, Inseln – hier zum Beispiel bei Kotasaari. Foto: Oliver Wischnewski
Unweit von Hannus Domizil rollt uns Jarkko vor die Füße. Der junge Finne ist erstmals auf dem TET unterwegs. Und komplett aus dem Häuschen, mitten im Nichts Gleichgesinnte zu treffen. „Dieser Abschnitt ist noch ziemlich neu, den kennen viele gar nicht“, strahlt der Adventure-Novize. Er will weiter Richtung Norden, wir schwenken langsam gen Westen. Weg vom TET, rein in die magische Seenplatte Finnlands, einzigartig in der Welt. Der Saimaa ist der größte See Finnlands. Rund 4.370 Quadratkilometer machen ihn zum viertgrößten See Europas. Zum Vergleich: Der Bodensee hat 536 Quadratkilometer, passt hier also locker achtmal rein. Unzählige Arme und Buchten, 13.710 Inseln (offiziell), Heimat der Saimaa-Ringelrobbe und Lebensraum der Muikku. Besagte „Kleine Maräne“ ist der bedeutendste Speisefisch der Region Südsavo und so typisch für die Saimaa-Region wie Saunagänge und Rentier-Burger. Übern Daumen gibt es im Großraum der Seenplatte 43.000 Ferienhäuser und zwei Millionen Saunen. Mehr als 30.000 Kilometer Uferlinie säumen die Seenlandschaft.

Aus der Boxer-Fertigung ins Sauna-Paradies

Wahlfinne Robert
Kein Lärm, keine Hektik: Wahlfinne Robert hat bei BMW Motorrad in Berlin-Spandau Kurbelwellengehäuse für Boxermotoren gefertigt. Seit knapp einem Jahr lebt er im Großraum Rääkkylä – und genießt die Ruhe
Jeder, der hier ein Haus kauft, hat Anspruch auf Seezugang. Das gilt auch für Robert aus Deutschland, der seit rund einem Jahr hier lebt. Ein Wahlfinne also. Als wir uns treffen, trägt er ein graues T-Shirt. „Taktjefühl“ steht auf der Brust. Vor seiner Emigration ins offiziell glücklichste Land der Welt (laut World Happiness Report) hat Robert vier Jahre lang im BMW-Werk Spandau Boxer-Kurbelwellengehäuse gefertigt. Dann hatte er genug Geld gespart und ist 2022 mit seiner Freundin quer durch Skandinavien gefahren. Auf dem Fahrrad. Im Großraum Rääkkylä gefiel es den beiden so gut, dass sie beschlossen, 2023 dort zu überwintern – und dann blieben. Warum? „Man hört hier keinen Rasenmäher, keinen Laubbläser, kein Flugzeug, keine Bahn, kein Geschrei, keine Nachbarn. Stattdessen hörst du den Wind rauschen, das Wetter ist stabil, die Menschen strahlen eine unglaubliche Ruhe aus. Es herrscht Tiefenentspannung. Vielleicht liegt es an den vielen Saunagängen. Oder am Angeln. Das kannst du hier überall.“

Einkehr im orthodoxen Kloster

Orthodoxes Kloster Uusi Valamo in Suuraho
Ort der Einkehr: Das Kloster Uusi Valamo ist das einzige orthodoxe Männerkloster Finnlands. Es befindet sich in der ostfinnischen Landschaft Südsavo und finanziert sich unter anderem durch Gästezimmer
Wir übernachten im orthodoxen Kloster Uusi Valamo in Suuraho, knapp eine Stunde westlich von Joensuu. Die Zimmer sind einfach, die Mahlzeiten auch. Klostervorsteher Vater Viktor, ein schwarz gewandeter Hüne mit langem grauem Bart, ist Mitglied im christlichen Motorradclub „Sons of Abraham“. Er fährt eine sichtlich abgerockte, rote BMW R 850 GS, die nur von 1998 bis 2000 gebaut wurde. 117.351 km zeigt der Kilometerzähler, Aufkleber künden von diversen Motorradtreffen über die letzten Jahre. „Mönche haben keinen Urlaub, aber wir reisen“, sagt Vater Viktor, der mit 16 Jahren sein erstes Bike bekam. Seit 46 Jahren lebt er im Kloster.
Auf seinem Drehzahlmesser klebt ein Heiliger, der ausschaut wie der fiese Bruder von „Gandalf, der Graue“. Mit den Gästezimmern, Selbstgebrautem, Souvenirs und etwas Wald finanzieren sich die 19 Mönche selbst. Am nächsten Morgen brechen wir früh auf. Wir gönnen uns einen Abstecher ins Museums-Bergwerk Vanha Kaivos in Outokumpu, durch das man locker-flockig auf dem Bike fahren kann. Dann geht es rüber nach Joensuu. Heute Abend wartet Großes auf uns: Wir treffen uns mit den Jungs vom MC West Siberia. Eine Harley-Davidson-Gang, wie sie im Buche steht: tätowierte Köpfe, lange Bärte, Lederkutte – und alle so unfassbar nett, dass wir uns sofort zum „Supporter“ erklären.

Shuttle-Service im geliehenen Ami-Schlitten

MC West Siberia
So eine Kutte muss man sich verdienen: Als die Jungs vom MC West Siberia hörten, dass wir in der Gegend sind, luden sie uns spontan zum Barbecue ein – Shuttle-Service im alten Ami-Schlitten inklusive
17:30 Uhr. Auf die Minute zur vereinbarten Zeit klingelt Matthias Handy. „Shuttle ist da“, heißt es kurz. „Viel Spaß, die Herren“, wünscht Helena, Chefin des pieksauberen Aparthotels Lietsu, in das wir per Türcode eingecheckt haben. Unten auf dem Parkplatz blubbert der Achtzylinder eines hellblauen US-Schlittens. Wir steigen hinten ein, kriegen eine Dose Bier gereicht und cruisen zum Clubhaus. „Willkommen“, begrüßen uns Jouni, Jussi, Anssi, Simo und Co. 14 Mitglieder hat der 1992 gegründete MC West Siberia. Hangaround (Geduldeter), Prospect (Anwärter), Member (Mitglied) – das sind die drei Hierarchie-Stufen, die hier jedes Vollmitglied durchlaufen hat. Alle fahren Harley und sehen teils recht wild aus. Aber nicht täuschen lassen: Die Jungs haben geregelte Jobs und Familie. Im Clubhaus kannst du vom Boden essen. Gästestockbetten, große Küche, Mini-Kino, Werkstatt, Partyraum mit Bar, mit Billardtisch – alles ist penibel aufgeräumt und liebevoll arrangiert. Vorn neben der Küche ist die Sauna.

Sauna-Barbecue beim MC West Siberia

Abendessen MC West Siberia
Haut rein, Männer: Gegrilltes satt in der Abendsonne, dazu Dosenbier und Selbstgebranntes. So geht MC-Romantik auf Finnisch, Saunagänge inklusive. Es lebe die Biker-Verständigung!
„Erstmal essen, Jungs, Steaks sind fertig“, sagt Jouni und lotst uns raus auf die Terrasse. Die Abendsonne taucht die Tafel in warmes Licht. Anssi reicht selbst gebrannten Schnaps zum Bier – lecker Lakka aus Moltebeeren und nachtschwarzen Salmiakki aus Lakritz. Die Stimmung steigt nicht erst mit den Saunagängen. Peter holt seine Mundharmonika raus, die nächste Session, dieses Mal ohne Kantele. Wir kommen uns vor, als wären wir seit Jahren Teil der Meute. Soll noch mal einer sagen, die Finnen wären verschlossen. Biker aller Länder, vereinigt euch!

Achterbahnetappe durch den Wald

Gipfel
Erst die Arbeit und dann: Autor Bielefeldt spricht den nächsten O-Ton ein fürs Karelien-Video. Viel spannender: der Ausblick auf die zauberhafte Seenlandschaft des riesigen „Lake Saimaa“
Spätes Frühstück im Lietsu, wir lassen es heute etwas ruhiger angehen (ähem). Der TET lockt mit einer fabulösen Achterbahnetappe durch den Wald. Am Berg Koli kommen wir raus und erklimmen den berühmten Aussichtspunkt. Vor uns breiten sich kleine Inseln in der Seenlandschaft aus, so weit das Auge reicht. Seit Adam und Eva dürfte das hier einer der ikonischsten Touri-Spots Finnlands sein. Wir haben heute relativ viel Landstraße vor uns und eine charmante, kurze Fährpassage bei tief stehender Sonne. Zur Einstimmung gönnen wir uns finnische Tapas – geröstetes Brot mit Salami-Sticks, Käse, Oliven und Moltebeeren-Chutney, dann machen wir uns auf die Suche nach Venejoki Piilo, unserem Hideaway für die Nacht.

Gipfelstürmer und „Cabin“-Eremiten

Hütten Resort
Hütten-Romantik mitten im Wald: „Venejoen Piilo“ lockt mit (derzeit) drei 16-qm-„Cabins“. Ein kleiner Holzsteg führt zur Terrasse. Vom Bett aus schaut man den Bäumen beim Wachsen zu
Terhi und Ville, die beiden Betreiber des kleinen Hütten-Resorts, haben die Anlage mit viel Hingabe aufgebaut, mitten im Wald. Auf dem Grundstück steht eine historische Mühle für Feste und das Abendessen (auf Bestellung). Wir schlafen in „Cabins“ – 16 Quadratmeter große Hütten mit riesigem Panoramafenster und kleiner Terrasse. Der Blick ist ein Traum – mitten rein in die Natur, Sonnenuntergang inklusive. Naava, Päre und Otava heißen die drei bereits fertigen 2er-Hütten. In der Gemeinschaftshütte gegenüber ist die Küche, ein Stück weiter am kleinen See Sydänlampi die obligatorische Sauna. Knapp 2,5 km entfernt gibt es einen Strand im Wald. Die Anfahrt beschert Peter ein ziemlich plattes Hinterrad. Der Übeltäter ist schnell gefunden: eine fette Schraube, die offenbar aus der Werkzeugkiste der Jungs stammt, die am Ufer gerade eine Gemeinschaftshütte für Badegäste bauen. Was tun, mitten in der finnischen Pampa? Terhi und Ville eilen mit einer Luftpumpe herbei, wir organisieren uns über die Jungs vom MC West Siberia einen Slot zur Reifenreparatur (eines der Mitglieder hat eine eigene Werkstatt). Die 40 Kilometer bis Joensuu bleibt der Metzeler Karoo 4 dicht – Peter hat die Schraube festgezogen im Gummi (mangels Pfropfen). Hält erstaunlich gut.

Gourmet-Tempel und uriger Fischladen

Hütten Resort
Übernachtungskomfort vom Allerfeinsten: das Kuru Resort in Rantasalmi. Die Suiten sind zur Wasserseite hin komplett verglast
Die letzte Nacht vor der Rückkehr nach Helsinki verbringen wir im Kuru Resort. Unsere lichtdurchfluteten Suiten liegen direkt am Wasser. Das angeschlossene Restaurant Solitary zählt zu den 30 besten Gourmet-Tempeln Finnlands. Besser geht es nicht. Zur Anlage gehört auch das Järvisydän Naturhotel mit riesiger Spa-Landschaft. Um die Ecke liegt der Linnansaari National Park. Für den späten Abend sind Polarlichter angekündigt. Aber die haben sich das wohl kurzfristig anders überlegt. Wäre wohl auch zu viel des Guten gewesen.
Fisch
Leckereren Fisch als bei Raimo und Päivi Heinänen findet man vermutlich in ganz Finnland nicht. Ihr Fischladen mit angeschlossener Küche ist eine Institution in der Markthalle von Mikkeli
Die rund 310 Kilometer von Rantasalmi nach Helsinki versüßen uns die Blumentorten im Landgasthaus Tertin Kartano in Norola und die famosen Fischspezialitäten von Raimo und Päivi Heinänen. Das Ehepaar betreibt in der Markthalle von Mikkeli einen legendären Fischladen mit angeschlossener Küche. Die Art und Weise, wie lecker Raimo Hecht zubereitet, ist ganz große Fischkunst. Unbedingt probieren, wenn man in der Gegend ist, muss man sein Kalakukko (siehe Reiseinfos). Und den Käse mit Namen. Unsere beiden Stücke hießen Illusia und Loreley – wie die beiden Kühe, die ihre Milch dafür hergaben. Leben und leben lassen – und immer Respekt für andere zeigen. So sind sie hier in Südfinnland.

Motorradtour Finnland – Karelien – Infos

Allgemeine Infos

Großstadtflair in Helsinki, märchenhafte Schneelandschaften in Lappland (offizielle Heimat des Weihnachtsmanns), ungezählte Seen auf der waldbestandenen Seenplatte, dazu Küste und Schärenmeer. Und Elche, Elche, Elche – aber kaum Menschen. Mit gerade einmal 5,5 Millionen Einwohnern gehört Finnland zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Auch das macht es zu einem großartigen, abwechslungsreichen Reiseziel: unendliche Weiten locken. Mit 338.462 Quadratkilometern ist das Land fast so groß wie Deutschland. Im Nordwesten grenzt es an Schweden, im Norden an Norwegen, im Osten an Russland. Auf rund 1.340 km Länge bildet die parlamentarische Republik die Außengrenze des Schengen-Raumes der Europäischen Union. Seit Putins Armee die Ukraine überfallen hat, kommt Finnland eine enorme militärische Bedeutung zu. Im April 2023 wurde das Land Mitglied der NATO. Alle Grenzübergänge nach Russland sind geschlossen. Das Bildungsniveau ist hoch. Mit Englisch kommt man überall weiter, ebenso mit Schwedisch. 2023 zählten die Finnen 12,3 Millionen „Touristenankünfte in Beherbergungsbetrieben“, wie es offiziell heißt. Das sind genauso viele wie vor der Coronapandemie (2019) und ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022. Hauptstadt und Regierungssitz ist Helsinki. Mit rund 674.500 Einwohnern ist die Metropole am Meerbusen mehr als doppelt so groß wie Espoo, Finnlands zweitgrößte Stadt.

Sehens- und erlebenswert

2.200 Seen und 24.000 Ferienhäuser – mit diesen Zahlen lockt Nordkarelien Besucher an. Koli, Kolovesi, Patvinsuo und Petkeljärvi heißen die vier Nationalparks der Region zwischen Helsinki und dem Polarkreis. Karelien, „das schöne Land der Seen“, teilt sich in Süd- und Nordkarelien. Lappeenranta und Joensuu sind die größten Städte. Wasserbegeisterte kommen am Saimaa nicht vorbei. Der größte See Finnlands ist ein verzweigtes Labyrinth aus Tausenden von Inseln und weiten Gewässern. Mit 14.500 km hat er den längsten Uferstreifen der Welt. Einen wunderbaren Blick über die Seenlandschaft kann man vom Aussichtsberg Koli genießen. Ein Muss für jeden: Sauna zu jeder Tag- und Nachtzeit. 

Unterkunft

Lietsu Boutique Aparthotel
Rantakatu 26
80100 Joensuu
www.lietsuhotel.fi

Venejoen Piilo
Romppalantie 4
81160 Kontiolahti
www.venejoenpiilo.com

Kuru Resort 
Kuruntie 22
58900 Rantasalmi
www.kururesort.com

Bunte Ferienhäuser aus Holz, originelle Kloster, charmante Hotels, urige „Cabins“ (Hütten), luxuriöse Spa-Resorts – Karelien bietet die volle Bandbreite an Übernachtungsmöglichkeiten. Großartige Tipps gibt es auf den gut gemachten Websites der Tourismusverbände GoSaimaa (gosaimaa.com) und VisitKarelia (visitkarelia.fi).

Empfehlungen für Motorradfahrer in Nordkarelien gibt es auf www.visitkarelia.fi/de/motorradreisen-in-nordkarelien/

Routenverlauf

Travemünde – Helsinki – Virolahti – Vaalimaa – Lappeenranta – Kotasaari – Vuoksi – Imatra – Koitsanlahti – Patsaspuisto – Suuraho – Outokumpu – Joensuu – Koli – Kontioranta – Romppala – Katajaranta – Rantasalmi – Norola – Mikkeli – Helsinki
  • So lang ist diese Motorradtour: ca. 1.470 km
  • Der höchste Punkt der Strecke: 325 Meter über NN

Anreise

Übers Meer oder auf dem Landweg (plus Fährpassagen) – diese beiden Möglichkeiten gibt es mit dem eigenen Bike. Unsere Empfehlung für einen Trip nach Karelien: Mit Finnlines (finnlines.com/de) ab Travemünde nach Helsinki – alles andere kostet einen mit Enduro- oder Stollenreifen vermutlich gleich bei der Ankunft einen Satz Reifen und ist auch nicht schneller, geschweige denn komfortabler. Mit der Finnstar oder Finnlady geht es nachts um 02:00 vom Skandinavienkai durch die Nacht. Rund 32 Stunden (zwei Nächte) ist man auf See. Ankunft im Fährhafen von Helsinki ist morgens um 10 Uhr – ausgeschlafen und entspannt. 

Alternativ führt die kürzeste Fährstrecke ab Hamburg über Fehmarn nach Kopenhagen (Dänemark), Malmö (Schweden) und Turku (Finnland) und von dort via Helsinki zum Einstieg in den finnisch-russischen Grenz-TET bei Virolahti. Rund 1.650 Kilometer und diverse Fährverbindungen liegen auf dem Weg. Google Maps kalkuliert bei geringem Verkehr 25 Stunden (!) reine Fahrtzeit. Die südlichere Route ist noch mal 200 km länger und führt über Polen, Litauen, Lettland und Estland nach Tallinn. Von dort geht es per Fähre durch den finnischen Meerbusen rüber nach Helsinki und weiter über die E18 nach Virolahti. Reine Fahrtzeit in diesem Fall: 19,5 Stunden (A2) bis 21 Stunden (A24) plus zwei bis zweieinhalb Stunden Fähre. Beide Touren empfehlen sich nur, wenn man unterwegs weitere Ziele ansteuern möchte. Und wirklich ganz viel Zeit hat. Und das nötige Sitzfleisch besitzt. 

Beste Reisezeit

Finnland ist ein Ganzjahres-Urlaubsland – und ein Spätsommer-Geheimtipp. Durch die Lage an der Ostsee ist es im Westen und Südwesten maritim geprägt, im Osten und im Norden kontinental. Der Meteorologe spricht von von einer „kaltgemäßigten Klimazone“. Im Hochsommer kann es über 30 Grad warm werden. An den unzähligen Seen weht gern ein leichtes Lüftchen. Im Winter herrschen in Lappland Tiefsttemperaturen von bis zu minus 50 Grad, landesweit kann es mächtig schneien. Winterurlauber und Snowmobilisten lieben das Land dafür, Motorradfahrer eher weniger, auch wenn Finnland ein beliebtes Transitland zum Nordkap ist. 

Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen schwanken je nach Region. In Lappeenranta (Nordkarelien) beträgt sie acht Grad, im Juli werden es 21 Grad. Kältester Monat ist der Januar mit Nachttemperaturen von minus 13 Grad. Die meisten Sonnenstunden gibt es von Mai bis Juli (9 pro Tag), den meisten Regen von November bis Januar (11 Tage) sowie im Juli und August (10 Tage). Ohne Regenzeug beziehungsweise wasserdichte Bekleidung sollte sich kein Motorradfahrer auf den Weg machen: Das Wetter schlägt mancherorts schlagartig um. Und dann regnet es gern mal richtig. 

Verpflegung

Fisch (Zander, Kaisermaräne, Hecht) und Burger (Rind, Rentier, Bison) in allen Variationen stehen bei den Finnen hoch im Kurs. Und Brot! Morgens, mittags, abends – immer steht ein Korb mit leckerem Brot auf dem Tisch. Oder mit Karjalanpiirakka, Karelischen Piroggen. Glück hat, wer ein Fischgeschäft findet, das Kalakukko anbietet – Maräne und Schweinefleisch, in einer Roggenkruste gebacken, köstlich und lange haltbar. Leckerer Nachtisch: Leipäjuusto – gebackener Käse aus Kuhmilch, auch „Quietschkäse“ genannt – mit Moltebeermarmelade. Eingefleischte Finnen (Samen) tunken ihren Leipäjuusto (glatt und fett) in schwarzen Kaffee (heiß und bitter) – einfach mal probieren. Süßer: Heidelbeerkuchen, gern auch mal mit Milch gereicht (Mustikkapiirakka). 

Alkohol ist in Finnland wie in allen Ländern Skandinaviens sündhaft teuer. Ein großes Glas Bier kostet in Bars und Restaurants gern acht bis zehn Euro, die Preise für eine Flasche Wein durchschnittlicher Güte liegen bei umgerechnet 80,-- bis 130,-- Euro. Auch das Preisniveau für Essen ist hoch bis exorbitant. Dafür ist die finnische Küche oft hervorragend und fast immer aus heimischen, frischen Zutaten.

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