Costa Rica – The Great Getaway

Acht Tage „pura vida“ – das pure Leben – in Costa Rica, der Schweiz Lateinamerikas. Famose Hotels, lecker Essen und sechs Tage Big-Boxer-Groove auf der BMW R 18 inklusive.
Costa Rica – The Great Getaway „Pura Vida“ im Schatten des Vulkans Arenal. Costa Rica ist ein Paradies für Motorradfahrer – wenn nur die lange Anreise von Europa aus nicht wäre
Costa Rica – The Great Getaway Typisch Costa Rica: gelbe US-Fahrbahnmarkierungen, palmengesäumte Straßen
19 Bilder
Hermann Köpf
Mehrtägige Rennstrecken-Fahrtrainings, „Follow The Trails“-Enduro-Abenteuer auf den Spuren der GS Trophy und „The Great Getaway“ – das große Entkommen, wörtlich übersetzt, in Costa Rica, Portugal und den Vereinigten Staaten. Stolze 6.950,-- Euro ruft BMW Motorrad fürs große Getaway auf – ganz gleich, für welche der drei Destinationen man sich entscheidet. Hinzu kommen jeweils noch die Anreise und gegebenenfalls ein Aufschlag von 1.375,-- Euro fürs Einzelzimmer, so man seine Gemächer auf der Reise nicht teilen möchte mit einem Reisegefährten.
Kurven, Kurven, Kurven. Auf den Straßen von Costa Rica ist wenig los. Genau das richtige Terrain für Power Cruiser wie die BMW R 18
Kurven, Kurven, Kurven. Auf den Straßen von Costa Rica ist wenig los. Genau das richtige Terrain für Power Cruiser wie die BMW R 18
Als Gegenleistung für den Griff ins Sparbuch gibt es ein „Once in a lifetime“-Erlebnis vom Allerfeinsten. Acht Tage vor Ort plus An- und Abreisetag zum Akklimatisieren. Sechs Tage verbringen die Teilnehmer weitgehend auf ihrer BMW R 18, zwei Tage ist Chillen angesagt – in Costa Rica beispielsweise beim „Beach Day“ am und auf dem Pazifik im Strandparadies Las Catalinas und beim „Adventure Day“ im Nationalpark rund um den Vulkan Arenal. Motorrad & Reisen hat die kompakte, exklusive Media-Vorabtour in Costa Rica begleitet. Vier knackige Fahrtage, „nur“ 760 statt 1.500 Kilometer, aber das volle „pura vida“-Erlebnis. Jetlag inklusive.
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Tag 1 San José – La Herradura, 152 km

Die Bucht von La Herradura – das perfekte Postkartenmotiv
Die Bucht von La Herradura – das perfekte Postkartenmotiv
Um fünf Uhr morgens ist die Nacht vorbei. Der Trip nach Costa Rica ist eine Zeitreise in die Vergangenheit: Lateinamerika ist im März sieben Stunden zurück. Mehr als 10.000 Kilometer trennen das tropische Paradies vom verregneten Deutschland. Gut zwölf Stunden dauert der Flug in die atemberaubende Welt der Wasserfälle, Palmenstrände und Baumriesen. Bis zu 40 Meter und mehr schießen sie in die Höhe in den Regen- und Nebelwäldern. Eine andere Welt, faszinierend und fast kitschig in all ihrer Farbenpracht. Der Tag schält sich in Orange und Pink aus dem Dunkel der Nacht.
Ich steige in meine Motorradklamotten und schultere mein Gepäck, um es schon mal zum Getaway-Front-Desk zu bringen. Die Taschen reisen im Begleit-Van mit. Bei der Ankunft abends im Hotel warten sie bereits auf dem Zimmer. Alles perfekt organisiert. Unterwegs läuft mir ein Kollege über den Weg, der gerade vom Early-Bird-Workout kommt. Gewichte stemmen um sechs Uhr morgens. Verrückter Hund. Dafür sieht er aus wie das Body-Double von Daniel Craig und ich keuche unter dem bisschen Gepäck wie ein ausrangierter Wrestler. Zeit für einen Abstecher auf die Frühstücks-Terrasse. 23 Grad zeigt das Thermometer um kurz nach sieben. Ich hätte vielleicht erst mal Shorts anziehen sollen.
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Acht Uhr, erstes Briefing der Tour. Da, wo gestern Abend Filetsteaks gereicht wurden und roter Wein; Malbec ist hier schwer angesagt, das passt zu meiner Gaumenkultur. Das Team stellt sich vor: Mauricio, genannt „Micho“, macht den Anfang. Unser Tourguide und einer der beiden Gründer von Elephant Moto, dem Ausrichter der Alltagsflucht. Juan-Carlos („Juaco“) heißt der zweite Leadrider, Christian unser „Best Boy“. Der studierte Mikro-Ökonom ist wie Juaco ein „Tico“, so nennen sich die männlichen Einwohner Costa Ricas. Christian kennt hier jeden Baum und alle Viecher, bei jedem Stopp reicht er Sonnencreme und kalte Getränke. Kaum fragst du dich, wohin mit der leeren Buddel, steht er mit einem Müllsack neben dir, dezent wie ein Butler. „Feuchttuch?“
Es folgt unser „Medic-Team“, Alvaro und Ricardo, Arzt und Sanitäter, Onkel und Neffe, wie sich herausstellt. Doc Alvaro ist ein Gott an der Drohne. Während wir über Brücken gleiten, filmt er aus der Luft die Krokodile, die darunter auf unvorsichtige Touristen und untalentierte Motorradfahrer warten. „Tica“ Tanja kümmert sich um alles Organisatorische.
Sauber aufgereiht warten unsere BMW R 18 First-Edition-Bikes
Sauber aufgereiht warten unsere BMW R 18 First-Edition-Bikes
Bleibt Gerd, unser fränkischer Werkstatt-Virtuose, der allerdings nix zu tun bekommen wird. Die Bikes der R-18-Flotte, auf der wir durch Costa Rica mäandern, haben keine 1500 Kilometer auf der Uhr. Zipperlein bleiben aus. Und für den Fall der Fälle, falls doch was Ernstes sein sollte, reist eine Ersatzmaschine mit im Werkstatt-Van. „Expect the unexpected“, sagt Micho, der aus Kolumbien stammt und den berühmtesten Nachnamen des Landes trägt: Escobar. Erwartet das Unerwartete, na dann. „Costa Rica ist ein sehr freundliches Land. Die Armee wurde vor über 70 Jahren abgeschafft, es geht friedlich zu, auch auf den Straßen, aber manchmal passieren Dinge, auf die ihr vorbereitet sein müsst.“ Gemeint sind zum Beispiel Autos und Trucks, die trotz Gegenverkehrs einfach quer über die Fahrbahn abbiegen. Oder einspurige Brücken, vor denen ein Schild regelt, welche Seite zuerst fahren darf. Ist den meisten hier allerdings piep­egal. Oder sie kennen das kryptische Schild nicht, das aussieht wie die kubistische Interpretation einer Blindenbinde.
Noch was? Jo, üble Bandscheibenkiller. Die lauern vor, hinter und meist auch in kleineren Städten und Häuseransammlungen: Geschwindigkeitsschwellen, bordsteinhoch. Mal gelb angepinselt, mal nicht. „Reductor“ warnt ein Schild am Straßenrand, wenn es gut läuft. Schlechtestenfalls steigt dein Vordermann unvermittelt voll in die Eisen. Oder hebt krachend ab. „Schneller als Schritttempo tut da nicht gut“, rät Micho väterlich. Er meint Mensch und Maschine. Obacht gilt auch bei den Schlaglöchern, die hier auf fast allen Straßen lauern, mancherorts flächendeckend wie ein Schachbrettmuster. Willkommen in Lateinamerika. Dann mal los. Raus in den Back­ofen. Die Wetter-App meldet mittlerweile 28 Grad, die Uhr zeigt kurz nach neun.
Typisch Costa Rica: gelbe US-Fahrbahnmarkierungen, palmengesäumte Straßen
Typisch Costa Rica: gelbe US-Fahrbahnmarkierungen, palmengesäumte Straßen
Chrom blitzt in der Sonne. Sauber aufgereiht warten unsere First-Edition-Bikes, schwarz mit weiß liniertem Tank. Ein Feeling wie bei „Armageddon“, Kerle mit Helmen schreiten entschlossen zu ihrer Rakete. Papageien schwadronieren, Livrierte grüßen huldvoll, eine Hochzeitsgesellschaft trudelt ein. Gott, ist mir heiß. „Sonnencreme?“, fragt Christian.
San José liegt auf 1.170 Metern Höhe. „Da hat die Sonne Kraft“, mahnt Mutter Christian. Jeder schnappt sich ein Bike, mit oder ohne Packtaschen. Mir reicht ein Tankrucksack. Kamera rein, Taschentücher, um mir die brennende Schweiß-Sonnencreme-Melange aus den Augen feudeln zu können, Ersatz-Mund-Nase-Bedeckung, Corona lauert schließlich auch im Paradies. Aufsitzen. Rund 150 Kilometer liegen heute an. In der Regel fahren die zahlenden Teilnehmer 100 bis 250 km am Tag, meist auf schmalen Nebenstraßen. Nur ab und zu führt die Tour über breite Freeways oder Interstates, gut ausgebaute Schnellstraßen ohne Ampeln. Die BMW R 18 liefert den Groove für die Tour. Breiter Lenker, tiefer Sitz, 158 Nm bei 3000 Touren, „Berlin Built“ durch und durch. Yeah. In zwei Gruppen brechen wir auf. Unweit des Hotels stockt es. Die Umgehungsstraßen der Hauptstadt sind voll. Ohne Vorankündigung werden immer mal wieder aus drei Spuren zwei, aus zweien eine. Pura vida, wie es hier heißt. Das pralle Leben. Is’ halt so, nur keine Hektik in der Hitze. Costa Rica entschleunigt. Und genau darum geht es hier. Raus aus dem Alltagsstress, abschalten, runterkommen. Cruisen von seiner schönsten Seite.
Deutsche Wurzeln: Sägewerk-Technik aus Leipzig
Deutsche Wurzeln: Sägewerk-Technik aus Leipzig
Erster Stopp: Fábrica de Carretas Eloy Alfaro. Ein Familienbetrieb mit deutschen Wurzeln. Seit 1923 bauen sie hier Holzräder mit Maschinen aus Leipzig. Die kleine Manufaktur wirkt wie die Schokoladenfabrik, die Fantasy-Regisseur Tim Burton einst für seinen Charlie ersann, bloß mit Holz. Ein Wasserrad setzt das Wunderwerk in Bewegung. Wie von Zauberhand drehen sich überall Walzen und Zahnräder und Lederriemen und Wellen. Als Ergebnis setzt sich am Ende des Raums eine Handsäge in Bewegung. Was für ein Spektakel. Im Schatten der gegenüberliegenden Hofseite bemalen ein Mann und eine Frau mit feinen Pinseln Tassen, Becher, Teller. Den ganzen Tag lang. Vorn im Souvenirshop kann man die kleinen Kunstwerke für eine Handvoll Dollar erstehen. Visa und American Express welcome.
Wir gleiten weiter, vorbei an improvisierten Obstständen, schuhkartonartigen Holzhäuschen und unzähligen Schrotthöfen. Auffallend oft stehen sauber halbierte Autos davor. Aus zwei mach eins scheint schwer angesagt zu sein in der örtlichen Auto-Recycling-Szene. Vorn Toyota, hinten Nissan oder umgekehrt; wer genau hinschaut, entdeckt diese Mischfahrzeuge an jeder fünften Kreuzung. Unübersehbar: die gelben US-Schulbusse. Allgegenwärtig: die schreddeligen 125er-Motorräder, auf denen sie hier gern auch mal zu dritt fahren. Nur selten kreuzen größere Bikes unseren Weg.
Improvisieren ist alles: selbst zusammengezimmerter Obststand am Straßenrand
Improvisieren ist alles: selbst zusammengezimmerter Obststand am Straßenrand
Zeit für den ersten Café-Stopp. Als wir Jésus passieren, das letzte Reductor-Kaff auf dem Weg zu unserem Koffein-Dealer, verschwimmt der Horizont als weißer Brei mit dem blassgrünen Hügelland. Das war es dann mit dem erhofften Pazifik-Panorama. Weiter östlich, in unserer Fahrtrichtung, ist der Himmel verdächtig dunkel. Erste dicke Tropfen platschen auf die breiten Tanks unserer Big Boxer, als wir den Kiesparkplatz des La Casita del Cafe ansteuern. Nix wie rein in den Wellblechverschlag. Es gibt Eiskaffee mit Karamell. Himmlisch. Der köstliche Humpen entschädigt für den entgangenen „ocean view“. Und geht glatt als kleine Mahlzeit durch.
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Und dann: Kurven. Endlich. Im Pura-vida-Swing geht es weiter. Im Regen. Herrlich, endlich ein wenig Abkühlung. Im Örtchen Orotina wird die Costa Rica 3 zur 27. In Pózon biegen wir links ab und ballern die 34 runter. Das Los Suenos Marriott Ocean & Golf Resort wartet auf uns, traumhaft gelegen in einer großen, palmenbestandenen Bucht mit Jachthafen. Aber erst mal ein Imperial, das lokale Bier, eisgekühlt gereicht von Christian auf dem Parkplatz unweit des Hoteleingangs. Salud!

Tag 2 La Herradura – Las Catalinas, 250 Kilometer

Abends biste platt vom Fahren in der Hitze, nach dem Drei-Gänge-Menü geht es früh in die Heia. Die Nacht endet eh wieder um fünf Uhr morgens, Jetlag-Nachwehen. Zeit für ein paar Mails plus Nachrichtencheck. Putin bombardiert die Ukraine, Diesel kostet fast zweifuffzich. Aber ich gebe zu: Das reale Leben verblasst, wenn du morgens bei strahlend blauem Himmel durch luftige 5-Sterne-Herbergen flanierst. Und dich fragst: Schnell noch in den Pool vorm morgendlichen Omelett? Oder erst nach dem Früchte-Arrangement, das Ananas-Stück für Ananas-Stück, Erdbeere für Erdbeere auf deinen Frühstücksteller drapiert wird?
Abwechslungsreiche Landschaft: Stellenweise erinnern die abgezäunten Weideflächen Costa Ricas an die Prärien in den Vereinigten Staaten
Abwechslungsreiche Landschaft: Stellenweise erinnern die abgezäunten Weideflächen Costa Ricas an die Prärien in den Vereinigten Staaten
Heute steht die Luft. Kein Windhauch, Luftfeuchtigkeit gefühlt bei 97 Prozent. Rund 250 Kilometer werden wir heute fahren. Bei bis zu 38 Grad, wie sich später zeigt. Durchschnitts­tempo: 47 km/h. Gestern waren es drei weniger. Costa Rica entschleunigt, im wahrsten Sinne. In der City gilt Tempo 40, außerhalb Tempo 60, auf den Überlandstraßen „Velocidad Maxima 80 kph“, manchmal auch 90. Micho respektiert das, wir also auch. „Bitte überholt nicht innerhalb der Gruppe“, erinnert uns Señor Escobar jeden Morgen vor der Abfahrt. Und ihn, den Tourguide, schon mal gar nicht. Die Kurven sind eng gesetzt, die Straßen schmal. Mit der ganzen Gruppe vorbei an Lkw im Kriechtempo? Unmöglich. Also locker bleiben, ganz gleich, wie schwarz die Abgaswolke ist, die der Oldielaster hinten rauskotzt. Gleiten und gucken ist die Devise, nicht rasen.
Costa Rica ist ganz viele Welten. Ein Konzentrat globaler Landschaften. Die Prärien Amerikas, die Wiesen Österreichs, die Steppen Afrikas. Und mittendrin: tropischer Dschungel. Regenwald und Nebelwald.
Pura vida: riesige Landesflagge am Strand von Caldera
Pura vida: riesige Landesflagge am Strand von Caldera
Blätter so groß wie Schreibtischplatten, Bäume so hoch wie Fernsehtürme. Guanacaste, der Nationalbaum Costa Ricas, streckt sich auf bis 40 Meter Höhe. Mit einem bis zu 3,6 Meter breiten Stamm und einer bis zu 45 Meter breiten Krone. Ein Mimosengewächs (ausgerechnet), imposant wie der Baum der Seelen in Avatar, oft bewachsen mit Bromelien, die aussehen wie kleine Stachelpalmen, nur dass sie halt auf Bäumen wuchern und nicht aus dem Boden sprießen.
Wir stoppen vor Churchill. Cooler Name für die lässigste Eisbude des Landes. Unweit der kleinen blau-weißen Bude flattert eine gigantische Landesfahne im Wind, hinter ihr brandet das Meer. Davor: die Hauptstraße von Caldera. Nennen wir es Promenade mit Durchgangsverkehr. Die riesigen US-Trucks fahren hier fast alle mit offenem Auspuff. Wenn sie schalten, schreien sie dich an wie eine Horde Orks. Würden sie dazu noch Feuer speien, wäre die Illusion vom stählernen Monster perfekt. Kopfkino aus, Eisbecher abgreifen. Spezialität des Hauses: „Dos leches con frutas y helados“. Gestoßenes Cola-Eis, Milchpulver, Früchte, gesüßte Kondensmilch, Eis – alles fein säuberlich geschichtet. Schirmchen drauf und bunte Soße, ab in die Sonne, Ozean anstarren und den Wind genießen.
Erfrischung am Straßenrand: ein Eisbecher bei Churchill
Erfrischung am Straßenrand: ein Eisbecher bei Churchill
Nächster Stopp: Restaurant „Mi Finca“, Mittagessen auf einem Teilstück der Panamericana, Reis mit Bohnen und wahlweise Fleisch oder Huhn, das Allroundgericht Costa Ricas. Viele verputzen es bereits zum Frühstück. Ein paar Kilometer weiter schlürfen wir Kokosnuss-Saft an einem Obststand. Gegenüber vom Obstladen stehen zwei riesige Mangobäume.
„Die Früchte sind aber nicht so doll, ziemlich klein und faserig“, erklärt Christian. „Die großen Mangos wurden jahrelang nur exportiert, für uns Einheimische blieben nur die Créolen.“ So nennen sie die lütten Mango-Dinger.
Die Fahrt führt nach Las Catalinas, ein Retorten-Strandstädtchen im Nordwesten Costa Ricas. Jede Menge Cafés und Open-Air-Bars, Motorrad- und Quad-Verleiher, moderne Häuser, schnieke Hotels. Die Teilnehmer der offiziellen Great-Getaway-Tour laufen hier erst am vierten Abend ein. Vorher drehen sie eine Schleife übers Landesinnere; Turrialba, Trogon Lodge, Quebos. In Las Catalinas bleiben sie dann zwei Nächte und verbringen einen „Beach Day“ am und auf dem lauwarmen Ozean.
Sonnenuntergang am Pazifikstrand von Las Catalinas
Sonnenuntergang am Pazifikstrand von Las Catalinas
Unser Abend startet mit einem Schwimmausflug zur Badeinsel. Im Sonnenuntergang trotten wir zum Dinner am Lagerfeuer. Ein Kumpel von Chris White, Co-Founder von Elephant Moto und ab heute der Chef-Ersatz für Juaco, singt zur Gitarre. Es gibt Spanferkel und anschließend Flor de Caña, ein milder Rum aus dem Nachbarland Nicaragua. Ein fast unwirklicher Abend, der in einem himmlischen Bett endet. Das Hotel Santarena ist ein beeindruckender Neubau im Neo-Kolonialstil. An der vier Meter hohen Zimmerdecke dreht sich leise ein Ventilator. Wieso denke ich beim Einschlafen an Bogart?
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Tag 3 Las Catalinas – Arenal, 185 km

Ungemach im Paradies: Lkw im Graben, passiert
Ungemach im Paradies: Lkw im Graben, passiert.
Die erste Etappe heute endet bereits nach wenigen Minuten am Playa Flamingo, vermutlich der schönste Strand auf der Pazifikseite. Instagram-Idylle, aber weit und breit kein Selfie-Monster zu sehen. Nur wir und ein paar Rentner, die wacker durch die Minibrandung marschieren. Kollege Holger schwimmt raus und stapft tropfend zurück an Land. Den Rest des Tages kämpft er mit Sand zwischen den Zehen. Christian reicht Sonnencreme und Energy-Drinks. Im nächsten Leben werde ich reich und mache so etwas öfter. Oder ziehe gleich hierher, wie Chris White. Der bärtige Hüne mit kanadischen Wurzeln lebt mit Frau und kleiner Tochter in Las Catalinas. Jeder Zweite grüßt euphorisch, sobald er ihn sieht. Chris ist hier bekannt wie ein bunter Hund. „Family business“, grinst er. Jeder hilft hier jedem. Pura vida.
Wir bleiben dem Wasser treu. Nach gut 100 Kilometern Fahrt in der Gluthitze parken wir ein: Catarata Llanos del Cortez – ein Wasserfallidyll. Anfahrt nur über eine buckelige Schotterpiste möglich. Es staubt wie Bolle. Wer es hinbekommt, fährt im Stehen. Kleiner Offroad-Abstecher für die R 18. Alles eine Frage des Willens, Federweg wird überbewertet. Als Wiedergutmachung für den unangekündigten Adventure-Trip warten unten am Wasserfall Handtücher und Snacks auf uns: Sandwiches, Früchte, Bananenbrot, kühle Getränke. Über die Felsen im Schatten huschen Leguane. Ein paar Übermütige schwimmen durch den Wasserfall. Ein Ordner im roten Baywatch-Dress trötet sie mit seiner Trillerpfeife zur Räson. Ich gönne mir ein Kurzschläfchen im warmen Sand.
Strahlend blauer Himmel, Palmen, luftige Restaurants: Beste Reisezeit für Costa Rica ist von Dezember bis April
Strahlend blauer Himmel, Palmen, luftige Restaurants: Beste Reisezeit für Costa Rica ist von Dezember bis April
Zurück bei den Bikes fällt der Hälfte der Gruppe wieder ein: niemals nicht den Helm in der sengenden Sonne am Lenker hängen lassen! Die Außenschale kannst du kaum anfassen. 39 Grad meldet das Thermometer der Begleit-GS. Und die stand im Schatten. Der Fahrtwind macht die Sache kaum besser. Selbst die kurze Jacke aus Meshgewebe wirkt zu warm. Machst du das Visier auf beim Fahren, denkst du, deine Rübe steckt im Dampfgarer. Ein Fön auf Hitzestufe drei ist nichts dagegen. Jammern auf allerhöchstem Niveau, ich weiß. BMW R 18 in den Tropen zu fahren, ist großes Kino. Die Einheimischen feiern uns. Hupen, Daumen hoch, winken – wo wir auftauchen mit unserer Gang, verdrehen die Leute die Hälse. Chromblitzende Motorräder für umgerechnet 23.000 US-Dollar fahren einem hier wahrlich nicht alle Tage vor die Smartphone-Kamera. Nahezu jede BMW R 18 in Costa Rica ist auf Elephant Moto zugelassen.
Majestätischer Anblick: Vulkan Arenal im gleichnamigen Naturreservat
Majestätischer Anblick: Vulkan Arenal im gleichnamigen Naturreservat
Die letzten 30 Kilometer zum Tagesziel Arenal samt gleichnamigem Vulkan und Stausee sind die mit Abstand besten unseres Kompakt-Getaways. Die Straße zum Lost Iguana Resort ist ein Traum. Kurve reiht sich an Kurve, kilometerweit, feiner Asphalt, toller Grip. Die 142 – so heißt diese Inkarnation einer Motorradstraße – führt mitten durch den Dschungel. Später beim Welcome-Bier sind sich alle einig: Das ist eine der drei schönsten Straßen der Welt. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier außer uns heute keiner unterwegs ist. Die fabulöse 142 gehört uns. Und einer Horde Pizoten, auch bekannt als Weißrüssel-Nasenbären. Die zutraulichen kleinen Kerle tauchen aus dem Nichts auf, besetzen die Straße und hätten offenbar gern etwas Wegezoll in Form von Futter. Deeply sorry, nix dabei. Piste wieder frei.
Dürfen wir vorstellen? Die Pizoten, auch bekannt als Weißrüssel-Nasenbären. Die zutraulichen kleinen Kerlchen bewohnen weite Teile Costa Ricas.
Dürfen wir vorstellen? Die Pizoten, auch bekannt als Weißrüssel-Nasenbären. Die zutraulichen kleinen Kerlchen bewohnen weite Teile Costa Ricas.

Tag 4 Arenal – San José, 170 km

Sollen wir wirklich? Zip-Line-Aussichtsplattform mit Blick auf den Vulkan Arenal
Sollen wir wirklich? Zip-Line-Aussichtsplattform mit Blick auf den Vulkan Arenal
Letzter Fahrtag, echt jetzt? Zeit rennt, auch im Paradies. Heute sind gleich nach den ersten Kilometern Eier gefragt: Morgenertüchtigung beim „Zip Lining“. Die längste der fünf Seilrutschen ist 750 (!) Meter lang. Über 40 Sekunden hängst du über dem Abgrund, teils geht es unter dir 220 Meter tief runter. Arme lang gestreckt, Beine anhocken und ab dafür. Wenn du Pech hast, packt dich unterwegs der Höhenwind und dreht dich mal zur einen, mal zur anderen Seite. Dadurch bremst du unwillkürlich, weil sich diese komische Rolle, an der dein Leben hängt, durch die Drehung leicht verkantet. Jetzt nur nicht einnässen. Haltung bewahren, Arme komplett strecken, Beine noch stärker anziehen – und weiter. Reine Nervensache. Das letzte Teilstück des Stahlhighways ist direkt zwischen den Baumriesen gespannt. Grüne Blätterwände rechts und links. Mit gefühlter Warp-Geschwindigkeit klatsche ich in die Bremspuffer der Talstation. Heidewitzka – pura vida!
Unser Getaway endet im Headquarter von Elephant Moto, mitten in San José, mitten im Großstadtverkehr, mitten im Leben, das so anders ist als alles, das einen unterwegs erwartet beim Great Getaway. Einparken im Shop. Wer mag, lässt sich noch schnell ein Erinnerungs-Tattoo stechen. Gerd ist so frei. „Open Roads. Open Minds.“ Darunter der Gasgriff einer R 18 und eine Hand, die danach greift. „Wann immer ihr wieder nach Costa Rica kommen wollt, meldet euch bitte“, sagt Chris zum Abschied.
Einer muss(te) den Job ja machen: Motorrad & Reisen-Autor Ralf Bielefeldt auf seiner „Great Getaway“ BMW R 18
Einer muss(te) den Job ja machen: Motorrad & Reisen-Autor Ralf Bielefeldt auf seiner „Great Getaway“ BMW R 18
Vor zwei Jahren hätte er eigentlich als Marshall die BMW GS Trophy in Neuseeland begleiten sollen. Zwei Wochen vorm Abflug hat ihn ein Auto von der Maschine geholt. Seitdem hat er Stahl in der Hüfte, im Bein und im Rücken – und tritt ein bisschen kürzer, was das Fahren im Gelände betrifft. Die BMW-GS-Touren, die Elephant Moto in ganz Südamerika anbietet, betreut zunehmend Partner Micho. Chris fokussiert sich auf The Great Getaway in Costa Rica. Micho begleitet die ebenfalls auf zehn Tage (acht Fahrtage) angelegten Getaways in Portugal. Von August bis Oktober teilen sie sich die Events im Nordwesten der USA. Dort wie in Portugal und Costa Rica gilt: Kurvenreiche Bergstraßen sollten kein Problem sein für die Teilnehmer. Erste Cruiser-Erfahrungen sind vorteilhaft. Für den Rest ist ja gesorgt.

Motorradtour The Great Gateway: Costa Rica – Infos

Motorradtour The Great Gateway: Costa Rica
Zu Costa Rica fällt den meisten Bikern wohl nur die Panamericana ein, wenn es ums Motorradfahren geht. BMW Motorrad will das jetzt ändern: mit der Luxus-Alltagsflucht „The Great Getaway“. Acht Tage „pura vida“ – das pure Leben – in der Schweiz Lateinamerikas. Famose Hotels, lecker Essen und sechs Tage Big-Boxer-Groove auf der BMW R 18 inklusive. 

Allgemeine Infos

Costa Rica. Die „reiche Küste“, übersetzt auf Spanisch. Pazifik im Westen, Karibik im Osten. Nicaragua im Norden, Panama im Süden. Neutral wie die Schweiz, Bruttoinlandsprodukt kleiner als der Jahresumsatz der BMW Group (2021: 111 Milliarden Euro). Das fortschrittlichste Land Lateinamerikas, heißt es. 500.000 Tierarten (okay, davon 300.000 Insekten) leben hier und 98 Einwohner pro Quadratkilometer, macht gut fünf Millionen Ticos und Ticas auf 51.000 km2 Fläche. In der Hauptstadt San José in der Hochebene Valle Central ballt es sich: Dort liegt die Bevölkerungsdichte bei 7.546 Einwohnern pro km2. Rund 1,6 Millionen Menschen leben im Einzugsbereich der einzigen Metropole.
Landeswährung ist der Colón, benannt nach Christoph Columbus. Ein Euro entspricht 728 Colón. Landesweit kann auch in US-Dollar bezahlt werden (1.000 Colón = 1,51 US-Dollar). Auf dem Land empfiehlt es sich, Bargeld dabeizuhaben. Hotels, Restaurants und alle größeren Geschäfte akzeptieren gängige Kreditkarten. Das Preisniveau speziell für frische Früchte ist vergleichsweise niedrig. Gehobene Hotels liegen preislich auf westlichem Niveau. Super kostet umgerechnet rund 1,13 Euro pro Liter, Diesel liegt bei 97 Cent/Liter.

Sehens- und erlebenswert
Costa Rica ist ein Bade- und Surfparadies. Die Wassertemperaturen fallen ganzjährig nicht unter 25 Grad Celsius. Surfer kommen vor allem im Nordwesten auf ihre Kosten: Die Provinz Guanacaste gehört zu den Hotspots für Wellenreiter. Place to be: der Strand Playa Naranjo im Nationalpark Santa Rosa mit dem berühmten „Witches Rock“. Anfänger sind bestens aufgehoben in Tamarindo. Die besten Strände befinden sich Insidern zufolge auf der Nicoya-Halbinsel. Erfahrene Kletterer können den 3820 Meter hohen Cerro Chirripó im Süden des Landes besteigen. Vom Dorf San Gerardo auf 1219 Metern führt ein Pfad bis zum Gipfel.
  • So lang ist diese Motorradtour: ca. 760 km
  • Der höchste Punkt der Strecke: 1.915 Meter über NN

Anreise

Per Flieger zum Beispiel ab Frankfurt oder München, alternativ Zürich oder Amsterdam. Flugdauer rund 12,5 Stunden, zurück dauert es meist eine Stunde weniger. Originell: In San José verlässt man große Boeing-Maschinen wie 777 oder 787 Dreamliner oft über Treppen und marschiert übers Rollfeld. Weitere internationale Flughäfen sind z. B. Liberia (Provinz Guanacaste) und Buenos Aires (Provinz Puntarenas). 

Beste Reisezeit

Von Dezember bis April herrscht Trockenzeit im wechselfeuchten Klima der Pazifikküste, von Mai bis November Regenzeit. Bedeutet: Es gießt täglich heftig und stundenlang. Die paar Tropfen, die uns im März begegnet sind, waren eine willkommene Abwechslung: Verdunstungskälte ist ein Segen bei fast 40 Grad. Die Temperaturen sind übers Jahr weitgehend stabil. Je nach Region betragen sie durchschnittlich zwischen 22 und 29 Grad – mit deutlichen Ausschlägen nach oben. Costa Rica liegt zwischen dem 8° und 11° nördlicher Breite und damit in den Tropen. An der Karibikküste im Osten herrscht äquatoriales Klima mit Niederschlägen zu jeder Jahreszeit. Die von Nordwest nach Südost verlaufende große Gebirgskette grenzt die Klimatypen gegeneinander ab. 

Verpflegung

Costa Rica ist der größte Ananas-Exporteur der Welt. Auch Bananen, Papayas, Macadamianüsse und Kaffeebohnen sind wichtige Exportprodukte. Reis, Bohnen und Kochbananen prägen die heimische Küche. Nationalgericht ist Gallo Pinto – gebratener Reis mit schwarzen Bohnen und Zwiebeln, dazu gibt es Spiegelei oder Rühreier sowie Tortillas und Sauerrahm. Mittags greifen viele zu Casados; Basis auch hier sind Reis und Bohnen, dazu gibt es Fleisch, Hähnchen oder Fisch und gedünstetes Gemüse. Ebenfalls beliebt: Tamales – in Bananenblätter gewickelte Maistaschen. Frische Früchte als Nachtisch gehen immer.

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